Politik

Ukraine-Krieg: Schäden höher als erwartet – Ukraine-Wiederaufbau kostet 500 Milliarden Euro

Der Ukraine-Krieg hat gewaltige Zerstörungen hinterlassen – mit Folgen für Wirtschaft, Infrastruktur und Millionen Menschen. Eine neue internationale Analyse beziffert nun das Ausmaß der Schäden und die Kosten für den Ukraine-Wiederaufbau. Doch wer soll das alles finanzieren?
24.02.2026 05:55
Lesezeit: 2 min
Ukraine-Krieg: Schäden höher als erwartet – Ukraine-Wiederaufbau kostet 500 Milliarden Euro
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine: Neue Zahlen zeigen das ganze Ausmaß der Zerstörung durch den Ukraine-Krieg und was der Ukraine-Wiederaufbau wirklich kosten wird (Foto: dpa). Foto: Kay Nietfeld

Knapp 500 Milliarden Euro für Ukraine-Wiederaufbau nötig

Der Ukraine-Krieg hat innerhalb von knapp vier Jahren laut einer neuen Schätzung direkte Schäden von fast 200 Milliarden US-Dollar verursacht. Zwischen dem Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar 2022 und Ende Dezember 2025 summiert sich der Gesamtschaden auf 195,1 Milliarden US-Dollar (gut 165 Milliarden Euro), wie aus einem gemeinsamen Bericht der Weltbank, der Europäischen Kommission, der ukrainischen Regierung und der Vereinten Nationen hervorgeht. Für den Ukraine-Wiederaufbau des Landes werden in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich 587,7 Milliarden Dollar (knapp 500 Milliarden Euro) benötigt.

Besonders stark getroffen wurden der Wohnungsbau, der Verkehrssektor und die Energieversorgung. Der Wohnungsbau steht mit mehr als 60 Milliarden Dollar für fast ein Drittel des direkten Schadens, der Verkehrssektor mit rund 40 Milliarden Dollar für gut ein Fünftel. "Stand 31. Dezember 2025 sind 14 Prozent des Wohnungsbestands beschädigt oder zerstört; dies betrifft mehr als drei Millionen Haushalte", hieß es. Im Vergleich zum Bericht des Vorjahres ist der Schaden im Energiesektor um gut ein Fünftel gestiegen.

Regional konzentrieren sich die Schäden aus dem Ukraine-Krieg vor allem auf die Ostukraine und das Gebiet rund um die Hauptstadt Kiew – 75 Prozent des Gesamtschadens wurden in den Frontregionen registriert.

EU-Kommission setzt auf private Investoren für den Ukraine-Wiederaufbau

In diesen Regionen sehen die Autoren auch den größten Finanzbedarf für den Ukraine-Wiederaufbau; allerdings verteilen sich die erwarteten Kosten anders: Während Wohnungsbau, Verkehr und Energie jeweils gut 15 Prozent ausmachen, werden bis 2035 zusätzlich Mittel für Handel und Industrie sowie Landwirtschaft, soziale Sicherung und Einkommensförderung und die Beseitigung von Kampfmitteln erforderlich sein. Der Ukraine-Wiederaufbau betrifft damit zahlreiche Wirtschaftsbereiche.

In ihrem Bericht bis Ende 2024 hatten die Fachleute noch einen Gesamtschaden von 176,1 Milliarden Dollar ermittelt und die Kosten für den Ukraine-Wiederaufbau auf 524 Milliarden Dollar geschätzt. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos zufolge will die Europäische Union weiterhin eine zentrale Rolle beim Ukraine-Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Erholung der Ukraine übernehmen. Auch private Investoren sollen gezielt für Engagements gewonnen werden.

Dem Bericht zufolge wurden seit Februar 2022 bereits besonders dringliche Reparaturen und weitere Projekte im Umfang von mindestens 20 Milliarden Dollar umgesetzt – vor allem in den Bereichen Wohnungsbau, Energie, Bildung, Verkehr und anderen "essenziellen Sektoren". Nach früheren Angaben der Weltbank wurden zwischen Beginn des Ukraine-Kriegs und Mitte Januar 2026 insgesamt 88,2 Milliarden Dollar an Finanzhilfen mobilisiert.

UN-Koordinator Matthias Schmale betonte zudem, dass beim Ukraine-Wiederaufbau des stark zerstörten Landes vor allem die Menschen im Mittelpunkt stehen müssten. "Das wichtigste Kapital der Ukraine sind ihre Menschen." Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Rückkehr von Flüchtlingen, die Reintegration von Veteranen sowie die Förderung der Beschäftigung von Frauen.

Der Ukraine-Wiederaufbau als Generationenprojekt

Der Ukraine-Wiederaufbau entwickelt sich zu einem der größten wirtschaftlichen und politischen Projekte Europas seit Jahrzehnten. Die Folgen des Ukraine-Kriegs reichen weit über zerstörte Gebäude hinaus und betreffen Infrastruktur, Industrie und Gesellschaft gleichermaßen. Mit einem geschätzten Finanzbedarf von nahezu 500 Milliarden Euro ist klar, dass öffentliche Mittel allein nicht ausreichen werden. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, internationale Investoren, Institutionen und private Unternehmen dauerhaft einzubinden. Gleichzeitig muss der Wiederaufbau soziale Stabilität sichern und Millionen Menschen Perspektiven bieten. Der Ukraine-Wiederaufbau ist damit nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine strategische und humanitäre Herausforderung.

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