Finanzen

Erfolgreiche Aktienauswahl: Wie erfahrene Anleger die besten Chancen und Risiken erkennen

Die Auswahl der richtigen Aktie zum richtigen Zeitpunkt ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zwei erfahrene Investoren erklären, welche Signale sie zum Kauf bewegen und wie Anleger besser erkennen können, wo sich attraktive Chancen verbergen.
02.01.2026 12:22
Lesezeit: 2 min
Erfolgreiche Aktienauswahl: Wie erfahrene Anleger die besten Chancen und Risiken erkennen
Erfolgreiche Aktienauswahl erfordert gründliche Analyse, langfristiges Denken und disziplinierte Entscheidungen, um echte Chancen an den Märkten zu erkennen (Foto: dpa) Foto: Heikki Saukkomaa

Gezielte Aktienauswahl und der richtige Kaufmoment

Die Entscheidung für einen Aktienkauf fällt selten leicht. Soll man Novo Nordisk kaufen, obwohl der Kurs stark gefallen ist? Oder lohnt sich der Einstieg in Rüstungswerte, die kräftig gestiegen sind? Um Anlegern Orientierung bei der Aktienauswahl zu geben, erläutert Ole Søeberg, unabhängiger Investor und Geschäftsführer von Nordic Investment Partners, seinen strukturierten Ansatz. Seit über zwanzig Jahren dokumentiert er Kauf und Verkaufsgründe und analysiert Unternehmen oft über Jahre hinweg, bevor er investiert.

Sein Investmentprozess ähnelt einer umfassenden Due Diligence. Zunächst klärt Søeberg das Ziel seiner Investition und betont, dass Anleger ihre Zeit investieren sollten, bevor sie Geld investieren. Ohne ein tiefes Verständnis eines Geschäftsmodells könne eine Aktienauswahl schnell zu Fehlentscheidungen führen. Er vergleicht dies mit einer Uhr, deren Mechanik man verstehen müsse, um sie vollständig zu begreifen. In der Unternehmensanalyse untersucht er die treibenden Faktoren, Risiken und die Marktposition. Viele Unternehmen sortiert er früh aus, weil entscheidende Informationen fehlen oder Zahlen nicht stimmig sind.

Marktanalyse: Bewertung von Aktien und Unternehmen

Søeberg prüft Produkte, Management und Wettbewerbssituation. Er analysiert Finanzberichte, Umsatztreiber, Kostenstruktur sowie Cashflow und Zukunftsaussichten. Ergänzend bewertet Nina Movin, Geschäftsführerin des Otto Mønsted Fonds, ob Unternehmen Preissetzer sind und Wettbewerbsvorteile besitzen. Diese Faktoren beschreibt sie als zentrale Kriterien einer fundierten Aktienauswahl.

Nach der Marktanalyse bewertet Søeberg Unternehmen anhand eigener Modelle. Wichtige Kennzahlen sind Wachstum, Margen, Kapitalbedarf und Kapitalrendite. Ziel ist ein jährliches Renditepotenzial von mindestens 15 Prozent in den nächsten drei bis vier Jahren.

Ein aktuelles Beispiel ist DSV. Das Unternehmen wachse stabil und nutze Kapital effizient. Bei erwartetem Gewinnwachstum und einem Kurs von 1407 dänischen Kronen sieht er ein attraktives Renditepotenzial und eine deutliche Sicherheitsmarge gegenüber dem Marktschnitt. Gleichzeitig prüft er seine Portfoliostruktur, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Er hält meist 15 bis 20 Einzelwerte sowie ausgewählte Fonds.

Schrittweiser Einstieg, Disziplin und langfristiger Anlagehorizont

Privatanlegern rät Søeberg, bei der Aktienauswahl nur Titel zu wählen, deren Geschäftsmodell sie verstehen und deren Bewertung realistisch zur langfristigen Gewinnentwicklung passt. Geduld und konsequente Beobachtung der Unternehmensentwicklung seien entscheidend, denn die langfristige Ertragskraft bestimme den Erfolg, nicht kurzfristige Schwankungen.

Nina Movin betont, dass Anleger Chancen und Risiken gleichermaßen berücksichtigen sollen. Neue Wettbewerber, Regulierung oder technologische Veränderungen können wesentliche Einflussfaktoren sein. Zudem empfiehlt sie, Zukunftsthemen wie Elektrifizierung, Energiebedarf, Satellitenkommunikation und demografische Entwicklung zu nutzen, um die Aktienauswahl zu strukturieren. Sie rät, zunächst eine kleine Position zu kaufen, um das Kursverhalten und die Liquidität zu beobachten. Eine neue, erfahrene Führung könne ebenfalls ein überzeugender Kaufgrund sein.

Erfolgsbeispiele langfristiger Investments

Søeberg sucht gezielt nach sogenannten 100 Baggers, also Aktien, die ihren Wert mehr als verhundertfachen. Drei solcher Investments hat er bereits erzielt, darunter Royal Unibrew mit einer Steigerung um mehr als das 130fache. Weitere langfristige Positionen sind Samsung und Novo Nordisk, die er nach Kursrückgängen zuletzt wieder aufgestockt hat. Novo Nordisk erzielte seit 1996 ein durchschnittliches Jahresplus von 18,6 Prozent, während dänische Aktien im Schnitt 10,8 Prozent erreichten. Solche Unternehmen zu finden, sei selten, sagt er. Selbst Vollzeitinvestoren entdecken nur wenige im Leben.

Die Strategien zeigen, dass gründliche Analyse, Geduld und Diversifikation zentrale Elemente einer erfolgreichen Aktienauswahl sind. Für deutsche Anleger, die in einem Markt mit starker Industrie und wachsender Technologiedynamik investieren, sind strukturierte Recherche und langfristiges Denken besonders wertvoll. Branchen wie Energie, Automatisierung, Medizintechnik und digitale Infrastruktur bieten Potenzial, sofern Anleger diszipliniert bleiben, Geschäftsmodelle verstehen und klare fundamentale Kriterien in ihre Aktienauswahl einbeziehen.

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