Demokraten feiern Überraschungserfolge – doch der Präsident steht noch fest
Die Zwischenwahlen in den USA brachten für die Demokraten ein unerwartet starkes Ergebnis. In vier bedeutenden Bundesstaaten und Städten setzten sich ihre Kandidaten klar durch – gegen Republikaner, die noch immer auf der Erfolgswelle von Präsident Donald Trump surfen. Doch trotz des doppelten Dämpfers für den Amtsinhaber sprechen Beobachter nicht von einer politischen Wende, sondern eher von einer kurzfristigen Brise in einem weiterhin stabilen Machtgefüge. Das Thema, das die Demokraten an die Spitze trug, ist altbekannt – aber aktueller denn je: die Lebenshaltungskosten. "It’s the economy, stupid" – dieser Satz aus Bill Clintons Wahlkampf von 1992 gilt wieder. Nur, dass es 2025 wohl treffender hieße: „It’s the affordability“ – also das, was sich Amerikaner im Alltag noch leisten können. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage sind 63 Prozent der US-Bürger unzufrieden damit, wie Präsident Trump mit steigenden Kosten umgeht; nur 27 Prozent bewerten seine Politik positiv. Bereits am Tag nach seiner Amtseinführung im Februar war die Unzufriedenheit spürbar – damals bei 41 Prozent. Diese Stimmung erklärt die Wahlerfolge von Mikie Sherrill in New Jersey, Abigail Spanberger in Virginia, Zohran Mamdani in New York und Gavin Newsom in Kalifornien. Besonders in New York, wo Mamdani als selbsternannter demokratischer Sozialist kostenlose öffentliche Verkehrsmittel und eine strikte Mietpreisregulierung versprach, setzte sich das Bedürfnis nach Entlastung gegen politische Realitäten durch. Dass seine teuren Versprechen kaum umsetzbar sind, spielte keine Rolle – der Unmut über steigende Preise war stärker.
Sozialpolitischer Protest statt politischer Kurswechsel
Die Ergebnisse zeigen, dass wirtschaftliche Sorgen die amerikanische Politik dominieren. In Virginia und New Jersey überzeugten die demokratischen Kandidatinnen vor allem mit pragmatischen Versprechen, die auf sinkende Preise und höhere finanzielle Sicherheit abzielten – nicht mit Steuererhöhungen oder radikalen Umverteilungsplänen. Beide verzichteten auf linke Rhetorik, die bei moderaten Wählern oft abschreckend wirkt. Ihre Siege werden nun landesweit analysiert. Beide Frauen – die eine ehemalige Marinehubschrauberpilotin, die andere frühere CIA-Agentin – stellten sich als sachorientierte Gegenpole zu Trump dar. Sie vermieden die Fehler des letzten Präsidentschaftswahlkampfs, als Kamala Harris das Thema Lebenshaltungskosten zu schwach besetzt hatte. Ihre Botschaft: weniger Ideologie, mehr Alltag. Die Strategie traf den Nerv einer Bevölkerung, die seit Monaten unter massiv gestiegenen Preisen für Nahrungsmittel, Mieten, Strom und Heizung leidet. Besonders hart trifft es die Ärmsten: Durch die föderale Haushaltssperre erhalten derzeit rund 12 Prozent der Amerikaner keine staatliche Lebensmittelhilfe, während in New York City etwa ein Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Das verschaffte Mamdani den entscheidenden Rückhalt in seiner Heimatstadt.
Trump selbst weist die Vorwürfe zurück. Die US-Wirtschaft sei „in Topform“, die Preise seien rückläufig. Als er in der Sendung „60 Minutes“ mit gegenteiligen Zahlen konfrontiert wurde, entgegnete er nur: „Nein, das stimmt nicht.“ Ironischerweise hatte er 2024 im Wahlkampf noch seinen Vorgänger Joe Biden wegen hoher Inflation kritisiert – obwohl die Wirtschaftsdaten damals für Biden sprachen.
Trumps Position bleibt stark – trotz Warnsignalen für 2026
Während führende Demokraten wie Suzan DelBene betonen, dass die Lebenshaltungskosten das zentrale Thema der kommenden Midterms 2026 bleiben werden, mahnen Wahlstrategen zur Vorsicht. „Die Republikaner reden viel über Kosten, aber sie tun nichts dagegen“, sagt Dan Kanninen, ehemaliger Wahlkampfmanager von Kamala Harris. Doch auch für die Demokraten ist der Weg zur Mehrheit im Kongress lang. Zwar schnitten die Gouverneurskandidatinnen Sherrill und Spanberger besser ab als Harris 2024 gegen Trump, doch strukturell bleibt das republikanische Lager gefestigt. Die jüngsten Erfolge fanden vor allem in ohnehin demokratisch geprägten Bundesstaaten statt. Eine landesweite Trendwende ist daraus noch nicht abzuleiten. Laut einer Umfrage von Washington Post, ABC News und Ipsos halten 68 Prozent der Amerikaner die Demokraten für „realitätsfern“ – nur geringfügig mehr als die 63 Prozent, die dasselbe über Trump sagen. Damit wird deutlich: Die politische Spaltung bleibt bestehen, und die Unzufriedenheit richtet sich gleichermaßen gegen beide Lager. Die Republikaner könnten den Wahlsieg des sozialistischen Bürgermeisters in New York künftig als Schreckensbild nutzen, um vor einem „linken Kurs“ zu warnen. Trumps politische Rüstung hat Kratzer bekommen – aber keinen Durchschlag. Die Demokraten haben ihn getroffen, aber längst nicht gestürzt.Für Deutschland bleibt die Entwicklung in den USA bedeutsam. Eine stabile oder instabile US-Wirtschaft beeinflusst unmittelbar die Finanzmärkte und die Exportchancen deutscher Unternehmen. Auch die Währungsentwicklung zwischen Euro und Dollar reagiert empfindlich auf US-Wahlzyklen, Zinsentscheidungen und wirtschaftspolitische Unsicherheit. Ein klarer Kurswechsel in Washington ist derzeit nicht erkennbar – und damit auch kein verlässlicher Trend für Europa.


