Grönland-Krise im Fokus vor angespanntem Gipfeltreffen
Der US-Präsident wird am Mittwoch eine Rede beim Gipfel halten – am selben Tag, an dem das Europäische Parlament über das zuvor ausgehandelte Handelsabkommen mit den USA abstimmen soll. Das Handelsabkommen scheint jedoch auf der Kippe zu stehen, nachdem Trump damit gedroht hat, Zölle gegen jene EU-Länder zu verhängen, die Militär nach Grönland entsandt haben. Neben Trump werden unter anderem auch US-Handelsminister Howard Lutnick sowie Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Energieminister Chris Wright, der US-Sondergesandte für die Ukraine Steve Witkoff sowie der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, in Davos erwartet.
Nach den jüngsten harten Aussagen zu Grönland, der dramatischen Entwicklung in Venezuela und Iran sowie den sprunghaften Verhandlungen über die Ukraine dürfte es zu mehreren angespannten Begegnungen kommen. Auf der Teilnehmerliste stehen außerdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, Kolumbiens Trump-kritischer Präsident Gustavo Petro sowie Irans Außenminister Seyed Abbas Araghchi – allerdings bleibt abzuwarten, ob letzterer tatsächlich erscheint.
Selenskyj setzt auf Davos-Deal mit den USA
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft zudem, dass in Davos ein Abkommen über Sicherheitsgarantien sowie ein Wiederaufbaupaket für die Zeit nach dem Krieg mit den USA unterzeichnet werden kann. „Das diesjährige Treffen findet vor dem komplexesten geopolitischen Hintergrund seit 1945 statt. Dennoch hat sich die Weltwirtschaft als sehr widerstandsfähig erwiesen“, sagt Børge Brende, Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums.
Im vergangenen Jahr war die Stimmung auf dem Gipfel gleichermaßen geprägt von Sorge um Europa und Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung der USA. Nun dürfte Ursula von der Leyen mit einem frisch unterzeichneten Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten im Gepäck anreisen – und mit einem neuen, wenn auch noch vagen Versprechen, innerhalb der nächsten sechs Monate eine neue europäische Sicherheitsstrategie durchzusetzen.
Chefökonomen warnen: Europas Konjunktur bleibt schwach
Die Wachstumsaussichten für Europa bleiben jedoch schwach, wie aus der Umfrage des Weltwirtschaftsforums unter Chefökonomen zu den Erwartungen für 2026 hervorgeht. 53 Prozent der Befragten rechnen mit einer schwachen Konjunkturentwicklung in Europa – nach 40 Prozent im September 2025.
Wie in den Vorjahren stehen auch Themen wie Künstliche Intelligenz und neue Technologien stark im Fokus – doch in diesem Jahr hat sich zusätzlich die Verteidigungspolitik als neues Top-Thema etabliert. Insgesamt werden knapp 3.000 Führungskräfte in dem Alpenort erwartet, darunter 64 Staats- oder Regierungschefs, 60 Finanzminister, 30 Handelsminister sowie 850 Vorstandsvorsitzende und Unternehmenslenker.

