Politik

Trump reist ohne Erfolge vom Weltwirtschaftsforum in Davos ab

Mit Drohungen über neue Zölle und dem Anspruch auf eine stärkere US-Dominanz über Grönland versuchte US-Präsident Donald Trump, die Agenda in Davos zu bestimmen. Doch inzwischen zeichnet sich ab, dass der Gipfel alles andere als ein Triumph für den US-Präsidenten wird.
Autor
avtor
22.01.2026 11:57
Aktualisiert: 22.01.2026 11:57
Lesezeit: 2 min

Weltwirtschaftsforum Davos: Trump reist ohne Erfolge ab

Vor Donald Trumps Ankunft in Davos wurde viel darüber spekuliert, der US-Präsident werde in Europa wie eine Abrissbirne auftreten – und die Nato erschüttern. Am Dienstagmorgen veröffentlichte er ein gefälschtes Bild, auf dem er selbst die US-Flagge auf grönländischem Boden platziert. Doch dann ging es schnell.

In seiner 72 Minuten langen Rede vor den Führungskräften in Davos ruderte er von der Drohung zurück, Gewalt anzuwenden, um Grönland einzunehmen. Anschließend traf er Nato-Generalsekretär Mark Rutte – und innerhalb weniger Stunden war auch die Zoll-Drohkulisse gegen Grönlands Partner vom Tisch. Nach Darstellung des US-Präsidenten wurde ein Rahmen für ein künftiges Abkommen zu Grönland vereinbart – und in US-Medien versucht er nun, dies als Erfolg zu verkaufen. Gegenüber CNBC erklärte Donald Trump, die Vereinbarung umfasse Mineralrechte für die USA sowie eine Nato-Beteiligung an „Golden Dome“.

Arktis, Militärbasen, Mineralrechte: Warum Trumps Davos-Kurs ins Stocken gerät

Laut Informationen der New York Times habe man zudem diskutiert, ob die USA in begrenztem Umfang Souveränität über Flächen für Militärbasen erhalten könnten. Wie ein grönländischer Politiker jedoch rasch feststellte, kann die Nato ohne Zustimmung Grönlands keine Mineralrechte vertraglich regeln. Auch die offizielle Erklärung der Nato fällt deutlich zurückhaltender aus: Dort heißt es lediglich, Mark Rutte habe ein „sehr produktives“ Gespräch mit Trump geführt.

Die Nato vermeidet zudem Begriffe wie „Rahmen“ oder „Abkommen“. Stattdessen erklärt das Bündnis, dass Gespräche unter den Alliierten über „den Rahmen, auf den sich der Präsident bezog“ darauf abzielen sollen, die Sicherheit in der Arktis zu gewährleisten. Was in diesen Gesprächen geschieht, die unter den sieben arktischen Nato-Verbündeten geführt werden sollen, wird nun entscheidend sein. Bislang gibt es nur wenige Details darüber, was konkret zu erwarten ist. Neue EU-Gegenzölle gegen die USA dürften beim heute Abend kurzfristig einberufenen Sondergipfel in Brüssel jedoch nicht zur Debatte stehen. Möglicherweise ist Trumps letztes Wort in Davos noch nicht gesprochen. Doch das Gesamtbild bleibt: Der Präsident musste zurückrudern.

Vielleicht waren es die Börsenreaktionen, die ihn eingeschüchtert haben. Oder der geschlossene Widerstand der europäischen Staats- und Regierungschefs. Denkbar ist auch, dass der Druck aus den USA schließlich dazu führte, dass Personen aus seinem Umfeld ihn zur Mäßigung drängten.

Trumps Friedensrat wackelt: Nur 35 Zusagen – Davos wird zum Dämpfer

Am Donnerstag steht in Davos eine weitere Sitzung an, die für Trump zu einem Rückschlag werden könnte: Von rund 60 eingeladenen Ländern für seinen neu angekündigten sogenannten Friedensrat haben nur gut 35 zugesagt. Zu den Teilnehmern des Programmpunkts über das Friedensgremium zählen unter anderem Argentiniens Präsident Javier Milei sowie Vertreter von US-Partnern im Nahen Osten und aus früheren Sowjetrepubliken.

In Davos kann sich noch viel verändern – und ein zusätzlich anberaumtes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj könnte Trump möglicherweise einen Erfolg verschaffen, den er in Washington vorzeigen kann. Doch derzeit wirkt es vor allem so, als habe Trumps „Abrissbirne“ ihr Ziel verfehlt – und mit voller Wucht auf ihn selbst zurückgeschlagen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Malin Rising

Malin Rising ist seit 20 Jahren Journalistin. Erfahrung sammelte sie als Reporterin, Korrespondentin, Redakteurin und Podcast-Produzentin für internationale Zeitungen. Sie war beispielsweise für The Wall Street Journal tätig und arbeitet nun als Europa-Reporterin bei der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW-Werk Dingolfing rüstet auf für den entscheidenden Kampf um die Autozukunft
14.08.2026

Tausende Roboter, 280.000 Autos im Jahr und eine neue Batteriefabrik sollen BMWs größten europäischen Produktionsstandort zukunftsfähig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Solarstrom-Produktion unter Druck: Wie sicher ist Deutschlands Stromnetz wirklich?
14.08.2026

Eine Sonnenfinsternis reicht aus, um Europas Solarstrom-Produktion binnen kurzer Zeit massiv zu drücken und die Strompreise nach oben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
14.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt ECS Energiemakler: Wenn die Stromrechnung Fragen aufwirft
14.08.2026

Strom und Gas sind für viele Unternehmen heute mehr als ein einfacher Einkaufsposten. Sie sind ein Bereich, in dem Preise, Netzentgelte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Erst verspottet, jetzt reißen sich Käufer um den Elektro-Ferrari
14.08.2026

Der Ferrari Luce provozierte Fans, verunsicherte Anleger und ließ Zweifel an Ferraris Elektrostrategie wachsen. Nun ist das Verkaufsziel...

DWN
Panorama
Panorama Konsumflaute trifft Camping-Boom: Jetzt mobile Kaffeemaschinen kaufen und bares Geld sparen!
14.08.2026

Camping boomt, Reisen bleibt beliebt – doch gleichzeitig sitzt das Geld bei vielen Verbrauchern nicht mehr so locker. Genau in diesem...

DWN
Finanzen
Finanzen Norma-Aktie mit Kurssprung: Verbindungstechnikhersteller plant weiteren Aktienrückkauf
14.08.2026

Ein neuer Aktienrückkauf treibt die Norma-Aktie auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Finanziert wird das Vorhaben aus einem...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-Aktie vor dem Mega-IPO: SpaceX könnte die Euphorie zerstören
14.08.2026

Anthropic wächst rasant und könnte mit seinem Börsengang neue Maßstäbe setzen. Doch die Milliardenbewertung steht auf einem...