Wirtschaft

E-Ladesäulen: Kritik an teuren Prüfregeln - Verbände fordern Ladesäulen-Reform

Deutschlands Weg zur Elektromobilität gilt als zentral für die Energiewende. Doch neue Vorwürfe aus der Branche stellen bestehende Regelungen infrage. Zu häufige Prüfungen von Ladesäulen könnten den Fortschritt bremsen – und den Strom für Autofahrer verteuern.
27.04.2026 12:53
Lesezeit: 1 min

Verbände fordern effizientere Überprüfung von Ladesäulen

Branchenverbände bemängeln kostspielige und häufige Inspektionen von E-Ladepunkten. Sie plädieren dafür, nationale Sonderregelungen zu streichen und Prüfprozesse effizienter zu organisieren.

Nach Ansicht mehrerer Fachverbände werden E-Ladesäulen in Deutschland zu oft und mit zu hohen Kosten kontrolliert. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern unter anderem der Elektroverband ZVEI und der ADAC, deutsche Sonderregelungen im Mess- und Eichrecht abzuschaffen. Unwirtschaftliche Abläufe verursachten direkt Kosten in Millionenhöhe, könnten jedoch ohne Einbußen beim Verbraucherschutz verbessert werden. Bei ihren bisherigen Kalkulationen seien die Behörden in Deutschland von deutlich zu niedrigen Werten bei den Prüfungen ausgegangen. Bei 200.000 öffentlichen Ladepunkten und knapp 50.000 Schnellladepunkten wollten sie mit jährlich 6.000 Eichungen auskommen, sofern alle acht Jahre eine Nacheichung erfolgt.

Nacheichungen nach Kabeldiebstahl

Das Bündnis der Verbände geht dagegen von mindestens 45.000 Prüfungen pro Jahr aus, da auch bei einem Austausch von Kabeln etwa nach Diebstählen oder im Zuge von Wartungen erneute Eichungen vorgeschrieben seien. Dadurch entstünden erhebliche Zusatzkosten, die sich letztlich im Strompreis an der Ladesäule widerspiegeln müssten. Außerdem seien die Ladepunkte für Nutzer längere Zeit nicht verfügbar.

Die Verbände verlangen deshalb, eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen und nationale Sonderwege zu streichen. Die regelmäßigen Nacheichungen sollten künftig – ähnlich wie bei privaten Stromzählern – stichprobenartig je nach Hersteller erfolgen, erklärte eine Sprecherin des ZVEI. Weitere Prüfungen seien nicht erforderlich, wenn beispielsweise lediglich Kabel durch qualifizierte Fachkräfte ausgetauscht würden. Hinter den Forderungen stehen die Verbände ZVEI, ADAC, BDEW, BVES, CharIN, e-Mobility Deutschland, INSPIRE und S.A.F.E.

Reformdruck bei Ladesäulen wächst

Die Kritik der Fachverbände zeigt deutlich, dass die aktuellen Regelungen für die Kontrolle von E-Ladesäulen zunehmend als Hemmnis wahrgenommen werden. Hohe Kosten, lange Ausfallzeiten und aufwendige Prozesse belasten sowohl Betreiber als auch Nutzer. Gleichzeitig steht der Verbraucherschutz weiterhin im Fokus, sodass eine ausgewogene Lösung erforderlich ist. Die geforderte Anpassung an europäische Vorgaben könnte ein wichtiger Schritt sein, um Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Ob und wann die Politik reagiert, bleibt jedoch offen – klar ist nur, dass der Reformdruck weiter zunimmt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
19.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...