Wirtschaft

Koalition erzielt Kompromisse bei Rente, Autos und Wohnungsbau

Nach langen Verhandlungen haben CDU, CSU und SPD in zentralen Streitfragen Einigungen erzielt. Die Koalitionsspitzen verständigten sich auf Maßnahmen bei der Rentenreform, dem Ausstieg aus Verbrenner-Autos und dem Wohnungsbau. Besonders beim umstrittenen Rentenpaket hoffen die Parteien nun auf Zustimmung im Parlament: Geplant sind unter anderem eine umfassende Reform und zehn Milliarden Euro für die private Vorsorge.
28.11.2025 13:37
Aktualisiert: 28.11.2025 13:37
Lesezeit: 3 min
Koalition erzielt Kompromisse bei Rente, Autos und Wohnungsbau
CDU, CSU und SPD einigen sich nach langen Verhandlungen auf Maßnahmen zur Rentenreform, Verbrenner-Ausstieg und Wohnungsbauförderung. 10 Milliarden Euro für private Vorsorge geplant (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Die Spitzen von Union und SPD hatten in der Nacht zum Freitag fast sechs Stunden lang im Koalitionsausschuss beraten. Das Thema mit der größten Sprengkraft war die Rente: Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion hatte mit Ablehnung des vom Kabinett verabschiedeten Rentenpakets gedroht - eine Gefahr für die eigene Mehrheit bei der Abstimmung nächste Woche im Bundestag. Streitpunkt sind die langfristigen Kosten der Absicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent.

Rentenpaket: „Verabredungen gelten“

Vereinbart wurde nach Angaben von Union und SPD, dass an dem Paket nichts mehr geändert wird. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: „Wichtig für uns ist, dass Verabredungen gelten.“ Doch soll ein zusätzlicher Beschluss konkret eine große Reform in Aussicht stellen. Union und SPD hätten klar verabredet, dass es Strukturreformen brauche, betonte Klingbeil. „Da gibt es kein Gegeneinander in dieser Koalition.“

So soll die bereits geplante Rentenkommission spätestens Ende des zweiten Quartals 2026 Vorschläge machen, die im zweiten Halbjahr 2026 umgesetzt werden könnten. Eine zentrale Idee: Aus dem Aktienbestand des Bundes sollen zehn Milliarden Euro verwendet werden, um Erträge für eine Stärkung der Privatvorsorge zu gewinnen.

Merz sagte, es habe bereits einen Austausch mit der Jungen Gruppe in der Union gegeben. Dabei seien konstruktive und nachdenkliche Stimmen laut geworden. Weitere Gespräche sollen nach Worten des Kanzlers noch über das Wochenende folgen. Am Dienstag soll die endgültige Entscheidung über das Abstimmungsverhalten der Union fallen, sagte Merz.

Verbrenner-Aus: Lockerung gewünscht

Einig wurden sich Union und SPD nach eigener Darstellung auch im Streit über das geplante Aus für Neuwagen mit Verbrennermotor. Eigentlich ist auf EU-Ebene beschlossen, dass ab 2035 keine Autos mehr neu zugelassen werden dürfen, die im Betrieb noch klimaschädliche Treibhausgase wie Kohlendioxid verursachen. Die EU-Kommission hat eine Überprüfung angekündigt.

Merz sagte, er werde die EU-Kommission im „umfassenden Sinne“ bitten, die Regulierung zu korrigieren. Er wolle darum bitten, dass die Kommission nach 2035 neben rein batterieelektrischen Fahrzeugen auch weiterhin Fahrzeuge mit einem doppelten Antrieb zulasse, also Fahrzeuge bestehend aus Batterieantrieb und Verbrenner sowie „hocheffiziente Verbrenner“.

Söder: „Sehen mich sehr zufrieden“

Er sei sehr dankbar, dass man sich darauf in der Koalition habe verständigen können, sagte Merz. Für die SPD sei das ein weiter Weg gewesen. SPD-Chef Klingbeil sagte, man brauche mehr Flexibilität und mehr Technologieoptionen. CSU-Chef Markus Söder kommentierte: „Sie sehen mich da sehr zufrieden.“

Der bayerische Ministerpräsident lobte auch einen weiteren Punkt, den Schwarz-Rot in der Nacht vereinbart hatte: die staatliche Förderung für den Kauf von E-Autos, von der Menschen mit kleinem oder mittlerem Einkommen profitieren sollen. Dabei geht es um Kauf und Leasing von reinen Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen.

Förderung für E-Autos: 3000 Euro plus Kinderzuschlag

Förderung könnte es demnach ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen je Haushalt von 80.000 Euro geben, je Kind 5.000 Euro mehr. Es solle eine Basisförderung von 3.000 Euro festgelegt werden, die für die ersten beiden Kinder um je 500 Euro steige. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärte, bei einem monatlichen Netto-Einkommen von unter 3.000 Euro gebe es also eine Aufstockung der Förderung um 1.000 Euro. Söder meinte, diese Förderung könnte bis zu 600.000 Autos betreffen. Das gebe einen Riesenschub für den Inlandsmarkt.

Wohnungsbau: Vorrang in angespannten Märkten

Absprachen gab es einem Ergebnispapier zufolge auch zum Wohnungsbau. Nach dem sogenannten Bauturbo soll nun eine „umfassende Novelle des Baugesetzbuches“ folgen. Sie soll das Bauen vereinfachen und beschleunigen. Unter anderem soll ein Vorrang für neue Wohnungen in angespannten Wohnungsmärkten festgelegt und die Bauleitplanung vollständig digitalisiert werden. Ebenfalls vereinbart im Koalitionsausschuss: Am 10. Dezember soll die Verlängerung des Kurzarbeitergelds auf 24 Monate bis Ende 2026 beschlossen werden.

„Es hat Freude gemacht“ - Aber Kritik der Opposition

Insgesamt lobte Söder die Kompromisse der Koalitionsspitzen, auch beim Thema Rente. Das Paket sei gut für Deutschland, gut für die Wirtschaft, und schlecht für Radikale. „Die warten ja vor der Tür, dass wir gemeinsam scheitern“, meinte der CSU-Chef. Der Koalitionsausschuss habe Dinge nicht vertagt, sondern entschieden. „Wir haben einige dicke Brocken abgeräumt.“ Merz sagte: „Es hat Freude gemacht gestern Abend.“

Die Oppositionsparteien sind weit weniger überzeugt von den Beschlüssen. Linken-Chefin Ines Schwerdtner sagte der „Rheinischen Post“: „Was die Regierung da als Rentenpaket verkauft, ist ein schlechter Witz.“ Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss meinte, der Verbrennerbeschluss gefährde Tausende Arbeitsplätze in der Autoindustrie.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...