Verbände fordern effizientere Überprüfung von Ladesäulen
Branchenverbände bemängeln kostspielige und häufige Inspektionen von E-Ladepunkten. Sie plädieren dafür, nationale Sonderregelungen zu streichen und Prüfprozesse effizienter zu organisieren.
Nach Ansicht mehrerer Fachverbände werden E-Ladesäulen in Deutschland zu oft und mit zu hohen Kosten kontrolliert. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern unter anderem der Elektroverband ZVEI und der ADAC, deutsche Sonderregelungen im Mess- und Eichrecht abzuschaffen. Unwirtschaftliche Abläufe verursachten direkt Kosten in Millionenhöhe, könnten jedoch ohne Einbußen beim Verbraucherschutz verbessert werden. Bei ihren bisherigen Kalkulationen seien die Behörden in Deutschland von deutlich zu niedrigen Werten bei den Prüfungen ausgegangen. Bei 200.000 öffentlichen Ladepunkten und knapp 50.000 Schnellladepunkten wollten sie mit jährlich 6.000 Eichungen auskommen, sofern alle acht Jahre eine Nacheichung erfolgt.
Nacheichungen nach Kabeldiebstahl
Das Bündnis der Verbände geht dagegen von mindestens 45.000 Prüfungen pro Jahr aus, da auch bei einem Austausch von Kabeln etwa nach Diebstählen oder im Zuge von Wartungen erneute Eichungen vorgeschrieben seien. Dadurch entstünden erhebliche Zusatzkosten, die sich letztlich im Strompreis an der Ladesäule widerspiegeln müssten. Außerdem seien die Ladepunkte für Nutzer längere Zeit nicht verfügbar.
Die Verbände verlangen deshalb, eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen und nationale Sonderwege zu streichen. Die regelmäßigen Nacheichungen sollten künftig – ähnlich wie bei privaten Stromzählern – stichprobenartig je nach Hersteller erfolgen, erklärte eine Sprecherin des ZVEI. Weitere Prüfungen seien nicht erforderlich, wenn beispielsweise lediglich Kabel durch qualifizierte Fachkräfte ausgetauscht würden. Hinter den Forderungen stehen die Verbände ZVEI, ADAC, BDEW, BVES, CharIN, e-Mobility Deutschland, INSPIRE und S.A.F.E.
Reformdruck bei Ladesäulen wächst
Die Kritik der Fachverbände zeigt deutlich, dass die aktuellen Regelungen für die Kontrolle von E-Ladesäulen zunehmend als Hemmnis wahrgenommen werden. Hohe Kosten, lange Ausfallzeiten und aufwendige Prozesse belasten sowohl Betreiber als auch Nutzer. Gleichzeitig steht der Verbraucherschutz weiterhin im Fokus, sodass eine ausgewogene Lösung erforderlich ist. Die geforderte Anpassung an europäische Vorgaben könnte ein wichtiger Schritt sein, um Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Ob und wann die Politik reagiert, bleibt jedoch offen – klar ist nur, dass der Reformdruck weiter zunimmt.
