Der S&P 500 stieg um fast 0,5 Prozent und näherte sich damit einem Rekordschlussstand, während der technologisch ausgerichtete Nasdaq Composite um etwa 1 Prozent zulegte.
Der zweite Schlusskurs des Dow Jones in Folge über der historischen Marke von 50.000 Punkten wird jedoch von einem dichten Zeitplan für Unternehmensergebnisse und Statistikveröffentlichungen überschattet, der die Marktteilnehmer in Anspannung hält.
KI-Begeisterung und Schmerzpunkte
Die Aktien von Softwareunternehmen zeigten am Montag eine starke Erholung, als Analysten der Wall Street begannen, die wachsende Angst der Investoren zu zerstreuen, dass künstliche Intelligenz die bisherigen Geschäftsmodelle des Sektors zerstören könnte.
Besondere Aufmerksamkeit galt Oracle, deren Aktie um 10 Prozent sprang, als der Analyst Gil Luria von DA Davidson das Rating der Aktie von „neutral“ auf „kaufen“ heraufstufte. Luria betonte in seinem Bericht den Optimismus hinsichtlich der Kooperationsvereinbarung zwischen Oracle und OpenAI und wies Befürchtungen zurück, dass KI das Softwaregeschäft von Oracle beeinträchtigen könnte. Trotz des Anstiegs am Montag ist die Oracle-Aktie seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent gefallen, da der Sektor insgesamt unter starken Verkaufsdruck geraten ist.
Zu Wochenbeginn fielen jedoch die Aktien des Arbeitsmanagement-Softwareherstellers Monday.com stark, was das jüngste Anzeichen für die Unsicherheit im Sektor ist. Die Aktie brach um über 20 Prozent ein, da die Umsatz- und Gewinnprognosen des Softwareherstellers hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieben.
Andere Technologieaktien setzten die am Freitag begonnene Erholung fort. Nvidia und AMD verteuerten sich beide um über 3 Prozent, die Microsoft-Aktie stieg um mehr als 2 Prozent.
Diese gegensätzliche Bewegung deutet auf die Selektivität des Marktes hin: Investoren bevorzugen „KI-Gewinner“ bzw. Infrastrukturanbieter wie Nvidia und Oracle, während Anbieter von Anwendungssoftware wie Monday.com erst noch beweisen müssen, dass KI ihr Geschäftsmodell nicht ersetzbar macht.
Gold und Krypto: Anhaltende Unsicherheit
Auch Gold und Bitcoin blieben im Fokus der Anleger: Gold-Futures stiegen am Montag wieder über 5.000 US-Dollar pro Unze, während Bitcoin in der Nähe von 70.000 US-Dollar verharrte. Beide Vermögenswerte wurden in der vergangenen Woche stark in Mitleidenschaft gezogen, wobei Bitcoin am vergangenen Donnerstag den größten Tagesverlust seit 2022 erlitt, was die anhaltende Empfindlichkeit des Kryptomarktes gegenüber Änderungen der Zinserwartungen zeigt. Das Goldpreisniveau von über 5.000 US-Dollar pro Unze spiegelt den langfristigen Inflationsdruck und die geopolitische Unsicherheit wider, die die Rolle des Edelmetalls in den Portfolios der Anleger verändert haben.
Obwohl sich der Bitcoin erholt, notiert er fast 44 Prozent unter seinem im letzten Oktober erreichten Allzeithoch (über 126.000 US-Dollar). Der damalige Rückgang, ausgelöst durch massive Verkäufe und Zwangsliquidierungen, markierte den Beginn eines neuen „Krypto-Winters“. Bernstein-Analyst Gautam Chhugani merkte in einem Marktüberblick am Montag an, dass die aktuelle Preisbewegung von Bitcoin lediglich eine Vertrauenskrise sei. „Nichts ist kaputtgegangen und es fallen keine Leichen aus dem Keller“, bemerkte er.
Laut Chhugani ist das größte Problem von Bitcoin derzeit der Siegeszug der künstlichen Intelligenz – in einer Welt, in der sich die gesamte Aufmerksamkeit auf KI konzentriert, scheinen Krypto-Assets für Investoren einfach nicht mehr interessant genug zu sein. Gleichzeitig betonte er, dass paradoxerweise die Argumente für einen weiteren Rückgang von Bitcoin derzeit historisch am schwächsten seien, und verwies auf das starke Fundament der Vermögensallokation.
Warten auf Statistiken: Bröckelt der Arbeitsmarkt?
Hinsichtlich der Wirtschaftsstatistiken befinden sich die Anleger bis Mittwoch im Wartemodus, wenn das US Bureau of Labor Statistics den verzögerten Arbeitsmarktbericht für Januar veröffentlicht.
Der Fokus des Marktes richtet sich darauf, ob neue Anzeichen für eine Abkühlung des Arbeitsmarktes auftreten, da die in der vergangenen Woche veröffentlichten ADP-Lohndaten für den Privatsektor hinter den Erwartungen zurückblieben. Dabei hat die Verzögerung des offiziellen Berichts für zusätzliche Nervosität am Markt gesorgt – sollte auch die staatliche Statistik ein Bröckeln des Arbeitsmarktes bestätigen, erhöht dies den Druck auf die Federal Reserve, die Zinssätze trotz der Rekordstände an den Aktienmärkten zu senken.
Die Woche endet jedoch mit dem am Freitagmorgen erscheinenden Verbraucherpreisindex, der die endgültige Richtung für die Inflationserwartungen vorgeben wird.
An der Front der Unternehmensergebnisse veröffentlicht der Halbleiterhersteller ON Semiconductor seinen Bericht am Montag nach Börsenschluss. Im Laufe der Woche werden Ergebnisse weiterer großer Namen wie Coca-Cola, McDonald's und Cisco erwartet, die den Anlegern ein besseres Bild vom Konsumverhalten und den Technologieausgaben vermitteln werden. Besonders wichtig sind die Prognosen von Coca-Cola und McDonald's, die zeigen werden, ob der US-Verbraucher die Toleranzgrenze für Preiserhöhungen erreicht hat oder ob die Gewinne über das Volumen weiter gesteigert werden können.


