US-Seeblockade bleibt Stolperstein für Gespräche mit Iran
Kurz vor dem Ende der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA ist eine Fortsetzung der Verhandlungen weiterhin unklar. Beide Seiten zeigten sich zuletzt kompromisslos. Berichten zufolge steht die US-Delegation um US-Vizepräsident JD Vance jedoch vor der Abreise in Richtung Pakistan. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, äußerte sich im Sender Fox News optimistisch, dass die USA ein "wirklich gutes Abkommen" erzielen würden. Man stehe kurz vor einer Einigung, erklärte Leavitt weiter.
Hauptstreitpunkt bleibt unterdessen die US-Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen. US-Präsident Donald Trump erklärte auf Truth Social, dass er an der Blockade festhalten werde, bis eine Vereinbarung erreicht sei. Teheran macht die Teilnahme an Gesprächen laut pakistanischen Sicherheitskreisen jedoch von einer Aufhebung der Seeblockade abhängig.
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf, der die iranische Delegation in der vorherigen Runde geleitet hatte, erklärte auf der Plattform X, er akzeptiere keine Verhandlungen unter Druck oder Drohungen. Der Iran verfüge nach der Feuerpause über neue militärische Optionen.
Abreise der US-Delegation erwartet
Sollten die USA und der Iran bis Mittwochabend Washingtoner Zeit keine neue Vereinbarung erzielen, könnte der Konflikt erneut eskalieren. Trump hatte in diesem Fall wieder mit massiven Angriffen gedroht. Aufgrund der angespannten Situation, insbesondere in der für den Welthandel zentralen Straße von Hormus, waren die Ölpreise zuletzt erneut deutlich gestiegen. Auch in den USA sind die Spritpreise so hoch wie seit Jahren nicht mehr - im Wahljahr ein sensibles Thema für Trump. Der US-Präsident zeigte sich dennoch entspannt: Er stehe unter keinem Druck, eine Einigung zu erreichen, schrieb er auf Truth Social.
Trump hatte die zweiwöchige Waffenruhe nach Mitternacht (MESZ) am 8. April, einem Mittwoch, angekündigt. Häufig war das Ende der Waffenruhe deshalb für diese Woche mit der Nacht zu Mittwoch angegeben worden. Nun bezeichnete Trump jedoch den Mittwochabend Washingtoner Zeit als Ende der Feuerpause. Da der Iran den USA zeitlich siebeneinhalb Stunden voraus ist, würde das Ende der Waffenruhe dort in die Morgenstunden am Donnerstag fallen.
Trotz der öffentlich bestehenden Unsicherheit über eine neue Gesprächsrunde soll die US-Delegation laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle "bald" in die pakistanische Hauptstadt Islamabad reisen. Nach Angaben der "New York Times" und des Senders CNN wird derzeit erwartet, dass sich das Team um US-Vizepräsident Vance am Dienstag auf den Weg macht. Der lange Flug würde den Iranern, die einer zweiten Verhandlungsrunde bislang offiziell nicht zugestimmt haben, ausreichend Zeit geben, von Teheran aus selbst eine Delegation zu entsenden.
US-Seeblockade bremst Verhandlungen
Am Wochenende hatte der Streit um die Straße von Hormus die Spannungen weiter verschärft. Der Iran kündigte am Freitag die Öffnung der Straße an, nahm diese Entscheidung jedoch am Samstag wieder zurück. Als Begründung wurde die bestehende US-Blockade iranischer Häfen und Schiffe genannt. Am Sonntag griff die US-Marine anschließend einen iranischen Frachter an und brachte ihn unter ihre Kontrolle.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete nun, eine Teilnahme an dem "von den USA inszenierten Schauspiel" sei an bestimmte Vorbedingungen geknüpft. Dazu zähle unter anderem die Aufhebung der Seeblockade in der Straße von Hormus.
Auch aus pakistanischen Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass die US-Seeblockade derzeit ein zentrales Hindernis darstellt. Der pakistanische Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, habe Trump zuletzt in Telefonaten mitgeteilt, der Iran fordere eine Aufhebung der US-Seeblockade als Voraussetzung für die Teilnahme an einer zweiten Verhandlungsrunde, hieß es. Munir habe innerhalb der vergangenen 36 Stunden dreimal mit Trump gesprochen.
Bereits vor der ersten Verhandlungsrunde hatte die iranische Seite offengelassen, ob sie tatsächlich Verhandlungsführer nach Islamabad entsenden würde, und ihre Teilnahme an Bedingungen geknüpft. Zwischen beiden Ländern herrscht tiefes Misstrauen.
Pakistan will Iran zu Gesprächen bewegen
Pakistan forderte den Iran auf, den Dialog fortzuführen - die Außenminister beider Länder telefonierten am Montag bereits den zweiten Tag in Folge. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erhob dabei neue Vorwürfe gegen die USA, schloss weitere Gespräche jedoch nicht ausdrücklich aus. "Die Provokationen, die Drohrhetorik und die anhaltenden Verstöße der USA gegen die Waffenruhe, insbesondere die Angriffe auf iranische Handelsschiffe, sind ein erhebliches Hindernis für eine Fortsetzung des diplomatischen Prozesses", erklärte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim.
Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums hatte zuvor auf einer Pressekonferenz in Teheran erklärt, der Iran habe noch keine Entscheidung über weitere Gespräche mit den USA getroffen. Ismail Baghai wies darauf hin, dass Pakistans Armeechef Munir vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Teheran einen neuen US-Vorschlag übermittelt habe. "Dieser wird derzeit geprüft", sagte der Sprecher. Eine weitere Verhandlungsrunde sei aktuell nicht vorgesehen.
EU-Außenminister beraten über Lage im Nahen Osten und Ukraine-Krieg
Die festgefahrene Situation im Nahen Osten steht am Dienstag auch im Fokus der Außenminister der EU-Staaten. Bei dem Treffen in Luxemburg soll vor allem darüber beraten werden, wie die Europäische Union zu einer Entspannung der Lage beitragen kann. Aus Deutschland wird Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) zu dem Treffen in Luxemburg erwartet. Geleitet werden die Gespräche von EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas.
Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt angespannt und von tiefem Misstrauen geprägt. Die US-Seeblockade erweist sich als zentrales Hindernis für Fortschritte in den Verhandlungen, während gleichzeitig die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation wächst. Auch wirtschaftliche Faktoren wie steigende Ölpreise erhöhen den Druck auf alle Beteiligten. Diplomatische Initiativen, etwa durch Pakistan oder die EU, könnten zwar neue Impulse liefern, doch bislang fehlen klare Signale für einen Durchbruch. Entscheidend wird sein, ob beide Seiten zu Kompromissen bereit sind. Andernfalls droht eine weitere Zuspitzung mit weitreichenden globalen Folgen.
