Technologie

Herbst der Entscheidungen: Wie die Medienhäuser ihre Zukunft sichern

Die Medienhäuser befinden sich in einer entscheidenden Phase des Wandels. Künstliche Intelligenz, der Einfluss globaler Plattformkonzerne und politischer Druck – insbesondere aus den USA – stellen die Branche vor große Herausforderungen. Für manche Unternehmen geht es dabei buchstäblich um ihre Zukunft.
20.10.2025 14:17
Lesezeit: 3 min

Medientage in München

Wie im Brennglas bündeln die Münchner Medientage von Mittwoch an (22.10.) all die aktuellen Themen. Zum wohl größten deutschen Branchentreffen dieser Art erwarten die Veranstalter drei Tage lang rund 5.000 Medienschaffende.

„Wir stehen vor einem Herbst der Entscheidungen“, sagt Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), die eine der Hauptträgerinnen der inzwischen 39. Medientage (#MTM25) ist. „Der Zeitpunkt ist daher mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen ein höchst spannender.“

Dramatik der Probleme

Wie ernst die Lage ist, formuliert das aktuelle Motto der Konferenz doppeldeutig im Netzjargon: "WTFuture?!". Im andauernden Medienwandel sucht die Branche zwischen einigem Entsetzen und viel Innovation nach Wegen in eine Zukunft.

„Bei allen ist das Bewusstsein gereift, dass sich die Dramatik der Probleme zuspitzt“, sagt Konferenz-Chef Stefan Sutor. „Wir haben ja eine ganze Palette an Problemen. Man weiß im Moment gar nicht, wo man anfangen soll.“

Vielleicht bei der Bedrohung durch globale Netzplattformen und KI-Riesen? Medienhäuser schlagen brandaktuell Alarm wegen neuer KI-Funktionen etwa in Suchmaschinen und Internet-Browsern. Wie bei Google: Die Suche spuckt statt nur Link-Listen nun gleich inhaltliche Antworten auf Fragen aus - erstellt von KI. Viele Medien, deren Inhalte die Basis für diese Antworten sind, gehen leer aus. Die User klicken seltener weiter zu deren Angeboten.

Digitalabgabe für Google & Co.

Mit hohen finanziellen Erwartungen blicken Branchenvertreter daher auf die Bundesregierung und besonders Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos): Er kündigte einen Gesetzentwurf zu einer Digitalabgabe für Internet-Plattformen an - Ausgang offen. Weimer wirft den KI-Riesen „geistigen Vampirismus“ und „digitalen Kolonialismus“ vor, den man nicht länger hinnehmen dürfe.

Auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) warnt: „Wenn KI-Antworten den Journalismus verdrängen, verliert die Demokratie ihr Korrektiv.“ Zudem seien zentrale Fragen nicht geklärt: zu Transparenz, Haftung, Quellenschutz und zur Gefahr der Meinungsmanipulation durch Algorithmen.

Kooperationen statt Konfrontation

Beim Auftakt-Gipfel der Medientage stellen sich Weimer und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Zukunftsfragen. Zum Vorglühen lädt Söder Branchenvertreter traditionell am Vorabend in die prunkvolle Münchner Residenz ein. Medienpolitik ist im Freistaat schon immer auch Standortpolitik.

Angesichts globaler Herausforderungen hat sich eine andere Konfliktlinie spürbar verschoben: Private Medien und öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF sprechen auch bei den Medientagen über Zusammenarbeit - etwa bei KI-Innovationen und den Chancen, die sich eben auch bieten. „Wir haben sehr viele gute Ansätze für Kooperation von Privaten und Öffentlich-Rechtlichen“, sagt Schmiege. „Trotzdem muss es ein publizistischer Wettbewerb bleiben.“

Streit um Geld und Publikum

Spätestens beim Geld gibt es weiter Konfliktstoff und sicher viel Diskussion in München: Alle warten auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts: Darf der Rundfunkbeitrag für die Öffentlich-Rechtlichen steigen oder nicht? Es geht um 58 Cent mehr auf 18,94 Euro pro Monat. Ob das Urteil noch in diesem Jahr kommen wird, ist allerdings fraglich.

Die Länder - und Söder mit ganz vorn - wollen vor dem Plus erst mehr Reformen und Einsparungen sehen. Private Sender und Verlage werfen den Öffentlich-Rechtlichen immer wieder vor, mit den Beitragsmilliarden auch unfairen Wettbewerb durch zu viele freie Angebote im Netz zu finanzieren. Schmiege weiß als Bayerns Chefaufseher für Privatsender: „Ich will nicht dramatisieren, aber für viele Rundfunkanbieter und Publisher ist es aktuell sehr schwierig.“

Jobs in den Medien

Und der Mensch? Viele Medienschaffende in den Redaktionen fragen sich selbst: „WTFuture?!“ Durch Fusionen und sinkende Einnahmen fallen Stellen weg. Wie viele Jobs ersetzt zudem KI? Die Medientage diskutieren daher auch, was den Menschen im Journalismus jenseits der Technik noch auszeichnet.

In Zeiten von Fake News und erschreckend perfekt gefälschten Videos sehen Branchenexperten in der Glaubwürdigkeit von Qualitätsmedien die wichtigste Aufgabe und Zukunftschance. „Entscheidend ist am Schluss: Gibt es einen Menschen, der die Verantwortung übernimmt?“, sagt Schmiege. „Dafür brauchen wir regulatorische Leitplanken, damit man nicht die KI blind laufen lässt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leapmotor C10 im Praxistest: Günstiger Elektro-SUV im Tesla-Vergleich
21.02.2026

Der elektrische Leapmotor C10 ist rund sechstausend Euro günstiger als ein Tesla Model Y, die Hybridvariante C10 REEV liegt preislich...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
20.02.2026

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender...