Googles Fortschritte werden für die Nvidia-Aktie zum Warnsignal
Zu Wochenbeginn hat sich der Wettbewerb im Markt für Chips für Künstliche Intelligenz deutlich verschärft. Auslöser war ein Bericht, wonach Technologieriese Google mit Meta über den Einsatz eigener KI-Chips verhandelt. Die Märkte reagieren auf jede Andeutung, dass Nvidias dominante Position ins Wanken geraten könnte, ausgesprochen sensibel.
Dieses Mal reagierte jedoch nicht nur die Börse empfindlich, sondern auch Nvidia selbst und sah sich veranlasst, in den sozialen Medien seine technologische Führungsrolle zu betonen, was zugleich die Nvidia-Aktie unter zusätzlichen Druck setzte.
Meta prüft Googles TPU-Technologie
Dass Meta den Einsatz von Googles eigens entwickelten KI-Chips prüft, hatte zu Wochenbeginn das Technologieportal „The Information“ berichtet. Demnach könnte der Betreiber der Plattformen Facebook und Instagram ab dem Jahr 2027 in seinen eigenen Rechenzentren auf Googles tensorbasierte Prozessoren setzen.
Zudem wurde die Möglichkeit genannt, dass Meta bereits im kommenden Jahr TPU-Kapazitäten über die Cloud-Sparte von Google anmieten könnte, was als potenzielles Konkurrenzsignal für die Nvidia-Aktie gewertet wird.
Tensorprozessoren sind eine von Google vor rund einem Jahrzehnt entwickelte Technologie. Diese Chips wurden speziell für Anwendungen des maschinellen Lernens konzipiert. Anders als die breiter einsetzbaren Grafikprozessoren von Nvidia enthalten sie keine Hardware, die etwa für die klassische Bildgenerierung in Computerspielen vorgesehen ist.
TPU als strategische Alternative im KI-Boom
Wie der Sender CNBC berichtet, sehen Experten in den kundenspezifisch entwickelten Tensorprozessoren einen möglichen Vorteil für Google gegenüber der Konkurrenz. Die TPU-Chips bieten ein speziell auf KI zugeschnittenes, potenziell effizienteres Produkt. Sollten TPU künftig in größerem Umfang bei Meta zum Einsatz kommen, wäre dies die bislang deutlichste kommerzielle Bestätigung für diese Technologie.
Bislang hat Google seine TPU-Chips nicht direkt an Kunden verkauft. Nach Angaben von „The Information“ hat der Konzern jedoch begonnen, diese Chips anderen Unternehmen aktiv anzubieten. Intern setzt Google die Technologie seit Jahren für eigene Zwecke ein, für externe Unternehmen ist sie über die Cloud zugänglich. So wurde etwa die jüngste, in Fachkreisen positiv aufgenommene Version des KI-Modells Gemini mithilfe der hauseigenen Chips trainiert.
Meta gehört zu den Konzernen, die am stärksten in den Ausbau von KI-Rechenzentren investieren. Das Unternehmen prognostiziert, dass seine Sachinvestitionen in diesem Geschäftsjahr 70 bis 72 Milliarden USD erreichen werden. Der überwiegende Teil dieser Summe ist für Rechenzentren vorgesehen.
Börsenreaktionen und Auswirkungen auf die Nvidia-Aktie
Nvidia war in diesem Jahr das erste Unternehmen, dessen Börsenwert die Marke von 5 Billionen USD überschritt. Die Nachricht von Googles wachsendem Gewicht im Segment der KI-Chips wurde an den Märkten als potenzielle Gefahr für Nvidias Position gewertet. Am Dienstag lag die Nvidia-Aktie zeitweise rund 7 Prozent im Minus, konnte einen Teil der Verluste jedoch wieder aufholen und schloss den Handelstag mit einem Rückgang von 2,6 Prozent.
Die Papiere von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, zogen zu Wochenbeginn dagegen deutlich an. Am Montag verzeichneten sie einen Kurssprung von mehr als 6 Prozent, am Dienstag legten sie um weitere 4,3 Prozent zu. Gleichzeitig schossen auch die Aktien von Broadcom nach oben, einem Unternehmen, das Google beim Design der Chips unterstützt.
Vom Nischenanbieter zum wertvollsten Konzern
Bis 2023 waren die Grafikprozessoren von Nvidia vor allem für ihren Einsatz in Gaming-PCs bekannt. Mit dem Beginn des Booms generativer KI wurden sie jedoch zur bevorzugten Hardware für KI-Rechenzentren. Dieser Wendepunkt veränderte die Geschichte von Nvidia grundlegend.
Aus einem zwar bekannten, aber eher spezialisierten Technologieanbieter wurde der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt. Die Quartalszahlen des Unternehmens gelten an der Wall Street inzwischen als eines der wichtigsten Ereignisse jedes Berichtszeitraums und wirken regelmäßig auf die Nvidia-Aktie zurück. Nvidia ist nach wie vor klarer Marktführer bei Chips für generative KI, während die Nachfrage weiter stark wächst.
Gleichzeitig drängen immer mehr Wettbewerber in den Markt, die versuchen, die Dominanz des Konzerns abzuschwächen. Je nach Schätzung entfallen dennoch rund 90 Prozent des KI-Chipmarktes weiterhin auf Nvidia. Zudem suchen KI-Unternehmen aktiv nach Alternativen zu Nvidia, um die Kosten für den Ausbau ihrer Rechenzentren zu senken.
Nvidia kontert den wachsenden Konkurrenzdruck
Am Dienstag ergriff Nvidia in den sozialen Medien ungewöhnlich offen Partei für die eigene Position. In mehreren Beiträgen hieß es, die eigenen Prozessoren seien flexibler und leistungsstärker als spezialisierte ASIC-Chips wie Googles TPU, also Chips, die für ein einzelnes Unternehmen oder eine spezifische Funktion entwickelt werden.
„Wir freuen uns sehr über Googles Erfolg, sie haben im Bereich der KI große Fortschritte erzielt und wir werden Google weiterhin mit unseren Produkten beliefern“, schrieb das Unternehmen im Netzwerk X.
Zugleich betonte Nvidia, man sei der gesamten Branche um eine Generation voraus. Die eigene Technologie sei die einzige Plattform, die mit jedem KI-Modell arbeite und dies überall dort, wo Rechenleistung benötigt werde.
Warum die Entwicklung für Deutschlands Industrie relevant ist
Der verschärfte Wettbewerb zwischen Nvidia, Google, Meta und Zulieferern wie Broadcom verdeutlicht, wie strategisch wichtig leistungsfähige KI-Chips geworden sind. Für Betreiber großer Rechenzentren entscheiden Verfügbarkeit, Effizienz und Kosten der Hardware inzwischen maßgeblich darüber, wie schnell neue KI-Anwendungen in die praktische Nutzung gelangen.
Auch für Deutschland ist diese Dynamik von Bedeutung. Industrieunternehmen, Cloud-Anbieter und Forschungseinrichtungen sind stark auf die globalen Chipkapazitäten der großen US-Konzerne angewiesen. Sollte es Google gelingen, Nvidia ernsthaft herauszufordern, könnte dies langfristig zu mehr Auswahl und potenziell geringeren Infrastrukturkosten führen.
Gleichzeitig zeigt der Druck auf die Nvidia-Aktie, wie sensibel der Markt auf geopolitische und technologische Verschiebungen reagiert und wie abhängig die deutsche Wirtschaft bei zentralen Zukunftstechnologien von wenigen internationalen Anbietern bleibt.

