Rheinmetall-Aktie unter Druck: Analystenbriefing belastet Kurse
Mehr als acht Prozent im Minus: Die seit Jahresanfang erzielten Kursgewinne der Rheinmetall-Aktie sind am Donnerstag angesichts vorsichtigerer Erwartungen nahezu komplett aufgezehrt worden. Mit einem Abschlag von zeitweise 8,5 Prozent rutschte der DAX-Wert im vorläufigen Tagestief auf 1.525 Euro. Damit näherten sich die Titel dem unteren Ende ihrer Handelsspanne, in der sie seit dem Rheinmetall-Rekordhoch von Anfang Oktober schwanken. Händler verwiesen auf skeptischere Aussagen im Rahmen eines Briefings, in dem der Rüstungskonzern Analysten auf die kommenden Quartalszahlen vorbereitete.
Die Informationen von Rheinmetall deuteten offenbar auf sinkende Konsensschätzungen hin. Analyst David Perry von JPMorgan reagierte prompt und senkte am Donnerstag seine zuvor über dem Konsens liegenden Ergebnisschätzungen bis 2030 um bis zu 14 Prozent. "Wir erwarten weiterhin ein außergewöhnlich starkes Umsatz- und Gewinnwachstum in den nächsten fünf Jahren, gehen aber nun davon aus, dass der Produktionshochlauf schwieriger wird als ursprünglich angenommen", erklärte der Experte.
Die eingetrübte Stimmung erfasste am Donnerstag auch andere Branchenwerte: Im MDAX büßten die Titel von Hensoldt, Renk und TKMS zuletzt zwischen 0,5 und 2,6 Prozent ein.
Die Rüstungsbranche beobachtet zudem gespannt die laufenden Gespräche zwischen Russland und der Ukraine. In den Vereinigten Arabischen Emiraten begann der zweite Tag der von den USA vermittelten Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende. Der Sondergesandte von Kremlchef Wladimir Putin, Kirill Dmitrijew, erklärte im Staatsfernsehen, dass Fortschritte erkennbar seien.
Rheinmetall-Aktie: Analysten senken Kursziele
Ein wesentlicher Grund für den Kursrückgang sind gesenkte Kursziele führender Analystenhäuser. Die US-Bank JPMorgan reduzierte ihren fairen Wert für die Rheinmetall-Aktie von 2.250 auf 2.130 Euro, aber die Einstufung auf "Overweight" belassen. Analyst David Perry kürzte seine Gewinnprognosen bis 2030 um bis zu 14 Prozent. Diese Anpassung basiert auf den jüngsten Unternehmensinformationen, die auf eine schwächere Geschäftsentwicklung hindeuten. Trotz der Korrekturen bleibt Perry optimistisch und sieht weiterhin starkes Umsatz- und Gewinnwachstum.
Auch Jefferies senkte bereits am gestrigen 4. Februar das Kursziel, und zwar von 2.170 auf 2.060 Euro, die Einstufung bleibt "Buy". Analystin Chloe Lemarie begründete dies mit enttäuschenden Prognosen für die Jahre 2025 und 2026. Die Umsatzprognose liege deutlich unter dem Konsens und die Aussagen zur Marge ließen ebenfalls ein deutlich unter dem Konsens liegendes operatives Ergebnis erwarten, was den Rheinmetall-Aktienkurs zusätzlich belastet.
Charttechnische Schwäche belastet den Rheinmetall-Aktienkurs
Neben den Analystenbewertungen spielt auch die charttechnische Entwicklung eine Rolle. Die Rheinmetall-Aktie ist unter die wichtige 200-Tage-Linie gefallen, was als negatives Signal gewertet wird. Seit Mai 2025 befindet sich die Aktie in einem Seitwärtstrend, doch der jüngste Rückgang könnte diesen Trend gefährden.
Rheinmetall-News: Geopolitische Entwicklungen belasten Rüstungswerte
Ein weiterer Faktor ist das Treffen zwischen der Ukraine und Russland in Abu Dhabi, das zum Sonntag ausgesetzt und zur Wochenmitte fortgesetzt wurde. Am zweiten Tag der von den USA vermittelten Gespräche erklärte Kreml-Sondergesandter Kirill Dmitrijew im russischen Staatsfernsehen, es gebe Fortschritte – eine Entwicklung mit potenziell großer Bedeutung für die Rüstungsindustrie. Obwohl es keine Anzeichen für einen Durchbruch gibt, belastet allein die Aussicht auf mögliche diplomatische Fortschritte die Rheinmetall-Aktie.
Investoren reagieren außerdem zunehmend nervös auf mögliche Produktionsprobleme in der Rüstungsbranche und die damit verbundene unsichere Auftragslage. Dies zeigt, wie sensibel die Branche auf geopolitische Entwicklungen reagiert.
Rheinmetall-Aktie bleibt trotz Analystenabstufung langfristig interessant
Die Rheinmetall-Aktie steht aktuell unter Druck. Gesenkte Kursziele, enttäuschende Unternehmensprognosen und charttechnische Schwächen haben den Kurs am Donnerstag stark belastet. Dennoch bleibt das Umfeld für Rüstungswerte langfristig positiv, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen der NATO. Anleger sollten Geduld mitbringen und die weitere Entwicklung abwarten.

