Novo Nordisk-Aktie fällt um 5 Prozent: Pharmakonzern unter Druck – die Hintergründe
Die Novo Nordisk-Aktie hat nach einem starken Jahresstart zum Wochenauftakt einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Nachdem das Papier am Freitag noch ein Kursplus von 9,5 Prozent verbuchte, ging es zu Beginn der neuen Handelswoche auf Xetra zeitweise um etwa 5 Prozent nach unten. Auch an der Heimatbörse in Dänemark zeigt sich die Schwäche: Dort verliert die Novo Nordisk-Aktie aktuell 3,4 Prozent und steht bei 375,40 DKK.
Für Anleger stellt sich damit die zentrale Frage, was hinter der plötzlichen Bewegung steckt – und was das für den Novo Nordisk-Aktienkurs in den kommenden Tagen und Wochen bedeutet.
Gewinnmitnahmen nach starkem Anstieg der Novo Nordisk-Aktie
Ein wesentlicher Faktor hinter dem Rücksetzer bei der Novo Nordisk-Aktie sind klassische Gewinnmitnahmen. Am Freitag hatte die Aktie kräftig zugelegt, nachdem erste Daten zum Marktstart der neuen Abnehmpille veröffentlicht wurden. Nach aktuellen Daten von IQVIA gab es in den ersten vier Tagen nach der Einführung am 05. Januar über 3.000 Verschreibungen. Konkret wurden rund 3.071 Rezepte in US-Apotheken eingelöst – ein Wert, den Analysten als sehr ermutigenden Start in den USA bewerteten.
Der schnelle Kursanstieg führte jedoch zu Gewinnmitnahmen, die die Novo Nordisk-Aktie zu Wochenbeginn wieder unter Druck setzten. Charttechnisch fiel das Papier zudem unter die 200-Tage-Linie, was weitere Verkäufe ausgelöst haben dürfte. Für den kurzfristigen Novo Nordisk-Aktienkurs entsteht damit ein deutlich nervöseres Bild.
US-Zollandrohungen drücken auf die Stimmung
Neben der technischen Komponente hat vor allem die Politik die Novo Nordisk-Aktie belastet. Hintergrund sind die jüngsten Zollandrohungen von US-Präsident Trump im Streit um Grönland. Am Wochenende kündigte Trump an, ab dem 1. Februar 2026 einen Zoll von 10 Prozent auf Importe aus Dänemark einzuführen – mit der Drohung, diesen bis zum 1. Juni auf 25 Prozent zu erhöhen. Damit rücken dänische Unternehmen, allen voran die Novo Nordisk-Aktie, in den Fokus eines geopolitischen Konflikts, der schwer kalkulierbar ist.
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für den Markt: Trump kommentierte die dänischen Militärkapazitäten auf Grönland mit den Worten: "Ihre Verteidigung besteht aus zwei Hundeschlitten. Wissen Sie das? Wissen Sie, was ihre Verteidigung ist? Zwei Hundeschlitten". Für die Pharmaaktie ist das politisch heikel, weil der US-Markt für Novo Nordisk zentral ist und hier hohe Margen erzielt werden – insbesondere mit Diabetes- und Adipositasmedikamenten. Strafzölle könnten die Profitabilität beeinträchtigen und den Novo Nordisk-Aktienkurs weiter bewegen.
Produktionsstandorte und Handelsrisiko
Anleger versuchen aktuell abzuschätzen, wie stark die angekündigten Zölle Novo Nordisk tatsächlich treffen würden. Zwar ist Novo ein dänisches Unternehmen, hat seine Produktion aber gezielt in den USA ausgebaut. Die großen Werke in Clayton, North Carolina, sind ein zentraler Baustein der Lieferkette für GLP-1-Medikamente wie Wegovy. Dennoch bleibt ein Teil der Wertschöpfungskette abhängig von Dänemark: Ein relevanter Teil der Wirkstoffe und fertigen Produkte wird weiterhin dort hergestellt oder von dort verschifft.
Damit bleibt die Novo-Nordisk-Aktie trotz US-Standorten von der handelspolitischen Lage nicht vollständig entkoppelt – ein Risiko, das bei einer Pharmaaktie normalerweise weniger im Fokus steht.
Konkurrenz durch Eli Lilly: Druck bleibt hoch
Parallel zur Politik bleibt auch der Wettbewerb mit Eli Lilly ein Belastungsfaktor für die Novo Nordisk-Aktie. Eli Lilly arbeitet an einer eigenen oralen Abnehmpille: Das Konkurrenzprodukt mit dem Namen Orfoglipron kommt frühestens im zweiten Quartal auf den Markt. Eine entsprechende Zulassungsentscheidung durch die FDA soll am 10. April erfolgen.
Bereits heute ist der Konkurrenzdruck im Adipositas-Markt deutlich sichtbar. In einer vergleichbaren Startphase erreichte Eli Lillys Präparat Zepbound rund 1.900 Verschreibungen, während Novo mit rund 3.071 Rezepte stärker gestartet ist.
Doch auch technologisch bleibt Eli Lilly ambitioniert: In einer 72-wöchigen Studie verloren Anwender von Zepbound im Durchschnitt 20,2 Prozent ihres Körpergewichts, während Patienten mit Wegovy auf 13,7 Prozent kamen. Novo Nordisk erhielt Anfang Dezember zwar die Zulassung für eine höhere Semaglutid-Dosierung von 7,2 Milligramm, womit die durchschnittliche Gewichtsabnahme auf 20,7 Prozent stieg. Für die Novo-Nordisk-Aktie heißt das: Der First-Mover-Vorteil ist vorhanden, aber muss erst langfristig verteidigt werden.
Technische Unterstützung bei 50 Euro – und was Analysten sagen
Trotz der Schwäche bleibt bei der Novo Nordisk-Aktie die Marke von 50 Euro eine entscheidende Unterstützung. Der aktuelle Kurs liegt bei 50,34 Euro, deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 39,05 Euro, aber klar unter dem Hoch von 87,10 Euro.
Auch Analysten bleiben optimistisch: Berenberg rechnet damit, dass die Tablette dem Unternehmen in diesem Jahr bereits 1 Milliarde US-Dollar einbringen wird und sieht den fairen Wert bei 415 DKK. Bernstein Research nennt sogar 540 DKK als Ziel. Spannend ist auch die Bewertung: Novo Nordisk ist mit einem Forward-KGV von 12,5 günstiger als Eli Lilly mit 32.
Ausblick: Quartalszahlen im Fokus
Kurzfristig dürfte die Novo Nordisk-Aktie volatil bleiben – zwischen Wegovy-Euphorie, politischem Gegenwind und Eli-Lilly-Konkurrenz. Ein wichtiger Termin steht bereits fest: Anfang Februar legt Novo Nordisk die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Dann dürfte der Markt neue Hinweise bekommen, wie stabil die Wachstumsstory bleibt – und wohin der Novo Nordisk-Aktienkurs als nächstes drehen könnte.


