Wirtschaft

Feiertage killen fürs BIP: Ist das wirklich eine gute Idee?

Mehr Arbeitstage, mehr Wachstum – so lautet das einfache Versprechen für 2026. Doch die Debatte über einen möglichen Wegfall eines Feiertags zeigt, wie tief die Interessen auseinanderliegen. Während Arbeitgeber eine Chance für die Konjunktur sehen, warnen Gewerkschaften vor einem Rückschritt für Millionen Beschäftigte. Der Streit verweist auf ein Land, das zwischen Produktivitätsdruck und Erholungsbedarf neu austarieren muss.
09.12.2025 15:29
Aktualisiert: 09.12.2025 15:29
Lesezeit: 3 min
Feiertage killen fürs BIP: Ist das wirklich eine gute Idee?
Wenn alle mehr arbeiten, wird alles besser? Arbeitgeber wollen Feiertage streichen und argumentieren mit dem Gemeinwohl - obschon 2026 sowieso schon denkbar wenige Feiertage hat, da viele aufs Wochenende fallen. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Mehr arbeiten fürs BIP: Einen Feiertag ganz streichen?

2026 hat mehr Arbeitstage – das dürfte die Wirtschaftsleistung ankurbeln. Ist es deshalb sinnvoll, einen Feiertag komplett zu streichen? Wirtschaftsvertreter und Gewerkschaften bleiben uneins.

Schlecht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gut für die Konjunktur: Weil im nächsten Jahr mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen, müssen Beschäftigte in Deutschland mehr arbeiten. Im bundesweiten Schnitt weist der Kalender 250,5 Arbeitstage aus, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Das sind 2,4 Tage mehr als 2025, als es mit durchschnittlich 248,1 Arbeitstagen den niedrigsten Wert seit 2019 gab.

Zusätzliche Arbeitstage: Ökonomen kalkulieren vor

In ihren Prognosen für 2026 haben Ökonomen die zusätzlichen Arbeitstage bereits berücksichtigt: Dann soll es nach drei mageren Jahren endlich wieder aufwärtsgehen mit der deutschen Wirtschaft – zumindest etwas. 0,9 bis 1,3 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erwartet.

Das Ende der Konjunkturflaute naht – auch dank mehr Arbeitstagen. Laut Faustregel kann ein zusätzlicher Arbeitstag das BIP um etwa0,1 Prozentpunkte steigern: bis zu 8,6 Milliarden Euro nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Einen Feiertag grundsätzlich streichen?

Sollte man daher einen Feiertag ganz abschaffen, um die seit Jahren schwächelnde deutsche Wirtschaft nach vorn zu bringen? Immer wieder wird darüber diskutiert – auch, weil es zusätzlich gilt, die neuen Milliardenschulden für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz zu finanzieren.

Die Chefin des Lasertechnik-Spezialisten Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, schlug jüngst die Streichung des freien Ostermontags vor, um Industriearbeitsplätze in Deutschland halten zu können. "Wir haben die meisten Feiertage und im Durchschnitt die meisten Krankheitstage", sagte Leibinger-Kammüller den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".

Auch der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, hält es für sinnvoll, Feiertage zu reduzieren, um die Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer befürwortet die Abschaffung eines Feiertages zur Finanzierung von Krisenlasten.

DGB: Erholung an Feiertagen steigert Produktivität

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hält mit einer Analyse dagegen: Bei sechs untersuchten Fällen habe sich gezeigt, dass sich die Wirtschaft in gut der Hälfte der Fälle sogar in jenen Bundesländern besser entwickelte, in denen Feiertage beibehalten wurden oder neu hinzukamen. "Die Gleichung: Wenn Feiertage wegfallen, steigt das Wachstum, geht offensichtlich nicht auf", folgert Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) argumentiert, die Abschaffung des Buß- und Bettages in Deutschland 1995 habe "keinen nennenswerten Effekt" für die Wirtschaft gehabt. Außerdem trügen Feiertage zur Erholung der Beschäftigten und damit zur Produktivität bei.

Auch die Wiesbadener Statistiker weisen darauf hin, dass je nach Lage des zusätzlichen Arbeitstages im Jahr der tatsächliche konjunkturelle Effekt stark variieren kann: "Zwischen Heiligabend und Neujahr ruht die wirtschaftliche Tätigkeit in vielen Branchen ohnehin weitgehend. Ein zusätzlicher Arbeitstag hat dann weniger Einfluss auf das BIP, als wenn der eins Mai oder der drei Oktober auf ein Wochenende fallen."

Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern

Neun Feiertage sind in allen sechzehn Bundesländern einheitlich geregelt: Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, eins Mai, Tag der Deutschen Einheit, erster und zweiter Weihnachtsfeiertag. Zusätzlich gibt es Tage, die nur in einigen Bundesländern per Gesetz freigestellt sind. Darum ergeben sich für den bundesweiten Durchschnitt bei der Zahl der Arbeitstage Werte mit einer Nachkommastelle. Den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung gab es 2004 mit 252,8, den niedrigsten 1991 mit 246,9.

Auf ein Wochenende fallen 2026 unter anderem der Tag der Deutschen Einheit (3.10.) und der zweite Weihnachtsfeiertag (26.12.). Außerdem Allerheiligen (1.11.) als gesetzlicher Feiertag in den katholisch geprägten Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

Neue Feiertage: Der gegenläufige Trend

Statt Feiertage abzuschaffen, zeigte sich in Deutschland in den vergangenen Jahren eher der umgekehrte Trend: In Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist seit 2018 der Reformationstag am 31. Oktober arbeitsfrei. Berlin – das zuvor vier Feiertage weniger hatte als Bayern – führte 2019 als erstes Bundesland den Internationalen Frauentag (8. März) als gesetzlichen Feiertag ein, Mecklenburg-Vorpommern zog 2023 nach. Arbeitnehmer profitieren davon 2026 allerdings nicht: Beide Tage fallen aufs Wochenende.

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