Politik

Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew

Russlands Angriffe auf die Ukraine treffen erneut die Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen stehen ohne Heizung und Strom da. Nato-Generalsekretär Rutte reist in die Ukraine, während Moskau vor den anstehenden Verhandlungen die kalten Wintertage nutzt, um den Druck auf die Bevölkerung zu erhöhen
03.02.2026 14:35
Lesezeit: 3 min
Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
Auf diesem vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellten Foto nehmen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r) und NATO-Generalsekretär Mark Rutte an einer Gedenkfeier am Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, Ukraine, teil. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Neue russische Angriffe: Frieren in der Ukraine geht weiter

Moskau bestätigte eine von US-Präsident Trump angestoßene begrenzte Waffenruhe – bis Sonntag. Das ist nun augenscheinlich vorbei. Hunderttausende Menschen kämpfen mit Strom- und Heizungsausfällen.

Vor einer neuen angekündigten Verhandlungsrunde für ein Ende des Ukraine-Kriegs setzt Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine fort. Russland ziehe es vor, die kältesten Tage des Winters auszunutzen, um Menschen zu terrorisieren, statt sich der Diplomatie zuzuwenden, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien.

Ihm zufolge wurden neun Menschen bei den Attacken verletzt. Russland habe gezielt Energieobjekte angegriffen. Selenskyj sprach von einer Rekordzahl eingesetzter ballistischer Raketen. Moskaus Militär habe mehr als 70 Raketen verschiedener Typen und Marschflugkörper sowie 450 Kampfdrohnen eingesetzt.

Die Attacken trafen demnach die nordostukrainischen Regionen Charkiw und Sumy, die Hauptstadt Kiew und ihre Umgebung sowie die Regionen Dnipropetrowsk im Südosten, Odessa im Süden und Winnyzja im Westen. Die Reparaturarbeiten laufen den Angaben nach.

Energieminister spricht von "winterlichem Völkermord"

Energieminister Denys Schmyhal schrieb bei Telegram vom "Versuch eines winterlichen Völkermords". Es habe sich ausschließlich um zivile Ziele gehandelt. Hunderttausende Familien, darunter Kinder, seien gezielt ohne Heizung in strengster winterlicher Kälte zurückgelassen worden.

In der Ukraine ist es derzeit extrem kalt, teilweise gibt es zweistellige Minusgrade. Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

Derweil ist Nato-Generalsekretär Mark Rutte als Zeichen der anhaltenden Unterstützung zu einem Besuch in der Ukraine eingetroffen. Selenskyj veröffentlichte Bilder in sozialen Medien, auf denen zu sehen ist, wie die beiden auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew Grablichter am Mahnmal für gefallene Soldaten abstellen. Mit Rutte spreche er vor dem Hintergrund der russischen Attacke auch über mögliche Hilfspakete der Partner seines Landes, teilte Selenskyj mit.

Rutte sprach bei seinem Besuch im ukrainischen Parlament. Er sicherte zu, Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und die Ukraine weiter zu unterstützen. "Ich weiß, dass der Winter kalt ist, aber der Frühling wird kommen", versicherte Rutte.

Strom- und Heizungsausfälle treffen Großstädte

Der Versorger DTEK sprach vom stärksten Angriff gegen die Energiewirtschaft seit Jahresbeginn. Unter Beschuss gerieten demnach Anlagen zur Stromerzeugung und Stromverteilung. In Kiew, Charkiw und Dnipro wurden Heiz- und Wärmekraftwerke getroffen.

In der Hauptstadt waren den Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge nach Angriffen auf die Infrastruktur am Morgen zwei Stadtteile überwiegend ohne Heizung. In 1.170 Häusern sei die Wärmeversorgung ausgefallen, teilte er mit. Außerdem gebe es Schäden an Wohnhäusern und mehrere Brände.

Russlands Militär nahm auch die Region um Kiew herum ins Visier. Der Chef der Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnyk, beklagte bei Telegram drei Verletzte und Schäden unter anderem an Wohngebäuden.

In der Stadt Charkiw im Nordosten des Landes kündigte Bürgermeister Ihor Terechow nach Beschuss in der Nacht an, dass die Heizflüssigkeit für 820 Häuser abgelassen werden müsse. Das Einfrieren des Netzes soll so verhindert werden. Auch er sprach von gezielten Angriffen auf die Energieinfrastruktur.

Nach einem massiven Angriff mit Raketen und Drohnen auf die Energie- und zivile Infrastruktur waren in der Region Odessa im Süden des Landes mehr als 50.000 Einwohner ohne Stromversorgung, wie Gebietsgouverneur Oleh Kiper mitteilte. Wohnhäuser, Lager- und Verwaltungsgebäude sowie Autos seien beschädigt worden.

Russland bestätigt Angriff auf Energieanlagen

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte einen massiven Angriff in der Nacht. Er habe sich gegen Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes gerichtet und gegen Energieanlagen, die dafür genutzt würden.

Er sei eine Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Objekte in Russland, hieß es. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Angriffe vor geplanter Verhandlungsrunde

Die Angriffe kamen kurz vor einer neuen geplanten Verhandlungsrunde über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Nach Angaben aus Moskau und Kiew sollen am Mittwoch und Donnerstag direkte Gespräche zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern unter Vermittlung der USA fortgesetzt werden. Das trilaterale Format hatte vor gut anderthalb Wochen in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten begonnen.

US-Präsident Donald Trump hatte nach eigenen Worten in der vergangenen Woche Kremlchef Putin um eine begrenzte Waffenruhe gebeten und erklärt, dass Moskau zugesagt habe. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte dies – allerdings nur bis zum vergangenen Sonntag. Die jüngsten Attacken auf zivile Objekte und vor allem Energieanlagen zeigen, dass diese begrenzte Feuerpause nun vorbei ist.

Russland fordert für die Beendigung des Kriegs unter anderem einen Verzicht der Ukraine auf den angestrebten Nato-Beitritt und den Abzug von Kiews Militär aus ukrainischen Gebieten, die Moskau bislang nicht einnehmen konnte.

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