Infineon-Aktie profitiert vom KI-Boom und neuen Investitionsplänen
Die Infineon-Aktie ist im frühen Handel am Mittwochmorgen gestiegen, die Zahlen des Chipherstellers kamen am Aktienmarkt gut an. Der Halbleiterhersteller aus Neubiberg bei München profitiert spürbar vom Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz. Trotz eines insgesamt verhaltenen Marktumfelds konnte Infineon im ersten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn steigern. Konzernchef Jochen Hanebeck betonte: „Die sehr dynamische Nachfrage bei KI in einem ansonsten verhaltenen Marktumfeld gibt Infineon kräftigen Rückenwind.“
Unter dem Strich verdiente Infineon im Quartal 256 Millionen Euro, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 3,66 Milliarden Euro. Damit zeigt sich, dass der Infineon-Aktienkurs nicht nur von der KI-Dynamik, sondern auch von einer Erholung im Automobilgeschäft gestützt wird – der größten Sparte des Konzerns.
Infineon investiert mehr in KI-Boom
Um die starke Nachfrage nach Stromversorgungen für KI-Rechenzentren zu bedienen, erhöht Infineon seine Investitionen deutlich. Für das laufende Geschäftsjahr plant der Konzern nun 2,7 Milliarden Euro – rund 500 Millionen Euro mehr als ursprünglich vorgesehen. Ein großer Teil davon fließt in den schnelleren Hochlauf der neuen Smart Power Fab in Dresden, die bereits im Sommer eröffnet werden soll.
Infineon erwartet für das laufende Jahr weiter einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro in diesem KI-Bereich. Für das Geschäftsjahr 2027 sollen die Erlöse sogar auf 2,5 Milliarden Euro steigen – ein Wachstum von 1 Milliarde Euro. Im vergangenen Quartal meldete Infineon eine Segmentergebnismarge von 17,9 Prozent. Das sind zwar 30 Basispunkte weniger als im Vorquartal, aber 110 Basispunkte mehr als Analysten erwartet hatten. Diese Infineon-Zahlen wurden von Marktbeobachtern positiv aufgenommen.
Moderates Wachstum – Auto schwächer, KI stärker
Für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2025/26 bestätigte Infineon die Prognose eines moderaten Wachstums. Allerdings dürfte das Automobilgeschäft unter dem Konzernschnitt bleiben, da die Nachfrage im Bereich Elektromobilität schwächer ausfällt.
Der Bereich Power & Sensor Systems hingegen, zu dem auch die Stromversorgung von Rechenzentren zählt, soll deutlich schneller wachsen als der Konzern insgesamt. Für das laufende zweite Quartal rechnet Infineon mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro und einer Marge im mittleren bis hohen Zehner-Prozentbereich. In der Infineon-Bilanz spielt zudem der Wechselkurs eine Rolle: Ein schwächerer Dollar belastet typischerweise die Geschäfte.
Infineon übernimmt Teil des Sensorgeschäfts von AMS Osram
Neben der KI-Offensive sorgt auch ein Zukauf für Aufmerksamkeit: Infineon übernimmt Teilbereiche des Sensorikgeschäfts von AMS Osram für 570 Millionen Euro. Konkret handelt es sich um das nichtoptische Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäft.
Dieses erwirtschaftete rund 220 Millionen Euro Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis von etwa 60 Millionen Euro im Jahr 2025. Infineon erwartet dadurch einen zusätzlichen Umsatz von rund 230 Millionen Euro im Jahr 2026. Rund 230 Mitarbeitende wechseln im Zuge der Transaktion zu Infineon. Der Abschluss wird für das zweite Quartal erwartet. Hanebeck sagte dazu: „Das erworbene Geschäft passt strategisch perfekt zu Infineon und ergänzt unser starkes Angebot im Analog- und Sensor-Bereich.“ Die AMS-Osram-Aktie reagierte auf den geplanten Deal positiv: In Frankfurt stieg das Papier des österreichischen Halbleiterherstellers vorbörslich über 4 Prozent auf 9,20 Euro.
Infineon-Aktie: Analystenmeinungen und Kursziele
Eine halbe Stunde vor dem Start des Aktienhandels an der Frankfurter Börse verbuchte die Infineon-Aktie ein Plus von mehr als 4 Prozent und kletterte auf 42,41 Euro nach oben. Im frühen Börsenhandel schmolzen die Gewinne dann langsam ab, gegen 9:30 Uhr lag das Papier des deutschen Halbleiterproduzenten noch 0,5 Prozent im grünen Bereich. Positive Analystenmeinungen reichen den Anlegern offenbar nicht aus, um die Infineon-Aktie weiter zu halten, es kommt zu Gewinnmitnahmen.
Die britische Investmentbank Barclays belässt das Kursziel für die Infineon-Aktie nach Zahlenvorlage bei 44 Euro, die Einstufung bleibt "Overweight". Analyst Simon Coles hebt am Mittwoch nach dem Bericht zum ersten Geschäftsquartal 2026 vor allem das Ziel für das Geschäft mit KI-Chips im Jahr 2027 positiv hervor. Das avisierte Wachstum sei dynamischer als gedacht. Auch das Analysehaus Jefferies bewertet die Infineon-Zahlen positiv und belässt die Einstufung für Infineon mit einem Kursziel von 52 Euro auf "Buy". Das erste Geschäftsquartal habe die Erwartungen übertroffen, besonders klar bei der sogenannten Segmentergebnis-Marge, schrieb Janardan Menon am Mittwoch. Die Münchner hätten ihre Ziele für das Geschäft mit KI-Chips in 2026 zwar nicht hochgeschraubt, hier aber nun für das Geschäftsjahr 2027 ein Wachstum von 66 Prozent avisiert. Damit würde der Anteil dieser Chips am Konzernumsatz von 10 auf 15 Prozent steigen.
Die Infineon-Aktie bleibt ein spannendes Thema für Anleger: Der Konzern profitiert von der KI-Nachfrage, investiert kräftig in neue Kapazitäten und stärkt seine Position durch Übernahmen. Auch wenn der Infineon-Aktienkurs zuletzt schwankte, unterstreichen die aktuellen Entwicklungen die strategische Ausrichtung des Unternehmens.


