Technologie

Chiplieferant USA: Deutsche Wirtschaft verliert Vertrauen in wichtigste Bezugsquelle

Die deutsche Industrie steht bei der Chipversorgung mit dem Rücken zur Wand: Immer mehr Unternehmen zweifeln an der Zuverlässigkeit der USA – und sehen zugleich, wie riskant die Abhängigkeit von China und Taiwan geworden ist. Eine neue Bitkom-Studie zeigt, wie tief das Misstrauen reicht und warum der Ruf nach europäischer Unabhängigkeit lauter wird.
16.10.2025 10:31
Lesezeit: 2 min

Vertrauen in die USA schwindet

Die deutsche Wirtschaft verliert das Vertrauen in die USA als Lieferant von Halbleitern. In einer repräsentativen Umfrage des Digital-Branchenverbandes Bitkom erklärten nur noch 37 Prozent der Unternehmen, die Halbleiter nutzen, dass sie sich auf die USA hinsichtlich der weiteren Chip-Versorgung verlassen. Nur zwölf Prozent haben "großes Vertrauen" und 25 Prozent "eher großes Vertrauen" in den Chip-Lieferanten USA. 48 Prozent haben dagegen "eher geringes Vertrauen" und 14 Prozent "gar kein Vertrauen" in die Vereinigten Staaten.

Abhängigkeit von US-Chips

Die Vertrauenskrise verschärft sich, weil die USA das wichtigste Bezugsland für Halbleiter in Deutschland sind: 72 Prozent der befragten Unternehmen beziehen Halbleiter von Lieferanten mit Hauptsitz in den USA. 63 Prozent lassen sich aus China mit Halbleitern beliefern, 54 Prozent kaufen im Inland ein. Hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Beim zweitwichtigsten Chip-Lieferanten China bereitet den Unternehmen in Deutschland vor allem der schwelende Taiwan-Konflikt Sorgen. 92 Prozent halten die Drohungen Chinas gegenüber Taiwan mit Blick auf die Halbleiterversorgung für besorgniserregend. 28 Prozent der befragten Unternehmen beziehen Halbleiter von Firmen mit Sitz in Taiwan.

Weltweite Chipversorgung gefährdet

Bedeutend dabei ist vor allem TSMC. Das Unternehmen ist nicht nur der wichtigste Chip-Hersteller in Taiwan, sondern auch der weltweit größte und führende unabhängige Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte. TSMC produziert Chips für viele globale Technologiekonzerne wie Apple, Nvidia und Qualcomm und dominiert die weltweite Produktion besonders fortschrittlicher Logikchips. Ein Konflikt um Taiwan würde daher weit über die Region hinaus die globale Chipversorgung massiv stören.

Unternehmen fordern strategische Unabhängigkeit

Vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen verlangen in der Umfrage 90 Prozent der Firmen, Deutschland müsse die einseitigen Abhängigkeiten bei der Halbleiterversorgung beenden. "Halbleiter stehen im Mittelpunkt internationaler Wirtschaftskonflikte", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. "Wir brauchen daher ein starkes Ökosystem von Unternehmen rund um Halbleiter in Deutschland und Europa. So können wir Abhängigkeiten reduzieren und sind weniger erpressbar."

Lieferketten stabilisieren sich

Aus der Bitkom-Umfrage geht auch hervor, dass die Lieferkettenprobleme aus den Zeiten der Corona-Pandemie inzwischen weniger gravierend sind. Den aktuellen Stand der Halbleiterversorgung empfinden die Unternehmen zwar weiterhin als schwierig, aber weniger problematisch als 2023 und 2021. So berichteten 60 Prozent derjenigen, die in diesem Jahr bereits Halbleiter beschafft haben, von Schwierigkeiten – 2023 sagten dies noch 89 Prozent und 81 Prozent im Jahr 2021.

Für die Studie des Bitkom wurden 503 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus dem verarbeitenden Gewerbe, der IT und Telekommunikation befragt – also Branchen, in denen Halbleiter stark genutzt werden. Die Umfrage ist repräsentativ.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Politik
Politik Drohnenproduktion in der EU: Ukraine startet Fertigung in Deutschland
10.02.2026

Die Ukraine verlagert Teile ihrer Drohnenproduktion nach Deutschland und stärkt damit die europäische Rüstungsindustrie. Welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen Teamviewer-Aktie rutscht ab: Teamviewer blickt zurückhaltend aufs neue Jahr – schwieriges Marktumfeld
10.02.2026

Die Teamviewer-Aktie steht nach einem deutlichen Kursrutsch erneut im Fokus der Anleger. Vorsichtige Ziele für 2026, ein schwieriges...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Börsen im Wandel: Neue Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten
10.02.2026

Die US-Börsen geraten durch technologische Umbrüche und veränderte globale Kapitalströme in eine Phase der Neubewertung. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe
10.02.2026

Starke Zahlen, sinkender Kurs: Der Reisekonzern Tui startet operativ so erfolgreich wie lange nicht. Hotels und Kreuzfahrten liefern...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell stabil über 25.000 Punkten – startet der Leitindex Richtung Rekordhoch?
10.02.2026

Der DAX-Kurs hält sich knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten und sorgt damit für Spannung an den Märkten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entscheidung im Tchibo-Aldi-Rechtsstreit: Kaffeeröster muss vor Gericht Niederlage hinnehmen
10.02.2026

Der Tchibo-Aldi-Rechtsstreit ist entschieden: Wieder muss der Hamburger Kaffeeröster vor Gericht eine Niederlage hinnehmen. Doch das...

DWN
Finanzen
Finanzen Olympische Winterspiele in Milano Cortina 2026: Diese Olympia-Aktien profitieren
10.02.2026

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand Cortina sind in vollem Gange, für das deutsche Olympia-Team gab es bereits mehrere Medaillen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die BASF-Aktie: Konjunkturhoffnung, Analysteneinstufung und BASF-Aktienrückkaufprogramm
10.02.2026

Die BASF-Aktie startet stark ins Börsenjahr 2026: Konjunkturhoffnungen, ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und steigende Kurse treffen...