Siemens-Aktie nach starken Zahlen auf Rekordhoch – doch nicht lange
Die Siemens-Aktie sorgte am Donnerstag für Aufsehen am deutschen Aktienmarkt. Nach einem unerwartet starken ersten Quartal hat der Münchner Technologiekonzern seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 angehoben. Der Siemens-Aktienkurs kletterte daraufhin auf ein neues Rekordhoch von 275,75 Euro und gewann zeitweise annähernd 8 Prozent. Zuvor hatte der Höchststand bei 266,25 Euro gelegen. Seit Jahresbeginn hat die Siemens-Aktie um annähernd 14 Prozent zugelegt.
Siemens liefert sich derzeit mit dem zuletzt schwächelnden Softwarekonzern SAP ein Kopf-an-Kopfrennen um die Krone des wertvollsten Unternehmens im DAX. Mit dem steigenden Siemens-Aktienkurs kletterte die Marktkapitalisierung auf mehr als 219 Milliarden Euro. Damit überholten die Münchner im aktuellen Rennen um den Titel wertvollstes DAX-Unternehmen SAP wieder, da der Softwarekonzern nur leicht zulegte. Siemens-Chef Busch kommentierte das Rennen mit gemischten Gefühlen: Er freue sich über die Entwicklung von Siemens, das zuletzt stark zugelegt hat, der Wertverlust von SAP sei dagegen absolut unerfreulich. Man brauche ein starkes SAP.
Marktkapitalisierung: Siemens-Aktie überholt SAP-Aktie nur kurzzeitig
Der Siemens-Kurs konnte das hohe Niveau nicht halten, das kräftige Plus schmolz im Handelsverlauf mehr und mehr ab. Letztlich ging die Siemens-Aktie kaum bewegt aus dem Frankfurter Börsenhandel am Donnerstag – und der Börsenwert fiel auf 205,6 Milliarden Euro zurück. Seit Jahresbeginn steht bei der Siemens-Aktie aber weiterhin ein Zuwachs von 7,5 Prozent.
Doch die SAP-Aktie, die an diesem Donnerstag um 0,4 Prozent auf 169,70 Euro zulegte, kam damit auf eine Marktkapitalisierung von 208,5 Milliarden Euro. Doch somit lag die SAP-Aktie zum Handelsende wieder an der Spitze, der Walldorfer Softwarekonzern ist nun wieder der wertvollste deutsche Konzern nach Börsenwert. Die SAP-Aktie war zuletzt stark von Sorgen über eine mögliche KI-Bedrohung belastet worden, weshalb sich seit Jahresbeginn ein Kursverlust von 18,6 Prozent ergibt. Seit dem Rekord vor einem Jahr hat sie sogar mehr als ein Drittel eingebüßt.
Siemens-Zahlen deutlich über Erwartungen
Trotz des Aufs und Abs der Siemens-Aktie im Donnerstagshandel bleiben die Zahlen des Münchner Konzerns unverändert stark. RBC-Analyst Mark Fielding erhöhte nach der Telefonkonferenz zu den Siemens-Zahlen seine Prognosen, hob sein Kursziel von 245 auf 270 Euro an und blieb bei seiner neutralen Einschätzung zur Siemens-Aktie. "Siemens übertraf im ersten Geschäftsquartal die Erwartungen für das Industriegeschäft um 10 Prozent, mit stärkeren Margen im Bereich Digital Industries (DI) und Smart Infrastructure (SI)", erklärte er. Die Prognosen für das Gesamtjahr deuteten zudem darauf hin, dass sich beide Bereiche in Richtung der oberen Hälfte der Zielspanne entwickeln könnten.
Analyst Rizk Maidi von Jefferies betonte, dass die Münchner ähnlich wie Wettbewerber ABB (ISIN: CH0012221716) höhere Auftragseingänge im Bereich Rechenzentren erzielt hätten, was die Orderzahl im Segment SI deutlich ansteigen ließ. Zudem habe der Auftragseingang im Bereich DI zugelegt, unterstützt durch starkes Wachstum bei Automatisierung in China sowie solides Softwarewachstum. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der Siemens-Bilanz wider.
Prognose nach oben geschraubt
Siemens habe nun seine Zielspanne für das Jahresergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten – die zentrale Gewinnkennziffer des Unternehmens – auf 10,70 bis 11,10 Euro angehoben. Zuvor war ein Anstieg zwischen 10,40 bis 11,00 Euro erwartet worden. Dies sei jedoch laut Maidi mit Blick auf die Mitte der Spanne "konservativ". Der Ergebniskonsens für 2025/26 dürfte nun im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigen, wie Analystin Daniela Costa von Goldman Sachs (ISIN: US38141G1040) erwartet. Auch für den Siemens-Aktienkurs könnten die Siemens-Zahlen und die Siemens-Bilanz damit erneut wichtige Impulse liefern.
Den größten Beitrag zum Ergebnis lieferte erneut die boomende Sparte Smart Infrastructure, die um 18 Prozent auf 1,05 Milliarden zulegte. Sie profitiert unter anderem vom Aufbau von Rechenzentren. Der Auftragseingang hier sei im ersten Quartal "herausragend" gewesen, sagte der scheidende Finanzchef Ralf P. Thomas.
Das Umsatzziel bleibt unverändert: Auf vergleichbarer Basis soll der Erlös um 6 bis 8 Prozent wachsen. Nach dem starken Jahresauftakt beabsichtigt Siemens jedoch, ein Wachstum in der oberen Hälfte dieses Zielkorridors zu erreichen. Finanzvorstand Ralf Thomas erklärte, man strebe ein vergleichbares Umsatzerlöswachstum von mehr als 7 Prozent an. Analysten waren zuletzt von 6,9 Prozent ausgegangen. Der Konzern rechnet weiterhin mit Gegenwind durch den starken Euro.
KI-Boom treibt Digitalgeschäft und Smart Infrastructure
Ein wesentlicher Treiber der positiven Siemens-Bilanz ist das Geschäft rund um Künstliche Intelligenz. Konzernchef Roland Busch betonte: "Künstliche Intelligenz ist ein starker Wachstumstreiber für unsere Geschäfte." Besonders die Sparte Digital Industries erholte sich deutlich vom schwachen Vorjahresquartal und verzeichnete sowohl im Automatisierungs- als auch im Softwaregeschäft prozentual zweistelliges Wachstum beim Neugeschäft.
Auch Smart Infrastructure überzeugte mit starkem Neugeschäft, vor allem im Electrification-Geschäft mit einem Plus von 38 Prozent. Finanzchef Thomas verwies auf ein Rekordvolumen von 1,8 Milliarden Euro an Großaufträgen für Rechenzentren, etwa die Hälfte davon Großaufträge. "Die Nachfrage nach Rechenzentren hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen", sagte Busch.
Siemens investiert weiter kräftig in sein Digitalgeschäft. Mit den US-Zukäufen Altair und Dotmatics tätigte der Konzern milliardenschwere Akquisitionen. Bis 2030 soll das Digitalgeschäft im Schnitt jährlich um 15 Prozent wachsen und die Umsätze von 9,4 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr verdoppeln. In den nächsten drei Jahren will Siemens eine Milliarde Euro in KI-Angebote investieren.
Strategische Weichenstellungen und Ausblick
Neben den starken Siemens-Zahlen kündigte der Konzern einen Führungswechsel an. Finanzchef Ralf Thomas übergibt zum 1. April an Veronika Bienert. Thomas scheidet zum 13. Mai aus dem Vorstand aus, bleibt aber bis Dezember als Berater tätig. Zudem verkleinert sich der Vorstand von sieben auf fünf Mitglieder.
Strategisch will sich Siemens stärker auf seine Kerngeschäfte konzentrieren. Geplant ist, zunächst 30 Prozent der Anteile an Siemens Healthineers an die Aktionäre weiterzureichen. Details dazu sollen im zweiten Quartal folgen. Für Anleger bleibt die Siemens-Aktie damit ein zentraler DAX-Wert mit starkem operativem Momentum. Die angehobene Prognose, die robuste Siemens-Bilanz und der KI-getriebene Auftragsboom liefern Rückenwind für den Siemens-Aktienkurs – auch wenn Währungseffekte bremsen könnten.
Siemens-Aktie: Was bedeutet das für Anleger? Das sagen die Analysten
Die Siemens-Aktie profitiert aktuell von starken Quartalszahlen, einer angehobenen Prognose und Wachstumstreibern wie KI und Rechenzentren. Der Siemens-Aktienkurs bleibt eng an die Entwicklung der Siemens-Bilanz gekoppelt. Mit der angehobenen Prognose und robusten Siemens-Zahlen zeigt Siemens, dass die Transformation hin zu KI-gestützter Automation Früchte trägt – ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Siemens-Aktie.
Die Analysten blicken nach den Zahlen zum ersten Geschäftsquartal insgesamt positiv auf den Technologiekonzern Siemens. Während die Einschätzungen unterschiedlich ausfallen, zeigen beide Kommentare, dass die aktuellen Resultate besser als erwartet waren und der Markt nun mit steigenden Prognosen rechnet. Die Siemens-Aktie bleibt damit im Fokus. Goldman Sachs hat die Einstufung für Siemens mit Kursziel 264 Euro auf „Buy“ belassen. Analystin Daniela Costa schrieb am Donnerstag, dass nach den Quartalsergebnissen der Ergebniskonsens für das Gesamtjahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigen dürfte. RBC bestätigte am Donnerstag das Rating „Sector Perform“ mit Kursziel 245 Euro. Mark Fielding hob hervor, dass die Resultate deutlich besser als erwartet ausgefallen seien und Siemens zudem sein Gewinnziel für das Geschäftsjahr 2025/26 erhöht habe. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Siemens nach Quartalszahlen mit einem Kursziel von 277 Euro auf "Buy" belassen. Die Resultate des Technologiekonzerns seien überwiegend besser als erwartet ausgefallen, schrieb Rizk Maidi am Donnerstag. Das Ergebnisziel für das Gesamtjahr hält er für konservativ.
Insgesamt zeigen die Einschätzungen, dass die Siemens-Aktie von starken Quartalszahlen profitiert, auch wenn die Banken unterschiedliche Bewertungen setzen. Während Goldman Sachs klar zum Kauf rät, bleibt RBC moderater, sieht aber ebenfalls Rückenwind durch die angehobene Prognose.


