Wirtschaft

Ifo-Umfrage: Materialmangel in deutscher Industrie geht zurück – doch Entwarnung bleibt riskant

Die Materiallage in der deutschen Industrie wirkt deutlich stabiler als noch vor wenigen Monaten. Vor allem die Autoindustrie meldet überraschend starke Entspannung. Doch wie nachhaltig ist diese Entwicklung wirklich – und welche Branchen spüren den Materialmangel weiterhin besonders deutlich?
20.01.2026 11:22
Lesezeit: 1 min

Materialmangel lässt nach – besonders in der Autoindustrie

Die Versorgung der deutschen Industrie mit Material und Bauteilen hat sich spürbar verbessert. Zuletzt meldeten nur noch 7,5 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Beschaffung, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Dezember zeigte. Das waren 3,7 Punkte weniger als im November. Damit deutet vieles darauf hin, dass sich der Materialmangel in wichtigen Bereichen weiter abschwächt.

"Die Verfügbarkeit von Vorprodukten in der Industrie hat sich insgesamt verbessert", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Gleichzeitig warnt er aber: "Die Lieferketten müssen aber weiterhin aufmerksam beobachtet werden." Er hoffe aber, dass die Industrie aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt habe und besser vorbereitet sei. Trotz der Entspannung bleibt Materialmangel damit ein Thema, das Unternehmen weiter im Blick behalten müssen.

Wie der aktuelle Wert von 7,5 Prozent zu bewerten ist, hängt von der Perspektive ab. Der langjährige Durchschnitt seit 1991 liegt mit rund 15 Prozent deutlich höher, wie Wohlrabe erklärt. Allerdings schlagen in diesem Mittelwert vor allem die Krisen der vergangenen fünf Jahre stark zu Buche. In den Jahrzehnten vor Corona lag der Wert mit im Schnitt 5,2 Prozent deutlich niedriger. Im Vergleich dazu wirkt der aktuelle Materialmangel moderater, aber nicht vollständig überwunden.

Große Entspannung in der Autoindustrie

Besonders auffällig entspannte sich die Lage in der Autoindustrie. Dort sank der Anteil der Unternehmen mit Schwierigkeiten von 27,6 im November auf nur noch 5,6. Eine Rolle dürfte spielen, dass sich der Streit um den für die Branche wichtigen Chiphersteller Nexperia etwas beruhigt hat. Auch hier zeigt sich: Der Materialmangel ist nicht überall gleich stark ausgeprägt.

Nexperia hat seinen europäischen Sitz im niederländischen Nimwegen. Nach Berichten, dass der chinesische Eigentümer technologisches Wissen und Produktionskapazitäten nach China verlagern könnte, hatte das niederländische Wirtschaftsministerium im vergangenen Herbst in die Führung des Unternehmens eingegriffen. In der Folge stoppte China den Export von Nexperia-Chips. Das Export-Verbot wurde zwar inzwischen gelockert, endgültig gelöst ist der Konflikt jedoch nicht.

Deutlich schwieriger als in der Autoindustrie bleibt die Situation unter anderem für Hersteller elektrischer Ausrüstungen, bei denen 12,2 Prozent über Mangel klagen. Auch dort verbesserte sich die Lage allerdings. In der Chemischen Industrie und im Maschinenbau sind mit 7,1 und 6,7 Prozent etwas weniger Betriebe betroffen als im Durchschnitt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Elektroautos greifen Deutschlands Autoelite an
19.06.2026

Wer Chinas Autobauer noch für Nachahmer hält, unterschätzt den eigentlichen Umbruch der Branche. Chinesische Elektroautos setzen längst...

DWN
Politik
Politik Druck aus Berlin: Kanzler Merz will EU-Haushalt eindampfen und Tempo machen
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht beim EU-Gipfel in Brüssel den Druck auf die europäischen Partner. Er wies den aktuellen Entwurf für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Revolte bei den Jusos: Philipp Türmer droht SPD-Spitze mit Personaldebatte
19.06.2026

Die anhaltende Umfragekrise der SPD sorgt für heftigen parteiinternen Zoff. Juso-Chef Philipp Türmer geht die Parteispitze frontal an und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Werksumbau in Sachsen: BMW macht Leipzig fit für die nächste E-Generation
19.06.2026

BMW schaltet am Standort Leipzig auf Zukunft: In den kommenden Sommermonaten wird das sächsische Werk für mehrere Wochen umfassend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gemeinsame Ziele in Krisenzeiten: Deutschland und Türkei planen engere Kooperation
19.06.2026

Deutschland und die Türkei wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit massiv ausbauen und vertiefen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina...

DWN
Politik
Politik Digitalisierungs-Offensive fürs Bauen: Hubertz bläst zum Angriff auf die Baukosten
19.06.2026

Mit einem 13-Punkte-Plan will Bauministerin Verena Hubertz dem akuten Wohnungsmangel und den explodierenden Kosten trotzen. Kern des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Strafzölle im Visier: Washington leitet Verfahren wegen deutscher Arzneipreise ein
19.06.2026

Die US-Regierung droht Deutschland im Streit um Medikamentenpreise mit Zöllen. Das Büro des Handelsbeauftragten Jamieson Greer leitete...

DWN
Technologie
Technologie Dokumentenanalyse mit KI: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
19.06.2026

KI revolutioniert die Dokumentenanalyse und stellt Unternehmen, Verwaltungen und Beschäftigte vor eine neue Arbeitsteilung. Welche Rolle...