Wirtschaft

Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit fast sechs Monaten. Grund für die Verteuerung ist eine ungewöhnlich kalte Witterung in mehreren Regionen, die Angebot und Nachfrage unter Druck setzt – Experten sprechen vom „perfekten Sturm“ auf dem Energiemarkt.
16.01.2026 15:19
Lesezeit: 2 min

Stärkster Anstieg seit langem

An der Börse in Amsterdam wurde der richtungweisende Terminkontrakt TTF für europäisches Erdgas zur Auslieferung in einem Monat am Freitag bei 35,31 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Preis seit dem vergangenen August.

Der Preissprung im Verlauf der Handelswoche ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2023. Zuvor hatte sich der Gaspreis über Monate hinweg in einer vergleichsweise engen Handelsspanne gehalten. Die Stimmung am Markt habe sich komplett gewandelt, kommentierte Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst beim Beratungsunternehmen Global Risk Management. "Man könnte es fast einen perfekten Sturm nennen".

Gründe des Preissprungs

Am Markt wurde unter anderem auf die Entwicklung der Füllstände in den Gasspeichern verwiesen. Die europäischen Reserven liegen derzeit mit 52 Prozent deutlich unter dem saisonüblichen Durchschnitt von 67 Prozent. Rohstoffexperten der Commerzbank schätzen die Gasvorräte der Europäischen Union als "ungewöhnlich gering" ein.

Weiter heißt es am Markt, dass die für Ende des Monats erwarteten eisigen Temperaturen das Risiko bergen, die Phase intensiver Entnahme von Gas aus den Speichern über das übliche Maß hinaus zu verlängern.

Politik als verstärkender Faktor

Zuletzt hatte sich auch die angespannte Lage im Iran und die Sorge vor geopolitischen Risiken in der Region am Persischen Golf auf die Preise ausgewirkt. Am Markt werden unter anderem Störungen von wichtigen Schifffahrtsrouten befürchtet.

Die Sorge vor einer möglichen Sperrung der Straße von Hormus habe dazu beigetragen, "dass die bis dahin eher lethargischen europäischen Gaspreise spürbar gestiegen sind", kommentierte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank das Handelsgeschehen. Ihrer Einschätzung nach werden knapp ein Fünftel der Lieferungen von Flüssiggas durch die Meerenge transportiert.

Hinzu kommt, dass der Iran ein wichtiger Gaslieferant für die Türkei ist. Unter anderem verstärkten jüngste Drohungen der US-Regierung gegen Länder, die mit dem Iran Geschäfte machen, die Angebotssorgen. Um Druck auf die Führung in Teheran auszuüben, haben die USA neue Strafzölle von 25 Prozent für iranische Handelspartner angedroht.

Aussichten

Sollten Lieferungen aus dem Iran ausfallen, könnte die Türkei mit europäischen Staaten um Gaslieferungen konkurrieren, was die Preise nach oben treiben würde. Außerdem wird am Markt auf eine stärkere Nachfrage in China hingewiesen, dem weltweit größten Abnehmer von Flüssiggas. Dies wird ebenfalls als Anzeichen gesehen, dass der Wettbewerb schärfer werden könnte.

Nach Einschätzung der Commerzbank-Expertin Lambrecht dürfte der aktuelle Preissprung beim Gas aber nicht von langer Dauer sein. "Für den weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit einer Entspannung", sagte sie. Schließlich dürfte auch der in der kommenden Woche zur Veröffentlichung anstehende Gasmarktbericht der Internationalen Energieagentur bestätigen, dass wegen des wachsenden Angebots von Flüssiggas "eher eine Überversorgung am Markt droht"

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