Wirtschaft

Lichtblick am Ende des Tunnels: Autoindustrie nimmt 2026 wieder Fahrt auf

Die Schockwellen der ersten Gewinnwarnungen verrauchen langsam. Dank eines starken Schlussspurts der Audi-Gruppe zeigt das Barometer für die deutsche Schlüsselindustrie pünktlich zum Jahreswechsel wieder auf Wachstum. Trotz buchhalterischer Kniffe bei den Ingolstädtern macht die allgemeine Prognose für 2026 der Branche wieder Mut.
17.03.2026 15:00
Lesezeit: 3 min

Zölle, China-Konkurrenz und neue Rangfolgen

Audi kämpft mit den gleichen Herausforderungen wie die ganze Branche: US-Zölle, der scharfe Wettbewerb bei Elektroautos in China - Finanzchef Jürgen Rittersberger sprach von „Preiskrieg“ - und die Unsicherheiten des Wandels vom Verbrenner zum Elektroantrieb haben die deutsche Autoindustrie durchgeschüttelt. Doch 2026 könnte es langsam wieder besser werden - sagen die meisten Prognosen und Experten.

Schon BMW hatte vergangene Woche nur einen leichten Gewinnrückgang auf 7,5 Milliarden Euro gemeldet und sich damit an die Spitze der Herstellerkonzerne gesetzt. Der VW-Konzern kam - unter anderem gebremst von der Sportwagentochter Porsche - auf 6,9 Milliarden Euro, Mercedes auf 5,3 Milliarden Euro.

„Die schreiben alle noch satte Gewinne“

Von einer echten Krise will Frank Schwope angesichts dieser Zahlen nicht sprechen. „Die schreiben alle noch satte Gewinne, die werden alle ihre Dividenden ausschütten“, sagt der Branchenexperte und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln. „Das ist für mich keine Krise. Eine Krise ist, wenn die anfangen, keine Dividenden mehr auszuschütten und rote Zahlen zu schreiben. So weit ist es nicht.“

Dennoch ist unbestreitbar, dass die Lage nicht einfach ist. Die Branche sei derzeit in einer „permanenten Restrukturierung“, die wohl auch noch bis zum Ende des Jahrzehnts andauern werde, sagt auch Schwope. Vorübergehend seien die Gewinne auskömmlich, aber die Autobauer müssten wieder profitabler werden. Zwei bis drei Prozent Gewinnmarge wie bei VW seien auf Dauer schlicht zu wenig.

Die Margen sollen steigen

Die wollen die Wolfsburger auch möglichst schnell hinter sich lassen. Schon im laufenden Jahr wollen sie ihrer Prognose zufolge wieder mehr verdienen. Tochter Audi machte das 2025 mit 5,1 Prozent bereits vor und will 2026 auf 6 bis 8 Prozent kommen - langfristig sogar wieder in den zweistelligen Prozentbereich, wie Rittersberger sagt.

Die meisten Konzerne - darunter VW samt Töchtern - treiben daher Sparprogramme voran. Jüngst hatten Berichte über eine mögliche Verschärfung des Sparkurses im VW-Gesamtkonzern für Aufsehen gesorgt. Dazu befragt, sagte Audi-Chef Gernot Döllner: „Wir fühlen uns mit unserem Zukunftspakt gut aufgestellt“. Personalvorstand Xavier Ros war im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ noch deutlicher: „Es wird keinen weiteren Stellenabbau über die vereinbarten 7.500 Arbeitsplätze hinaus geben.“

Der vor einem Jahr verkündete „Zukunftspakt“ bei Audi sieht den Abbau von 7.500 Jobs bis 2029 vor. Rund 3.900 sind bereits erledigt oder zumindest vertraglich fixiert. Er enthält aber auch Jobgarantien und Investitionszusagen in die deutschen Werke.

Sehr viel härter als Audi hatte es VWs andere Tochter Porsche getroffen, die gerade eine teure Kehrtwende in der Produktstrategie hinlegt. BMW profitierte dagegen unter anderem davon, dass die Münchner ihre Strategie nicht ändern müssen.

Übergangsjahre mit Aufwärtstendenz

„2026 und 2027 werden weiterhin Übergangsjahre sein. Aber ich glaube, dass es 2026 eigentlich bei allen wieder etwas besser laufen wird“, sagt Schwope. Schließlich hätten vor allem die Restrukturierungskosten die Bilanzen 2025 verhagelt, vor allem bei Porsche und damit auch bei der Konzernmutter VW. Doch die Belastungen seien damit weitgehend verdaut und würden 2026 nicht erneut die Bilanzen verderben. Und auch im Tagesgeschäft könnte es in diesem Jahr wieder etwas besser werden: „Die Elektromobilität dürfte etwas runder laufen.“

Von der EU könnte es Zugeständnisse beim Verbrenner-Aus geben. Und auch in China könnte die Talsohle erreicht sein. Mit einem Comeback der deutschen Hersteller sei dort zwar nicht zu rechnen, sagt Schwope. Aber dank neuer Modelle könnte sich der Absatz zumindest stabilisieren. Es gebe Grund zur Hoffnung, „dass dort noch nicht alles verloren ist“. Erste Früchte tragen könnten auch die Restrukturierungsprogramme bei fast allen Herstellern.

Die besten Chancen sieht der Branchenexperte dabei für die Marke, die 2025 am schlimmsten gebeutelt wurde: Porsche. „Da bin ich sehr zuversichtlich“, sagt er. Es könnte dort schon in diesem Jahr wieder deutlich besser laufen. Eine Luxusmarke lasse sich schlicht schneller sanieren als ein Massenhersteller. Denn: „Ein Porsche-Kunde hält zu seinem Auto, ein Opel-Kunde kauft sich einen Chinesen“.

Unsicherheit durch Donald Trump

Eine große Unbekannte bleibt aber: die Zollpolitik von US-Präsident Trump. „Da weiß man ja nie, was morgen oder übermorgen kommt“, sagt Schwope. Und auch der Iran-Krieg könnte alle Hoffnungen zunichtemachen, wenn sich der Konflikt ausweiten sollte, warnt Schwope. „Die geopolitischen Risiken sind weiterhin sehr groß und sogar noch größer geworden.“

Die USA bleiben auch für Audi wichtig - und ein Problem. 2025 belasteten die neuen Zölle das Unternehmen mit 1,2 Milliarden Euro. 2026 dürfte es mehr werden. Unterdessen zieht sich die Entscheidung über ein Werk dort hin. Sie soll nun im Laufe des Jahres auf Ebene des VW-Konzerns fallen, sagte Döllner.

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