Finanzen

Airbus-Aktie im Rückwärtsgang: 870 Jets reichen dem Markt nicht

Die Airbus-Aktie bricht ein, obwohl der Konzern einen Auslieferungsrekord ankündigt. Doch Lieferprobleme, verfehlte Erwartungen und ein vorsichtiger Ausblick nähren Zweifel, ob der Höhenflug der vergangenen Monate schon wieder vorbei ist.
19.02.2026 08:53
Aktualisiert: 19.02.2026 08:53
Lesezeit: 3 min
Airbus-Aktie im Rückwärtsgang: 870 Jets reichen dem Markt nicht
Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe rollt über das Gelände vom Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. (Foto: dpa) Foto: Moritz Frankenberg

Airbus-Aktie: Schwacher Ausblick drückt Kurs deutlich

Der Ausblick von Airbus enttäuschte Anleger am Donnerstagmorgen. Die Airbus-Aktie rutschte auf der Handelsplattform Tradegate um sechs Prozent unter ihren Xetra-Schluss auf 188,50 Euro. Tags zuvor hatte sie es noch knapp zurück über die 200-Euro-Marke geschafft, nachdem sie Mitte Januar noch mehr als 221 Euro gekostet hatte.

Der Produktionsausbau kommt jedoch weiter langsamer voran als geplant. Airbus stellte für 2026 mit rund 870 Verkehrsflugzeugen zwar eine Auslieferung auf Rekordniveau in Aussicht. Analysten hatten allerdings einen noch stärkeren Anstieg auf mehr als 900 Maschinen erwartet.

Der Ausblick sei schwach, selbst wenn er möglicherweise konservativ geplant sei, sagte ein Börsianer. Ganz unerwartet komme dies jedoch nicht. Von ihrem Rekord im Januar hatte die Airbus-Aktie zuletzt um bis zu 15 Prozent korrigiert. Erst an der einfachen 200-Tage-Linie traten bei zweimaligem Test wieder Käufer auf den Plan.

Produktionsziele: Rekord geplant, Lieferketten bremsen

Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus will 2026 so viele Jets an Kunden übergeben wie nie zuvor. Nach dem schwierigen Produktionshochlauf der vergangenen Jahre plant Vorstandschef Guillaume Faury nun die Auslieferung von rund 870 Verkehrsflugzeugen. Damit würde Airbus seinen Rekord von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019 übertreffen. Der Produktionsausbau kommt jedoch weiterhin langsamer voran als geplant. Einen wesentlichen Teil der Verantwortung sieht Faury beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Analysten hatten für 2026 im Schnitt einen stärkeren Anstieg der Auslieferungen auf mehr als 900 Maschinen erwartet. Die Airbus-Aktie verlor auf Tradegate am Morgen im Vergleich zum Schlusskurs am Vortag rund vier Prozent.

Dass das Tochterunternehmen des US-Konzerns RTX nicht die bestellte Zahl von Triebwerken liefere, "wirkt sich negativ auf die Prognose für dieses Jahr und den Produktionsanstieg aus", erklärte der Manager und sprach von einem "signifikanten Rückstand" des wichtigen Zulieferers.

So dürfte die Produktion der meistgefragten Airbus-Modellfamilie A320neo bis Ende 2027 lediglich auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat steigen. Bisher hatte Faury das obere Ende der Spanne angepeilt und selbst dieses Ziel zuvor mehrfach verschoben. Eine stabile Produktionsrate von 75 erwartet er erst nach 2027. Zudem passte der Manager seinen Zeitplan für das kleinere Modell A220 an.

Zudem erwartet die Airbus-Führung im laufenden Jahr vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) lediglich einen Gewinnanstieg auf rund 7,5 Milliarden Euro. Branchenexperten hatten im Schnitt mehr als 8 Milliarden Euro prognostiziert.

Finanzzahlen: Gewinn und Dividende legen zu

In den vergangenen Jahren hatte Airbus seine Auslieferungsziele wegen knapper Triebwerke und anderer Bauteile mehrfach verfehlt. 2025 holten die Triebwerkshersteller ihre Rückstände aus der ersten Jahreshälfte zwar auf, doch ein Zulieferer von Rumpfteilen durchkreuzte die Pläne des Managements: Wegen Qualitätsmängeln an bestimmten Rumpfverkleidungen musste Airbus ab November hunderte bereits fertige Jets überprüfen. Statt der ursprünglich geplanten 820 Maschinen übergab der Hersteller deshalb nur 793 an Kunden.

Trotz der Probleme übertraf Airbus im Gesamtjahr seine Finanzziele und schnitt zugleich besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet. So wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 73,4 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn sprang um ein Drittel auf etwas mehr als 7,1 Milliarden Euro, und unter dem Strich stand ein Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro, fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Dividende soll um 20 Cent auf 3,20 Euro je Aktie steigen.

Zuwächse verzeichnete Airbus nicht nur im Hauptgeschäft mit Passagierflugzeugen. Auch die Hubschraubersparte steigerte Umsatz und bereinigten operativen Gewinn. Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte kehrte in die Gewinnzone zurück, nachdem hohe Sonderkosten für Satellitenprogramme und den Militärtransporter A440M den Geschäftsbereich im Vorjahr tief in die roten Zahlen gedrückt hatten.

Wettbewerb: Boeing bleibt unter Druck

Unterdessen steckt Airbus' Hauptrivale Boeing weiter in einer tiefen Krise. Im vergangenen Jahr erzielte der US-Konzern seinen ersten Jahresgewinn seit 2018 – und verdankte ihn allein dem Verkauf einer Sparte.

Seit zwei tödlichen Abstürzen in den Jahren 2018 und 2019 sowie einem längeren Startverbot für sein wichtigstes Modell 737 Max kämpfte Boeing in vielen Bereichen mit Qualitätsmängeln und dem Vorwurf, bei der Sicherheit zu sparen. Nach einem Beinahe-Unglück Anfang 2024 griffen die Behörden durch.

Im vergangenen Jahr erholte sich der Hersteller zwar deutlich und lieferte mit 600 Passagier- und Frachtjets weitaus mehr Maschinen aus als im Vorjahr. Dennoch lag der einstige Weltmarktführer weiter klar hinter Airbus zurück und schrieb im Tagesgeschäft erneut tiefrote Zahlen.

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