Wirtschaft

Prognose: Startet die deutsche Wirtschaft 2026 endlich durch?

Drei Jahre Flaute, kaum Wachstum – doch 2026 könnte die deutsche Wirtschaft endlich drehen. Prognosen deuten auf leichte Erholung, getragen von Staat, zusätzlichen Arbeitstagen und neuer Zuversicht. Gleichzeitig schwelen Reformstau, Exportdruck und Inflation. Reicht das wirklich für einen echten Neustart?
25.12.2025 16:00
Lesezeit: 3 min
Prognose: Startet die deutsche Wirtschaft 2026 endlich durch?
Kommt 2026 der Aufschwung für die deutsche Wirtschaft? (Foto: iStockphoto.com/boonstudio) Foto: boonstudio

Deutsche Wirtschaft 2026: Kommt endlich der Neustart?

Im kommenden Jahr könnte die lange Durststrecke auslaufen. Doch Fachleute mahnen, nicht zu früh zu jubeln. Woraus speist sich die Zuversicht, und welche Gefahren bleiben? Drei Krisenjahre hintereinander, schlechte Laune in vielen Betrieben, mehr Insolvenzen: Die deutsche Wirtschaft steckt weiter im Abschwung. Die nüchterne Rechnung der vergangenen drei Jahre lautet: nur zwei Quartale mit Wachstum. Auch die Politik der schwarz-roten Koalition hat bisher keinen echten Stimmungswechsel gebracht. Folgt 2026 die Wende?

Aufschwung auf "wackeligen Beinen"

Die Positive Botschaft: Es geht wohl aufwärts. Allerdings nur moderat. Je nach Prognose werden 0,9 Prozent bis 1,3 Prozent Wachstum erwartet – und die Unsicherheit bleibt groß. Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnten im September in ihrer Gemeinschaftsdiagnose, die deutsche Wirtschaft stehe weiterhin auf "wackeligen Beinen". Auch die "Wirtschaftsweisen" rechnen im nächsten Jahr nicht mit einem breit getragenen Aufschwung.

Getragen werden dürfte das Plus 2026 vor allem von Sondereffekten: staatliche Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung. Außerdem fallen mehr Feiertage auf Wochenenden, sodass es 2026 mehr Arbeitstage gibt.

Löst die Regierung Merz den Reformstau?

Hohe Energiekosten, steigende Sozialabgaben, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu viel Bürokratie – Verbände und Ökonomen erinnern regelmäßig: Ohne tiefgreifende Reformen wird ein echter Aufschwung hierzulande ausbleiben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen "Herbst der Reformen" angekündigt. Die schwarz-rote Koalition streitet jedoch lange über zentrale Projekte wie das Rentenpaket. In der Wirtschaft wächst die Ungeduld. "Alle in der Koalition brauchen mehr Ambition", sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Die IKB Deutsche Industriebank schrieb Ende November, entscheidend für den Erfolg seien nicht nur höhere staatliche Investitionen, "sondern vor allem ein Stimmungsaufbruch unter den Unternehmen". Im November verschlechterte sich die Lage in den 9.000 Unternehmen, die das Münchner Ifo-Institut regelmäßig befragt. "Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Deutsche Wirtschaft: Export verliert als Triebkraft

Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump trifft die ohnehin geschwächte Exportnation Deutschland. Maschinenbau, Chemie, Elektro: Seit Jahren sinkt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller auf den Weltmärkten. "Die deutschen Exportmarktanteile sanken seit 2017 und entwickelten sich im internationalen Vergleich seit 2021 besonders schwach", analysierte die Bundesbank im Sommer.

Das Ergebnis ist umso bedrohlicher, weil fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland am Export hängt. Bereits 2024 wurden weniger Waren "Made in Germany" ins Ausland verkauft als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr prognostiziert der Außenhandelsverband BGA 2,5 Prozent Rückgang. Die Perspektiven bleiben düster: "Viele der neuen US-Zölle sind so hoch, dass Geschäfte schlichtweg unmöglich werden – für zahlreiche deutsche Exporteure bedeutet das faktisch den Verlust des US-Marktes", sagt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel (BGA), Dirk Jandura.

Setzt der Staat die richtigen Impulse?

Für die Jahre 2026 bis 2028 soll ein staatlich subventionierter, niedrigerer Industriestrompreis kommen. Außerdem will die Bundesregierung zum 1. Juli 2026 die Ticketsteuer in der Luftfahrtbranche senken. Das hat eine Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro zugunsten der Luftverkehrsindustrie in Deutschland. Vorgesehen sind zudem eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in der Gastronomie von 19 Prozent auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026 sowie eine Ausweitung der Mütterrente.

Nach Ansicht der "Wirtschaftsweisen" Monika Schnitzer wird damit Geld an Gruppen verteilt, "die es nicht unbedingt brauchen, aber die besonders laut danach rufen". Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betonte, man müsse sich "schon fragen, warum man für so etwas Geld ausgibt. Das wird das Wachstum nicht beschleunigen."

Auch die zusätzlichen Milliarden für Infrastruktur könnten nach Einschätzung von Ökonomen weniger Schwung bringen als erhofft. Dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge fließen von den bis 2029 vorgesehenen 271 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität rund 133 Milliarden in schon eingeplante Maßnahmen – damit entsteht kein zusätzlicher konjunktureller Impuls.

Inflation bleibt hartnäckig über zwei Prozent

Zwar ist die große Teuerungswelle mit Spitzenwerten von fast neun Prozent Inflation abgeebbt, die Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfasst hatte. Doch viele Preise liegen deutlich über dem Niveau vor wenigen Jahren: Lebensmittel in Deutschland haben sich seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um mehr als ein Drittel (37 Prozent) verteuert.

Volkswirte erwarten, dass Verbraucher in Deutschland zunächst mit Raten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke leben müssen. Je höher die Inflationsrate, desto geringer die Kaufkraft der Menschen – und desto schwerer hat es die deutsche Wirtschaft, in Schwung zu kommen.

Arbeitsmarkt gerät unter Druck

Gestiegene Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen dämpfen den privaten Konsum. Das kann Jobs kosten: Vor allem im Einzelhandel nahm zuletzt der Anteil der Unternehmen zu, die ihre wirtschaftliche Existenz akut bedroht sehen, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts zeigt.

Der Arbeitsmarkt steht ohnehin unter Spannung. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie wurden binnen eines Jahres fast 50.000 Stellen gestrichen. Zudem fiel die Herbstbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwach aus. Saisonal bedingt dürfte in den Wintermonaten Januar und Februar die Zahl der Arbeitslosen hierzulande wieder auf mehr als drei Millionen steigen – ein weiterer Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft.

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