Politik

Sipri-Analyse: Globale Aufrüstung - warum die Militärausgaben explodieren

Die weltweiten Militärausgaben steigen weiter und erreichen neue Höchststände. Konflikte, Unsicherheit und geopolitische Rivalitäten treiben die Entwicklung an. Besonders Europa rüstet massiv auf. Doch wie lange kann dieser Trend anhalten, ohne wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen zu verschärfen?
27.04.2026 12:47
Lesezeit: 3 min

Sipri-Analyse: Globale Spannungen treiben Militärausgaben auf Rekordniveau

Noch nie zuvor hat die Welt derart hohe Militärausgaben verzeichnet wie 2025. Getrieben von zahlreichen Kriegen und geopolitischen Spannungen erreichten die weltweiten Militärausgaben laut einer aktuellen Sipri-Analyse im elften Jahr hintereinander einen neuen Höchststand. Inflationsbereinigt legten die Militärausgaben gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent zu. Innerhalb von zehn Jahren ergibt sich sogar ein Anstieg um 41 Prozent, was den Militärausgaben-Rekord weiter untermauert.

Insgesamt gaben alle Staaten 2025 zusammen rund 2,89 Billionen US-Dollar (knapp 2,47 Billionen Euro) für ihre Streitkräfte aus. Dennoch fiel der Zuwachs der Militärausgaben schwächer aus als 2024. Die Sipri-Analyse führt dies vor allem auf sinkende US-Militärausgaben zurück. Ein zentraler Faktor war das Ausbleiben weiterer Hilfen für die Ukraine. Gleichzeitig investierten die USA verstärkt in ihre eigenen nuklearen sowie konventionellen Fähigkeiten.

Trotz dieses Rückgangs bleiben die USA weiterhin das Land mit den höchsten Militärausgaben weltweit (umgerechnet knapp 814 Milliarden Euro). Perspektivisch könnten die Militärausgaben dort wieder steigen, erklärte Sipri-Experte Diego Lopes da Silva: "Die USA haben bereits Pläne zur Erhöhung ihrer Militärausgaben angekündigt."

Unsicherheit treibt Militärausgaben weltweit an

Der erneute Anstieg der globalen Militärausgaben im Jahr 2025 ist laut Sipri-Analyse insbesondere auf die Aufrüstung in Europa zurückzuführen. Die Militärausgaben europäischer Staaten erhöhten sich im vergangenen Jahr um 14 Prozent. Die Unsicherheit darüber, ob die USA künftig ein verlässlicher Nato-Partner bleiben, habe viele Länder beeinflusst, so da Silva. "Wenn man sieht, dass sich die internationale Sicherheit verschlechtert, schafft das eine Atmosphäre der Unsicherheit - und um sich sicherer zu fühlen, stecken die Staaten mehr Geld in ihr Militär."

Greenpeace übte deutliche Kritik an den steigenden Militärausgaben in Europa: "Dieser Kurs führt in die falsche Richtung", erklärte Abrüstungsexpertin Barbara Happe. "Echte Sicherheit wächst aus ziviler Krisenprävention, Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit, nicht durch immer neue Rüstungsspiralen." In Deutschland würden Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit vernachlässigt, während Milliardenbeträge in die Aufrüstung fließen.

Deutschland bei Militärausgaben führend in Europa

Deutschland belegte im Ranking der Länder mit den höchsten Militärausgaben den vierten Platz – hinter den USA, China und Russland, jedoch vor allen anderen europäischen Staaten. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Militärausgaben um 24 Prozent auf 114 Milliarden Dollar (rund 97 Milliarden Euro). Damit überschritten die deutschen Verteidigungsausgaben erstmals seit 1990 das Zwei-Prozent-Ziel der Nato. Laut Sipri-Analyse erreichten insgesamt 22 europäische Nato-Staaten diese Marke.

Russland und die Ukraine steigerten im vierten Kriegsjahr ihre Militärausgaben erneut. In der Ukraine machten die Militärausgaben 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus – ein noch höherer Anteil als 2024. Mehr als 60 Prozent der staatlichen Ausgaben flossen laut Sipri in das Militär. "Das ist ein enormer Anteil der öffentlichen Ausgaben, und es ist schwer vorstellbar, wie der noch weiter steigen könnte, ohne dass die Bereitstellung grundlegender öffentlicher Leistungen darunter leidet", sagte da Silva.

Auch in zahlreichen asiatischen Staaten wie China, Japan, Taiwan, Indien und Pakistan stiegen die Militärausgaben aufgrund anhaltender Konflikte deutlich an. Im Nahen Osten fiel der Anstieg 2025 hingegen moderat aus. In Israel gingen die Militärausgaben sogar zurück, was die Sipri-Analyse "auf eine Verringerung der Intensität des Krieges im Gazastreifen nach dem Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas im Januar 2025" zurückführt.

Iran und seine tatsächlichen Militärausgaben im Fokus

Im Iran sanken die Militärausgaben inflationsbereinigt aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation. Ohne Berücksichtigung der Inflation ergab sich laut Sipri-Analyse jedoch ein Anstieg. "Allerdings unterschätzen die offiziellen Zahlen mit ziemlicher Sicherheit die tatsächlichen Ausgaben", erklärte Sipri-Expertin Zubaida Karim. "Der Iran nutzt auch nicht im Haushalt ausgewiesene Öleinnahmen zur Finanzierung seines Militärs, einschließlich der Produktion von Raketen und Drohnen."

Auch für 2026 erwartet die Sipri-Analyse weiter steigende Militärausgaben. "Es gibt derzeit weltweit sehr, sehr viele Konflikte. Und es ist sehr schwer vorstellbar, dass sich die Lage innerhalb eines Jahres so weit verbessern wird, dass sich dieser Trend umkehrt", sagte da Silva. Neben dem Ukraine-Krieg steht aktuell insbesondere der Iran-Krieg im Fokus, nachdem die USA und Israel Ende Februar Angriffe gestartet hatten. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Verbündete in der Golfregion. Die Folgen sind weltweit spürbar, insbesondere für den Welthandel – auch die derzeitige Feuerpause ändert daran wenig.

Der jährlich veröffentlichte Sipri-Bericht gilt als umfassendste Datensammlung zu globalen Militärausgaben. In die Berechnungen fließen unter anderem Ausgaben für Personal, Militärhilfen sowie Forschung und Entwicklung im militärischen Bereich ein..

Anhaltender Trend mit Risiken

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass die globalen Militärausgaben weiter steigen und einen neuen Militärausgaben-Rekord markieren. Die Sipri-Analyse macht klar, dass Konflikte, Unsicherheit und geopolitische Spannungen zentrale Treiber sind. Besonders Europa und Asien investieren verstärkt in ihre Verteidigung. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung Fragen auf: Hohe Militärausgaben können langfristig wirtschaftliche Ressourcen binden und soziale Prioritäten verdrängen. Auch das Risiko einer weiteren Eskalation internationaler Spannungen wächst. Der anhaltende Trend deutet darauf hin, dass eine Entspannung kurzfristig nicht in Sicht ist. Damit bleibt die Herausforderung bestehen, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität in Einklang zu bringen.

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