Politik

„Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die Ungarn-Wahl verbessert die Rahmenbedingungen. Eine Freigabe des 90-Milliarden-Kredit der EU wird erwartet.
15.04.2026 14:07
Lesezeit: 3 min
„Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
Boris Pistorius (lSPD), Bundesminister der Verteidigung, empfängt Mark Rutte, Generalsekretär der Nato, zu Beginn des Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe vor dem Bundesministerium der Verteidigung. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Mehr Hilfe für die Ukraine: London schickt 120.000 Drohnen

Vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe hat Großbritannien dem Land 120.000 Drohnen für den Abwehrkrieg gegen Russland zugesagt. Bei dem bislang größten britische Drohnenpaket handle es sich um weitreichende Angriffsdrohnen, Aufklärungsdrohnen, Logistikdrohnen und solche mit maritimen Fähigkeiten, meldete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungsangaben.

«Dieser große Schwung an kampferprobten Drohnen wird den ukrainischen Streitkräften die Fähigkeiten verleihen, die sie brauchen, um ihr Volk zu verteidigen und die russische Aggression abzuwehren», sagte der britische Verteidigungsminister John Healey laut PA. Drohnen spielen eine zunehmend bedeutende Rolle auf dem Schlachtfeld.

Erwartet werde auch, dass Finanzministerin Rachel Reeves 752 Millionen Britische Pfund (etwa 865 Millionen Euro) aus einem Milliarden-Hilfskredit für die Ukraine freigeben werde.

Beratungen in der deutschen Hauptstadt

Die militärischen Unterstützer der Ukraine trafen sich in Berlin auf Einladung von Verteidigungsminister Boris Pistorius zu einer neuen Beratungsrunde. An dem Treffen der sogenannten Ukraine Defence Contact Group (UDCG) nehmen neben Pistorius und Healey auch der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte persönlich teil, andere Teilnehmer werden dazugeschaltet.

Deutschland und Großbritannien hatten im April 2025 gemeinsam die Leitung der Ukraine-Kontaktgruppe übernommen. Sie sind in der Führungsposition, nachdem sich die USA unter Präsident Donald Trump Militärhilfe für die Ukraine aus Europa bezahlen lassen und diese auch wiederholt als Druckmittel eingesetzt haben.

«Strategische Partnerschaft» mit Deutschland

Die Bundesregierung hatte bereits am Vortag bei den Regierungskonsultationen mit der Ukraine weitere Militärhilfe zugesagt und außerdem eine «strategischen Partnerschaft» mit dem Land vereinbart. Die Zusammenarbeit soll künftig weit über die militärische und finanzielle Hilfe Deutschlands hinausreichen, sodass beide Seiten langfristig davon profitieren können.

Bekanntgegeben wurde, dass Deutschland einen Vertrag der Ukraine mit dem Rüstungsunternehmen Raytheon über die Lieferung von mehreren Hundert Patriot-Raketen finanzieren wird. Darüber hinaus sei mit dem deutschen Unternehmen Diehl Defence die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Kooperation soll beiden Seiten nutzen

Zusätzlich haben Deutschland und die Ukraine demnach die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite vereinbart. Das Projekt umfasst die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Ziel der Lieferung von Tausenden Drohnen.

Weiter wird Deutschland die Ukraine bei der Finanzierung sogenannter Deep Strike Fähigkeiten - dabei geht es um weitreichende Präzisionswaffen - unterstützen. Dazu gehört laut Verteidigungsministerium eine Investition in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro.

Es soll zudem einen Austausch digitaler Gefechtsdaten zur Entwicklung neuer Waffensysteme geben. «Was wir in dieser Kooperation tun, ist nicht nur von Nutzen für die Verteidigung der Ukraine. Es ist auch von besonderem Nutzen für uns, für unsere Sicherheit», betonte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach den Gesprächen.

Wann ist der 90-Milliarden-Kredit der EU frei?

Für die weitere militärische Durchhaltefähigkeit der Ukraine ist nun vor allem eine schnelle Freigabe des bislang von Ungarn blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU wichtig. Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar gibt es Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Die Ukraine werde ihre Verteidigung dann auch auf lange Sicht finanzieren können, sagte Merz. Und: «Russland sollte dies ernst nehmen.»

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte nach den Regierungskonsultationen, sein Land brauche die EU-Hilfe dringend. So könnte die Ukraine von ihren Kapazitäten her die doppelte Menge an Drohnen bauen, die sie selbst benötige.

Weitere Angriffe in der Ukraine und in Russland

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. In der zentralukrainischen Stadt Tscherkassy war dabei nach Behördenangaben am Vortag ein achtjähriger Junge durch einen russischen Drohnenangriff getötet worden. Weitere 14 Menschen seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur Ihor Taburez bei Telegram.

Über 1.300 Kilometer hinweg hat die ukrainische Armee eine Chemiefabrik in der russischen Stadt Sterlitamak mit Kampfdrohnen angegriffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete.

Bei der Abwehr des russischen Angriffskrieges setzt die Ukraine seit Monaten darauf, die Öl und Chemieindustrie tief im Rückraum des Gegners mit Langstreckendrohnen auszuschalten. Damit sollen der Treibstoffnachschub für die russische Armee und die Rüstungsproduktion gebremst werden.

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