Wirtschaft

Künstliche Intelligenz verdrängt Influencer: Generation Z trifft Kaufentscheidungen mit KI

Künstliche Intelligenz beeinflusst zunehmend, wie junge Konsumenten Informationen bewerten und Kaufentscheidungen treffen. Welche Folgen hat dieser Wandel für Marken, Marketingstrategien und den Wettbewerb um die Generation Z?
21.02.2026 16:01
Lesezeit: 2 min
Künstliche Intelligenz verdrängt Influencer: Generation Z trifft Kaufentscheidungen mit KI
Künstliche Intelligenz prägt zunehmend das Kaufverhalten der Generation Z und zwingt Unternehmen zu neuen Marketingstrategien (Foto: iStock.com, Xavier Lorenzo) Foto: Xavier Lorenzo

Künstliche Intelligenz beeinflusst Kaufentscheidungen mehr als Influencer

Künstliche Intelligenz gewinnt für Kaufentscheidungen junger Konsumenten spürbar an Bedeutung. Laut einem aktuellen Bericht der Agentur Insightland vertrauen 52 Prozent der Generation Z auf Produktempfehlungen, die von AI-Systemen generiert werden. Influencer verlieren dagegen deutlich an Einfluss.

Nur noch 11 Prozent der Befragten geben an, sich bei Kaufentscheidungen an Influencern zu orientieren. Damit verliert ein lange zentraler Marketingkanal für Marken spürbar an Relevanz. Die Ergebnisse deuten auf eine strukturelle Verschiebung im Informationsverhalten junger Konsumenten hin.

Sichtbarkeit in AI-Systemen wird für Marken entscheidend

Im Wettbewerb um die Generation Z, also um die Jahrgänge 1995 bis 2012, verändert sich die digitale Sichtbarkeit grundlegend. Für Marken wird zunehmend entscheidend, ob sie in den Antworten von AI-Tools wie ChatGPT erscheinen. Die Präsenz in klassischen Suchmaschinen reicht allein nicht mehr aus.

Der GenZ reSearch Report von Insightland zeigt, dass Google mit 54 Prozent zwar weiterhin die meistgenutzte Plattform bleibt. Gleichzeitig verliert die Suchmaschine jedoch an Bedeutung als alleiniger Ausgangspunkt für Kaufentscheidungen. Alternative Informationswege gewinnen an Gewicht. Wenn Google keine zufriedenstellenden Antworten liefert, wenden sich viele Nutzer direkt an AI-Systeme. 57 Prozent der Befragten geben an, in solchen Fällen auf künstliche Intelligenz zurückzugreifen. Klassische SEO-Strategien stoßen damit zunehmend an ihre Grenzen.

Influencer-Marketing verliert an Glaubwürdigkeit

Die Studie dokumentiert einen deutlichen Vertrauensverlust gegenüber Influencern. Sie gelten innerhalb der Generation Z inzwischen als am wenigsten glaubwürdige Quelle für Produktempfehlungen. Lediglich 11 Prozent der Befragten messen ihnen noch Vertrauen bei.

An der Spitze der vertrauenswürdigsten Informationsquellen stehen weiterhin Familie und Freunde. 86 Prozent der Befragten orientieren sich an Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld. Damit gewinnen Empfehlungsprogramme und virale Marketingansätze weiter an Bedeutung. Auf dem zweiten Platz folgen bereits AI-Assistenten mit 52 Prozent Vertrauen. Sie liegen damit vor Internetforen und Kundenbewertungen in Online-Shops. Dahinter rangieren die eigenen Kanäle der Marken. Jeder vierte Befragte berücksichtigt zudem Empfehlungen aus Kommentaren in sozialen Netzwerken.

Smartphone verdrängt den Laptop beim Online-Einkauf

Für den Online-Handel ergeben sich daraus klare Konsequenzen für Technik und Nutzerführung. Während ältere Vertreter der Generation Z noch zu 22 Prozent Laptops für Produktsuche und Einkauf nutzen, sinkt dieser Anteil bei den jüngsten Befragten auf nur noch 4 Prozent. Für Anbieter mit Fokus auf Jugendliche reicht eine Mobile-First-Strategie nicht mehr aus. Mobile only wird zunehmend zum Maßstab. Ist der Kaufprozess auf dem Smartphone nicht klar strukturiert, verliert das Angebot für diese Zielgruppe an Relevanz.

Der Bericht zeigt zudem, dass selbst innerhalb der Generation Z eine stärkere Differenzierung notwendig ist. Nutzer der Jahrgänge 2007 bis 2012 bevorzugen zu 72 Prozent kurze Videoformate wie TikTok oder Reels. Textbasierte Inhalte spielen für sie kaum eine Rolle. Ältere Nutzer der Jahrgänge 1995 bis 2000 greifen dagegen häufiger auf längere Formate zurück. 46 Prozent lesen Artikel und Blogs, 51 Prozent konsumieren längere Videos. Inhalte müssen daher altersabhängig zugeschnitten werden.

Was die Ergebnisse für deutsche Unternehmen bedeuten

Für Unternehmen in Deutschland verdeutlichen die Ergebnisse einen tiefgreifenden Wandel im digitalen Konsumverhalten. Sichtbarkeit in AI-Systemen, mobile Nutzerführung und glaubwürdige Empfehlungsstrukturen werden zu zentralen Wettbewerbsfaktoren.

Klassische Marketinglogiken verlieren an Wirkung, während technologische Präsenz und inhaltliche Relevanz an Bedeutung gewinnen. Wer die Generation Z erreichen will, muss digitale Strategien präzise an neue Entscheidungswege und Nutzungsmuster anpassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Kommt die Bafög-Reform doch nicht? - Ärger in der Koalition
01.06.2026

Bundesforschungsministerin Bär erwartet kein schnelles Bafög-Update mehr. Warum sie Verständnis für einen etwaigen Stopp der Reform...

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens Energy-Aktie erholt sich: Neu auf Goldman-Empfehlungsliste
01.06.2026

Trotz jüngster Kursverluste sehen Analysten bei Siemens Energy weiteres Potenzial. JPMorgan belässt Siemens Energy auf "Overweight" -...

DWN
Politik
Politik Millionengrab Northvolt-Pleite: Regierung verstieß gegen Informationspflicht
01.06.2026

Vom Hoffnungsträger zum Millionengrab: Viele Politiker sahen das Projekt als entscheidend an. Heute zittern Bund und Land um 600 Millionen...

DWN
Politik
Politik AfD-Wahlprogramm verabschiedet: Atomenergie, CO2-Aus und begrenzte Migration
01.06.2026

Die AfD rüstet sich für die anstehenden Landtagswahlen im September: In Mecklenburg-Vorpommern verabschiedeten die Delegierten auf dem...

DWN
Politik
Politik EU-Schulden werden zur Kostenfalle für Deutschland
01.06.2026

Europa will mehr Rüstung, sichere Energie, starke Industrie und stabile Renten. Doch der IWF warnt, dass diese Rechnung kaum aufgeht,...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
31.05.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen der möglichen Nachfolger Spahn und...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsanleihen unter Druck: Wie der Krieg den Preis des Geldes erhöht
31.05.2026

Lange galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, nun werden sie selbst zum Warnsignal. Krieg, Energiepreise und Inflation treiben Renditen...

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...