Nord Stream: Lubminer Gaskraftwerk soll an Ukraine verschenkt werden
Das Gaskraftwerk am Einspeisepunkt der aktuell ungenutzten Erdgasleitung Nord Stream 1 ins deutsche Gasfernleitungsnetz soll an die Ukraine verschenkt werden. Der Betreiber des Kraftwerks im Lubminer Industriehafen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) will die stillgelegte Anlage an einen ukrainischen Kraftwerksbetreiber verschenken. Bis 2022 wurde mit ihr Strom produziert, um Gas zu erwärmen, das von Russland in Lubmin durch die Nord-Stream-Pipelines angelandet wurde. Alle Versuche, das Kraftwerk zu verkaufen, seien gescheitert, teilte ein Sprecher der zuständigen Sefe Energy GmbH mit.
Mit der Einstellung der russischen Gaslieferungen durch die Ostsee im September 2022 sei der Betrieb der Anlage unrentabel geworden, so die Auskunft der Sefe Securing Energy for Europe GmbH (Berlin). Sefe ist nach eigenen Angaben Mehrheitseigentümer des Betreibers Industriekraftwerk Greifswald GmbH (IKG). Zuvor hatte der NDR berichtet.
Sefe Energy: Bundesrepublik ist alleinige Eigentümerin
Die Anlage in Lubmin bei Greifswald habe ausschließlich der Bereitstellung der notwendigen Prozesswärme bei der Einspeisung des russischen Erdgases ins deutsche Gasfernleitungsnetz gedient. Andere Abnehmer für die Wärme gebe es nicht, sodass der Betrieb 2023 eingestellt worden sei. Ein Käufer für die Anlage fand sich dem Unternehmen zufolge ebenfalls nicht. Laut NDR hat das Kraftwerk eine Leistung von 84 Megawatt.
Energiekrise: Humanitäre Hilfe an die Ukraine
„Die Kraftwerksanlage wird daher im Rahmen der humanitären Hilfe einem ukrainischen Kraftwerksbetreiber als Selbstabholer zur Verfügung gestellt“, teilte Sefe weiter mit. Dies sei für das Unternehmen im Vergleich zu Rückbau und Verschrottung ohne wirtschaftlichen Nachteil. „Gleichzeitig trägt die Transaktion zur Aufrechterhaltung der ukrainischen Energieinfrastruktur bei.“
Der Abbau der Anlage ist bis zum Sommer geplant. Verantwortliche von Gemeinde und Industriehafen Lubmin wollen helfen, das demontiertes Kraftwerk so durch den Hafen zu transportieren, dass möglichst kein großer Rummel entsteht. Denn der Unmut der Bevölkerung ist groß, denn Kräfte aus der Ukraine stehen unter Verdacht, die Nord-Stream-Leitungen - dahinter: der russische Staatskonzern Gazprom - vorsetzlich schwer beschädigt zu haben. Ob und wann sie repariert werden, ist offen. Daraufhin musste Russland im Sommer 2022 die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 erst reduzieren und schließlich ganz stoppen.
AfD: Anlage sollte der Energiesicherheit hier dienen
„Absurd“ findet den Vorgang Nikolaus Kramer, für die AfD Mitglied im Landtag und im Kreistag Vorpommern-Greifswald. Während seine Fraktion im Kreistag den Landrat auffordern werde, die Landesregierung zum Bau eines neuen Gaskraftwerks am Standort Lubmin zu bewegen, „soll genau dort eine voll funktionsfähige KWK-Anlage abgebaut und an die Ukraine verschenkt werden“. Kramer: „Diese Anlage sollte der Energiesicherheit unseres Landes dienen. Ein Schlag ins Gesicht für unsere Bürger.“
Deutschland möchte nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine kein russisches Erdgas mehr beziehen.

