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Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender Preise wächst der Umsatz, denn Kombinationspräparate sichern Effizienz und beleben den Wettbewerb. Wie innovativ kann ein Unternehmen sein, das scheinbar nur kopiert – und wo liegen die Risiken?
20.02.2026 16:45
Lesezeit: 3 min
Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
Krka Generika setzt auf Forschung, Patente und internationale Expansion, um Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig den Umsatz zu steigern. (Foto: Krka)

Krka: Vom Generikahersteller zum Innovationsführer

Krka gilt vielen noch als klassischer Generikahersteller. Doch hinter stabilen Umsätzen, günstigen Preisen und bekannten Wirkstoffen verbirgt sich eine ambitionierte Strategie. Während viele Konkurrenten auf Standardprodukte setzen, setzt Krka auf Forschung, digitale Technologien und internationale Expansion. Das Unternehmen zeigt, wie Generika nicht nur Kopien, sondern strategische Innovationen sein können – mit langfristiger Wirkung auf Europa und darüber hinaus.

Die Preise für Abnehmmedikamente werden stark sinken, während Krka gleichzeitig ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Semaglutid entwickelt. Die DWN-Kollegen vom slowenischen Finanzportal Finance.si sprachen mit Aleš Rotar, Mitglied der Geschäftsleitung für Forschung und Produktion, über die zukünftige Gewinnstrategie des Unternehmens.

Im vergangenen Jahr steigerte Krka den Umsatz um sieben Prozent und den Absatz an Medikamenten um fünf Prozent. Wuchs der Umsatz durch höhere Preise oder durch profitablere Produkte? Rotar erklärt: „Der Umsatz wuchs stärker als die Absatzmenge, weil wir unser Portfolio stetig erweitern und optimieren. Besonders erfolgreich sind Kombinationspräparate, bei denen eine Tablette zwei oder drei Wirkstoffe enthält. Patienten benötigen so nur eine Tablette statt zwei oder drei. Das erleichtert die Therapie und steigert unsere Effizienz.“ Kombinationstabletten machen bereits über ein Drittel des Umsatzes aus, auf manchen Märkten über 40 Prozent. „Wir haben frühzeitig den Bedarf an solchen Präparaten erkannt und gehörten zu den ersten Unternehmen, die in deren Entwicklung und Produktion investierten“, so Rotar.

Krka Generika: Nicht nur Kopien – Innovation in jedem Schritt

Krka entwickelt, produziert und vertreibt Generika, hält aber gleichzeitig über 200 Patente zum Schutz der Zusammensetzung und Eigenschaften ihrer Medikamente. „Generika sind selten exakte Kopien der Originalpräparate. Wie Mobiltelefone heute ganz anders funktionieren als vor 20 Jahren, unterscheiden sich auch Medikamente erheblich.“ Die chemische Formel der Wirkstoffe ist bekannt und geschützt. Um ein Generikum auf den Markt zu bringen, muss Krka die passende Formulierung und den Produktionsprozess entwickeln. Auch bei bekannten Molekülen bleiben Innovation und technologische Weiterentwicklung entscheidend. „Wir nutzen synthetische und enzymatische Verfahren sowie Durchflussreaktoren, die vor 20 Jahren noch nicht üblich waren“, erläutert Rotar.

Die Analytik, die für die Zulassungsdokumentation notwendig ist, wird immer komplexer. Die Anzahl der Analysen pro Studie steigt jährlich um zehn bis 20 Prozent. Die pharmazeutische Produktion selbst bleibt in wesentlichen Details geheim, um Patentrechte zu wahren. „Wenn Generika nur Kopien wären, hätten einzelne Produkte rund hundert Wettbewerber“, betont Rotar. Bei Krka arbeiten rund 800 Experten in Forschung und Entwicklung daran, alle innovativen Schritte umzusetzen, die für ein konkurrenzfähiges Medikament nötig sind. Ziel ist es, Medikamente zu entwickeln, die weniger Wettbewerber haben und sich in einem stabilen Marktsegment behaupten können.

Strategische Expansion: Kombinationspräparate, neue Märkte und Künstliche Intelligenz

Krka setzt weiterhin auf die Entwicklung von Kombinationspräparaten, besonders im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie auf komplementäre Produkte wie Blutgerinnungshemmer, Herzinsuffizienzmedikamente und bestimmte Diabetesmedikamente. Rotar betont die Bedeutung von kontinuierlicher Versorgung: „Für chronische Therapien müssen wir täglich über hundert Millionen Patienten bedienen. Unsere Kombinationspräparate sind deshalb entscheidend für den Markt.“ Die Internationalisierung der Produktion begann Ende der 1990er Jahre mit Fabriken in Polen, Russland und Kroatien, später folgte die Übernahme von TAD Pharma in Deutschland.

Krka produziert mittlerweile auch in Indien und China – sowohl für lokale als auch für europäische Märkte. Die Priorität liegt auf Geschwindigkeit, Flexibilität und qualifizierten Mitarbeitern. Für das neue Segment von Diabetesmedikamenten mit Semaglutid plant Krka den Markteintritt nach Ablauf der Datenexklusivität, voraussichtlich um 2030. Die Preise werden stark fallen, wie bei anderen Generika üblich. Rotar erklärt: „Die Durchschnittskosten einer Monatsbehandlung mit einem unserer kardiovaskulären Standardmedikamente entsprechen ungefähr dem Preis eines Cappuccinos.“

Deutschland als Schlüsselmarkt für Krkas hochwertige Generika

Biologische Medikamente spielen für Krka derzeit keine Rolle, da sie nicht zu den Kerntherapiebereichen des Unternehmens passen. Rotar betont, dass neue Technologien wie Künstliche Intelligenz bereits intensiv in Entwicklungsprozesse integriert werden, insbesondere für digitale Zwillinge und maschinelles Lernen in der Analytik. Diese Technologien ermöglichen die Verarbeitung großer Datenmengen, steigern die Effizienz und verschärfen gleichzeitig den Wettbewerb.

Abschließend hebt Rotar hervor, dass der Markt der entscheidende Gradmesser für Investitionen und Entwicklung sei. Nur wer vertikal integriert ist, über hochqualifizierte Teams verfügt und flexibel auf Marktanforderungen reagiert, kann langfristig erfolgreich sein. Deutschland spielt dabei eine Rolle als Kernmarkt für hochwertige Generika und als Standort von Krkas Produktionskapazitäten in Deutschland (TAD Pharma), was die Versorgungssicherheit für Patienten und die Präsenz in Europa stärkt.

Krka Generika: Innovation trotz Preisdruck

Krka zeigt, dass Generika keineswegs ein innovationsarmes Geschäftsfeld sind. Durch klug entwickelte Kombinationspräparate, hohe Forschungsinvestitionen und technologische Weiterentwicklung schafft das Unternehmen stabile Margen in einem hart umkämpften Markt. Gleichzeitig zwingt der absehbare Preisverfall bei neuen Wirkstoffen wie Semaglutid zu Effizienz, Geschwindigkeit und globaler Präsenz. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verschärft den Wettbewerb zusätzlich, eröffnet aber neue Chancen für skalierbare Innovation. Entscheidend bleibt der Markt: Nur wer flexibel produziert, vertikal integriert ist und medizinischen Mehrwert liefert, wird langfristig bestehen.

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