Wirtschaft

Deutschlands Autoproduktion legt zu: Elektromobilität prägt den Aufschwung

Die deutsche Autoindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Strukturwandel und Standortdruck. Ist der jüngste Aufwärtstrend ein belastbares Signal für die industrielle Zukunft oder nur eine statistische Zwischenbewegung?
09.01.2026 06:00
Lesezeit: 2 min

Deutsche Autoproduktion legt trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu

Die Automobilproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr trotz zahlreicher negativer Schlagzeilen gestiegen. Insgesamt wurden 4,15 Millionen Pkw hergestellt, was einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit lag die Produktion sogar ein Prozent über dem Wert von 2024, wie der Verband der Automobilindustrie berichtet.

Gleichzeitig bleibt das Niveau deutlich unter dem Vorkrisenstand. Im Vergleich zum Jahr 2019 liegt die Produktion noch immer um elf Prozent niedriger. Dies verdeutlicht, dass die Erholung der Branche trotz kurzfristiger Zuwächse strukturell begrenzt bleibt.

Ein besonders starkes Wachstum zeigte sich im Dezember. Die Produktion stieg in diesem Monat um 17 Prozent. Nach Einschätzung des VDA ist dieser Zuwachs jedoch auch auf einen außergewöhnlich schwachen Dezember des Vorjahres sowie auf einen zusätzlichen Arbeitstag zurückzuführen.

Elektroautos treiben die Produktionszahlen

Im Mittelpunkt der industriellen Entwicklung stehen weiterhin Elektrofahrzeuge. In den ersten elf Monaten des Jahres wurden in Deutschland 1,56 Millionen Elektroautos produziert. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2024 um 14,7 Prozent übertroffen.

Deutschland ist damit nach China der zweitgrößte Hersteller von Elektroautos weltweit. Der Abstand zum Marktführer bleibt allerdings erheblich. Während Deutschland seine Produktion ausbaut, dominiert China den globalen Markt weiterhin deutlich.

China dominiert den Weltmarkt für Elektroautos

Im Jahr 2024 entfielen rund 70 Prozent der weltweiten Elektroauto-Produktion auf China. Dort wurden 12,4 Millionen Fahrzeuge hergestellt, bei einer globalen Gesamtproduktion von 17,3 Millionen Einheiten. Europa kam im selben Zeitraum auf 2,4 Millionen produzierte Elektroautos.

Für das vergangene Jahr liegen für Europa bislang noch keine vollständigen Zahlen vor. Klar ist jedoch, dass der Kontinent im globalen Vergleich deutlich hinter China zurückbleibt und seinen Rückstand bislang nicht verringern konnte.

Exporte stagnieren trotz kurzfristiger Impulse

Der Export deutscher Autos blieb im vergangenen Jahr auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt wurden 3,17 Millionen Fahrzeuge ins Ausland geliefert. Gegenüber dem Jahr 2019 bedeutet dies ein Minus von neun Prozent.

Im Dezember stiegen die Exporte zwar um sechs Prozent. Gleichzeitig gingen die Auftragseingänge im selben Monat um acht Prozent zurück, auf Jahressicht um zwei Prozent. Der VDA führt dies auf die schwache wirtschaftliche Lage im In- und Ausland zurück.

Inlandsmarkt zeigt leichte Erholung

Der deutsche Automarkt entwickelte sich im vergangenen Jahr stabil. Die Neuzulassungen stiegen um ein Prozent auf 2,86 Millionen Fahrzeuge. Im Vergleich zu 2019 liegt der Absatz jedoch weiterhin um 21 Prozent niedriger. Im Dezember fiel das Wachstum deutlich stärker aus. Die Verkäufe stiegen um zehn Prozent auf 246.400 Fahrzeuge. Elektroautos erreichten dabei einen Rekordmarktanteil von 34,5 Prozent.

Über das Gesamtjahr hinweg fanden Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen 856.600 Käufer. Das entspricht einem Zuwachs von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Reine Elektroautos verzeichneten ein Plus von 45 Prozent auf 545.000 verkaufte Fahrzeuge. Diese Entwicklung unterstreicht den anhaltenden Strukturwandel auf dem deutschen Automarkt. Die Nachfrage nach elektrifizierten Antrieben wächst deutlich schneller als der Gesamtmarkt.

Ausblick auf Produktion und Markt in Deutschland

Für das laufende Jahr rechnet der VDA mit einem leichten Rückgang der Produktion in Deutschland um ein Prozent auf 4,11 Millionen Fahrzeuge. Gleichzeitig soll die Produktion deutscher Marken im Ausland um ein Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge steigen.

Der Absatz im Inland dürfte hingegen leicht zulegen. Erwartet werden 2,9 Millionen verkaufte Fahrzeuge, etwas mehr als im Vorjahr. Für Deutschland bedeutet dies, dass sich die Branche weiter zwischen moderater Erholung, strukturellem Wandel und zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck bewegt.

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