Panorama

„Glücksatlas“: Wie zufrieden die Deutschen wirklich sind

Laut einer aktuellen Befragung empfindet fast die Hälfte der Menschen in Deutschland ein hohes Maß an Zufriedenheit – trotzdem bleibt Anlass zur Unzufriedenheit. Warum ist das so?
27.10.2025 09:59
Lesezeit: 3 min

Glücksseligkeit getrübt trotz hohem Wert

Die Konjunktur läuft nicht so gut, noch immer herrscht Krieg in der Ukraine: Und doch ist fast jeder Zweite in Deutschland einer Befragung zufolge hochzufrieden mit seinem Leben. Das geht aus dem neuen „Glücksatlas“ hervor, einer regelmäßigen Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen. Kernaussage für 2025: Der Wert zur allgemeinen Zufriedenheit der Menschen liegt minimal über dem Vorjahresniveau. Dennoch ist die Glückseligkeit getrübt.

Auf einer Skala zwischen 0 (ganz und gar nicht zufrieden) bis 10 (völlig zufrieden) bewerteten die Befragten demnach ihre durchschnittliche Zufriedenheit mit ihren Lebensumständen im Schnitt mit 7,09 Punkten – 2024 lag dieser Wert bei 7,06. Laut der Umfrage gaben sogar 48 Prozent der Befragten an, hochzufrieden zu sein (Werte auf der Skala zwischen 8 und 10).

„Die Lebenszufriedenheit der Deutschen hat sich auf einem hohen Niveau stabilisiert“, sagt Bernd Raffelhüschen, wissenschaftlicher Leiter des „Glücksatlas“ und Professor an der Universität Freiburg, laut Mitteilung. Partner des Glücksatlas ist die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL).

Wer steht an der Spitze des Länderrankings?

„Die Erholung nach der Pandemie ist abgeschlossen“, konstatiert Raffelhüschen. Nach der Corona-Pandemie-Zeit waren der Erhebung zufolge wieder mehr Menschen zufrieden, zwischenzeitlich wurde das Empfinden vom Ukraine-Krieg und hohen Inflationsraten eingetrübt. Den Zuwachs diesmal erklären die Autoren mit gestiegenen Werten in Ostdeutschland – plus 0,02 Punkte im Westen und plus 0,12 Punkte im Osten. „Damit schrumpft die "Glückslücke" zwischen Ost- und Westdeutschland“, heißt es in der Untersuchung.

Dennoch liegen die meisten Regionen mit zufriedenen Menschen in den alten Bundesländern. Die Hamburger führen demnach erneut das Länderranking im neuen „Glücksatlas“ an. Auf der Skala zwischen 0 und 10 bewerteten die Befragten ihre Zufriedenheit im Schnitt mit 7,33 Punkten.

Auf den vorderen Plätzen folgten Bayern (7,21), Rheinland-Pfalz (7,21), Nordrhein-Westfalen (7,19). Die Schlusslichter sind laut der Befragung Bremen (6,89), Berlin (6,83), das Saarland (6,78) und Mecklenburg-Vorpommern (6,06).

Nach welchen Kriterien wurde gefragt?

Der „Glücksatlas“ gibt neben vielen anderen Befragungen die Stimmungslage hierzulande wieder. Bei dieser Erhebung basiert er laut den Autoren sowohl auf subjektiven als auch auf objektiven Lebensbewertungen wie Einkommen, Infrastruktur, Umwelt oder Sicherheit. Bei der subjektiven Lebensevaluation beurteilen die Befragten demnach ihr eigenes Leben selbst – sie wählten, welche Aspekte wie Arbeit, Familie oder Freizeit in ihre Bewertung einflossen.

Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge von Juli 2024 bis Juni 2025 insgesamt 13.905 Menschen ab 16 Jahren durch das Institut für Demoskopie Allensbach zur allgemeinen Lebenszufriedenheit befragt.

Zu den Lebensbereichen Arbeit, Einkommen, Familie und Freizeit wurden durch das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos im Juni 2025 insgesamt 5.148 Bürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind nach Angaben der Institute für diese Bevölkerungsgruppen repräsentativ.

Womit sind die Befragten unzufrieden?

Nach Auffassung der Autoren der Untersuchungen pendelt sich die Bewertung zur Lebenszufriedenheit auf einem stabilen Niveau ein. Und doch sehen die Befragten Gründe zum Klagen: Die Zufriedenheit mit dem Einkommen sei im Vergleich zum Vorjahr um 0,21 Punkte auf einen Wert von 6,60 Punkten gesunken. „Besonders auffällig ist, dass dieser Rückgang ausschließlich in den unteren Einkommensgruppen stattfindet“, heißt es dazu. Die subjektive Kluft zwischen Arm und Reich habe sich spürbar vergrößert.

Mit Blick auf die Familie liegt den Angaben zufolge der Wert (2025: 7,61 Punkte) unter dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre (2016-2019). Als Grund sehen die Autoren den Rückgang bei Eheschließungen und Geburten – zugleich steige die Zahl der Alleinerziehenden und der Haushalte mit Pflegebedürftigen.

Wie zufrieden sind die Menschen mit ihrer Freizeit?

Nach Einschränkungen bei der Freizeit wegen Corona sieht die Erhebung eine deutliche Erholung. Die durchschnittliche Zufriedenheit mit der Freizeit (7,20 Punkte) sei aber insgesamt niedriger als in den 2010er Jahren. Gründe seien steigende Preise für Freizeitangebote, mehr vergeudete Zeit in sozialen Medien und weniger persönliche Treffen mit Freunden und Bekannten.

Ein anderer Befund: Deutschland werde emotionaler. „Gefragt nach der Häufigkeit verschiedener Emotionen steigt der Anteil derer, die Ärger, Angst oder Glück "oft" oder "sehr oft" empfinden.“ Häufig oder sehr häufig ärgerten sich 30 Prozent und damit acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Negative Emotionen werden laut der Befragung inzwischen häufiger erlebt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...