Technologie

Fliegende Autos: XPeng eröffnet erste Produktionsstätte für Flugfahrzeuge in China

China eröffnet erstmals industrielle Strukturen für Fahrzeuge, die sowohl am Boden als auch in der Luft nutzbar sein sollen. Wird damit der Schritt von futuristischen Konzepten zu einem alltagstauglichen Verkehrssystem möglich?
18.11.2025 16:01
Lesezeit: 3 min
Fliegende Autos: XPeng eröffnet erste Produktionsstätte für Flugfahrzeuge in China
China treibt die Entwicklung fliegender Autos voran und eröffnet dafür die weltweit erste Produktionsstätte (Foto: iStock.com, dongfang zhao) Foto: dongfang zhao

Erste industrielle Schritte in die Ära der fliegenden Autos

China setzt mit einem neuen Meilenstein im Mobilitätssektor ein deutliches Zeichen. XPeng Motors und die Luftfahrtsparte XPeng AeroHT haben im Stadtbezirk Huangpu in Ghuangzhou die weltweit erste Produktionsstätte eröffnet, die vollständig auf die Herstellung von fliegenden Autos ausgerichtet ist.

Damit verlässt die Idee der personalisierten Luftmobilität endgültig die Experimentierphase und rückt einen Schritt näher an eine breite Anwendung. Der erste serienreife fliegende Wagen soll bereits im kommenden Jahr abheben und rund 188.430 Euro kosten.

Das Jahr 2025 könnte damit als Wendepunkt in die Geschichte eingehen. Während die Entwicklung elektrischer Senkrechtstarter in den USA, Europa und Japan noch überwiegend in Testarealen stattfindet, beginnt China als erstes Land mit der industriellen Fertigung. Diese Entwicklung verschafft dem Land einen deutlichen Vorsprung gegenüber anderen großen Wirtschaftsräumen und zeigt, wie schnell sich die Branche verändert.

Ein Produktionsstandort zwischen Automobil und Luftfahrt

Der neue XPeng Komplex erstreckt sich über rund 120.000 Quadratmeter und vereint erstmals die Technologien der Autoindustrie und der Luftfahrt in einer gemeinsamen Produktionslinie. Teile der Fertigung erinnern an die Montage klassischer Elektrofahrzeuge, während andere Bereiche auf ultraleichte Materialien, Rotorsysteme und luftfahrttechnische Testverfahren setzen.

Nach Angaben des Unternehmens soll der Standort im Vollbetrieb alle 30 Minuten ein fertiges Flugmodul produzieren können. Die jährliche Kapazität liegt bei bis zu 10.000 Einheiten, die Anfangsproduktion bei 5.000 Fahrzeugen. Erste Modelle haben die Fertigung bereits verlassen, was den Beginn einer tatsächlichen Serienproduktion markiert.

Der modulare Aufbau des neuen XPeng Flugfahrzeugs

Der wichtigste neue XPeng Entwurf trägt die Bezeichnung land aircraft carrier. Er besteht aus zwei vollständig separaten Komponenten, die gemeinsam ein neues Mobilitätskonzept bilden. Das Bodenmodul ist ein elektrisch betriebener SUV mit sechs Rädern, der sich auf öffentlichen Straßen bewegen und auf regulären Parkflächen abgestellt werden kann. Ergänzt wird es durch einen abnehmbaren Flugkörper für zwei Personen, ein eVTOL Modul für niedrigfliegende Kurzstrecken über urbanen Gebieten.

Der Flugaufsatz kann sowohl manuell als auch autonom betrieben werden und verfügt über automatische Start- und Landeoptionen sowie intelligente Routenplanung. Das komplette Fahrzeug misst rund 5,5 Meter und darf mit einem herkömmlichen Führerschein genutzt werden. Laut XPeng liegen bereits knapp 7.000 Vorbestellungen vor, vor allem aus China, einige jedoch auch aus dem Ausland. Der Zielpreis soll unter zwei Millionen Yuan liegen, also bei rund 188.430 Euro.

Zertifikate als letzte Hürde zur Massenproduktion

Trotz der Ankündigungen befindet sich XPengs Fertigung noch in einer Testphase. Die internationalen und nationalen Zulassungen für Luftfahrzeuge stehen noch aus und die ersten Auslieferungen sind für 2026 geplant. Die Kommunikationschefin Zhang Xuehui erklärte, dass derzeit Testflüge und Leistungsvalidierungen im Vordergrund stehen. Eine offizielle Vorverkaufsphase beginnt erst mit dem Abschluss der Zertifizierungsprozesse.

Chinas Industrie setzt globale Wettbewerber unter Druck

Das Werk gilt nicht nur als nationales Prestigeprojekt, sondern übt auch erheblichen Druck auf andere Marktteilnehmer aus. Unternehmen wie Joby Aviation und Archer Aviation in den USA sowie Lilium in Europa haben bislang keine vollwertigen Produktionslinien für eVTOL Fahrzeuge aufgebaut, sondern entwickeln kleinere Serien und Testflotten. XPeng ist damit der erste Hersteller, der Strukturen der Massenproduktion aus der Automobilindustrie auf die Luftfahrt überträgt.

Viele Beobachter vergleichen diesen Entwicklungsschritt mit der Einführung des Ford Model T. Sollte XPeng die geplanten Stückzahlen erreichen und die nötigen Nachweise erlangen, könnte dies den Ausbau urbaner Lufttaxis beschleunigen, die Entwicklung von Vertiports vorantreiben, gesetzliche Anpassungen erzwingen, Investitionen steigern und den Zugang zur Technologie für weitere Anbieter erleichtern.

Trotz technischer und regulatorischer Herausforderungen wird dieser Schritt als wichtiger symbolischer Moment gewertet. Zum ersten Mal rollen fliegende Autos von einem industriellen Band und eröffnen damit ein Kapitel, das bislang hauptsächlich aus Science Fiction bekannt war. Wenn alles wie geplant verläuft, erhalten die ersten Käufer ihren land aircraft carrier im Jahr 2026.

Relevanz für den deutschen Mobilitätssektor

Für Deutschland ist diese Entwicklung ein deutlicher Hinweis darauf, wie schnell sich konkurrenzfähige Technologien im Ausland etablieren können. Während deutsche Unternehmen stark in Elektromobilität und Batterietechnik investieren, zeigt der chinesische Vorstoß, wie wichtig frühe Industrialisierung und mutige Skalierungsentscheidungen sind. Für den hiesigen Standort könnte dies den Druck erhöhen, Innovationsprozesse zu beschleunigen und sich intensiver mit urbaner Flugmobilität auseinanderzusetzen.

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