Finanzen

BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken

Die BlackSky-Aktie ist in zwölf Monaten um 267 Prozent gestiegen. Doch hinter dem Hype um Satelliten, KI und Verteidigungsaufträge stehen hohe Verluste, Verwässerung und erhebliche Risiken.
04.05.2026 15:23
Lesezeit: 5 min
BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken
BlackSky selbst wird keine Raketen produzieren, aber seine raketenfliegende Aktienrallye wird die Anleger auf die Probe stellen. (Foto: dpa) Foto: Jennifer Briggs

BlackSky-Aktie im Raketenmodus

Der Aktienkurs war eine echte Achterbahnfahrt. Im April bewegte sich die Aktie zwischen 31 und 40 Dollar. Innerhalb eines Monats stieg der Kurs um fast 36 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 69 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten beträgt der Anstieg sogar 267 Prozent.

Eine solche Rally erinnert daran, weshalb Anleger früher etwa Wise jagten, in der Hoffnung auf schnelles Wachstum. Auch wenn die Risikoprofile beider Unternehmen völlig unterschiedlich sind, bleibt in Erinnerung, dass Wise über vier Jahre hinweg im Schnitt nur 1,7 Prozent Rendite pro Jahr brachte.

Das schwarze Szenario bei BlackSky lautet: Über fünf Jahre betrachtet liegt die Aktie trotz der aktuellen Rally noch immer rund 61 Prozent im Minus.

BlackSky Technology ist an der New Yorker Börse notiert und im Bereich Echtzeit-Geodatenaufklärung tätig. Einfacher gesagt: Das Unternehmen betreibt eigene Satelliten im Orbit, fotografiert die Erde und nutzt künstliche Intelligenz, um aus diesen Bildern wertvolle Informationen zu gewinnen. Kürzlich meldete BlackSky einen großen mehrjährigen Vertrag mit einem internationalen Kunden aus der Verteidigungsindustrie. Dieser bringt garantierte Erlöse und verbessert die Sichtbarkeit künftiger Einnahmen.

Harte Konkurrenz im Weltraum

Die Einschätzungen der Analysten gehen stark auseinander, was bei einem Technologieunternehmen in der Wachstumsphase üblich ist. Die Kursziele schwanken zwischen 21 und 42 Dollar. Das mittlere Kursziel der vom Finanzportal LSEG erfassten Analysten liegt derzeit bei 26,78 Dollar. Die Empfehlungen liegen dennoch klar auf der Kaufseite. Nur etwa zehn Prozent der Analysten empfehlen Halten, Verkaufsempfehlungen gibt es nicht.

Auch wenn der Weltraum riesig ist, ist der Wettbewerb dort intensiv. BlackSky Technology konkurriert mit mehreren börsennotierten Raumfahrt- und Satellitentechnologieunternehmen, darunter Planet Labs, Spire Global und Rocket Lab, die ähnliche Daten- und Infrastrukturlösungen anbieten.

Hinzu kommen Unternehmen aus dem breiteren Raumfahrtökosystem wie AST SpaceMobile, Iridium Communications, Redwire und Intuitive Machines. Sie erhöhen den Wettbewerb bei Daten, Satellitendiensten und weltraumbasierter Infrastruktur. Und das sind nur einige der vielen Firmen, die in den Raumfahrtmarkt drängen.

Kennzahlen wie EV/EBITDA, also das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn vor Abschreibungen, wirken bei BlackSky mit einem künftigen Wert von 50,68 hoch. Im Vergleich zu Wettbewerbern erscheint die Aktie dennoch fast „vernünftig“. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen bei aktuellem operativem Gewinn benötigen würde, um seinen gesamten Unternehmenswert zu erwirtschaften. Je niedriger der Wert, desto günstiger wirkt die Aktie.

Der Haken liegt darin, dass solche Kennzahlen bei Wachstumsunternehmen fast immer hoch sind. Der Konkurrent Intuitive Machines wird laut LSEG-Daten mit einem künftigen Multiplikator von 137,3 gehandelt, Planet Labs mit 626,35 und Rocket Lab sogar mit 1336,85. Diese Zahlen sind selbst schon ziemlich kosmisch.

Fast alle direkten Wettbewerber von BlackSky schreiben beim EBITDA Verluste. Planet Labs und Rocket Lab sind nach Marktkapitalisierung und Umsatz um ein Vielfaches größer als BlackSky, ihre EV/EBITDA-Multiplikatoren sind jedoch negativ und deutlich höher, was noch aggressivere Wachstumserwartungen signalisiert. Das negative EBITDA von BlackSky gehört im Wettbewerbsvergleich zu den kleineren Defiziten. Daraus lässt sich schließen, dass sich das Unternehmen möglicherweise etwas schneller in Richtung operativer Profitabilität bewegt.

Ergebnistrend und Realitätscheck

Trotz großer Verträge muss ein Anleger der Realität ins Auge sehen: BlackSky schreibt weiterhin Nettoverluste. Der Umsatz des vergangenen Jahres lag bei 106,6 Millionen Dollar und wuchs im Jahresvergleich nur um vier Prozent. Gleichzeitig stieg der Verlust um fast 23 Prozent auf 70,3 Millionen Dollar.

Das letzte Quartal zeigte mit 35,2 Millionen Dollar Umsatz eine starke Entwicklung. Zugleich war es das erste Quartal des vergangenen Jahres, in dem das EBITDA mit 4,59 Millionen Dollar positiv wurde.

Obwohl das erste Quartal des vergangenen Jahres beim Cashflow stark war, waren die folgenden drei Quartale negativ. Das erklärt, weshalb das Unternehmen neues Kapital am Markt aufnehmen musste und weshalb die Verschuldung auf 201,1 Millionen Dollar gestiegen ist.

Zur Jahresmitte sank der Verlust deutlich auf 41 Millionen Dollar, zum Jahresende konnte der Nettoverlust auf Quartalsbasis angesichts der zuvor hohen Zahlen fast auf null reduziert werden, nämlich auf minus 0,87 Millionen Dollar. Das nährt die Hoffnung, dass 2026 die ersten wirklich profitablen Quartale bringen könnte.

Auf Jahressicht verbesserte sich der Bruttogewinn auf 40,9 Millionen Dollar beziehungsweise 38 Prozent des Umsatzes. Das zeigt, dass das Geschäft effizienter wird. Der freie Cashflow liegt mit minus 44,5 Millionen Dollar jedoch weiterhin im negativen Bereich. Das zwingt das Unternehmen immer wieder dazu, neue Aktien auszugeben, um den Betrieb zu finanzieren.

Risiken, die Anleger nicht ignorieren dürfen

So faszinierend Wachstumsraketen sein können, bei BlackSky gibt es auch einiges an Weltraumschrott, also Risiken. Das Unternehmen schreibt weiterhin Nettoverluste, und die Finanzlage ist fragil, ähnlich wie beim Dampfkesselhersteller Babcock & Wilcox, über den zuletzt berichtet wurde. Das bedeutet, dass BlackSky für jeden verdienten Dollar weiterhin erhebliche Mittel für Betrieb und Entwicklung ausgibt. Damit stellt sich die Frage, wann überhaupt ein echter Nettogewinn erreicht wird.

BlackSky hat zudem die Beteiligung der Aktionäre durch neue Aktienemissionen verwässert. Allein im vergangenen Jahr gab es zwei große Kapitalerhöhungen im Gesamtvolumen von 260 Millionen Dollar. Sollte diese Form der Finanzierung weitergehen, was in der aktuellen Lage sehr wahrscheinlich ist, würde der Anteil bestehender Aktionäre am Unternehmen kleiner.

Hinzu kommt, dass der aktuelle Kurs von 31,66 Dollar etwa 14 Prozent über dem durchschnittlichen Analystenziel liegt. Einige Marktteilnehmer sehen hier das Risiko einer Korrektur und prognostizieren sogar einen Rückgang auf 20 Dollar. Anleger müssen berücksichtigen, dass auf einen so schnellen Anstieg auch eine ebenso steile Landung folgen kann, insbesondere wenn die nächsten Geschäftszahlen die Erwartungen enttäuschen.

Spannend, aber gefährlich

Diese Raketenempfehlung bietet technologisch ein spannendes Bild. Doch eine disziplinierte Anlagestrategie setzt klare Grenzen, die nicht leichtfertig überschritten werden sollten. Wer ein Portfolioziel von stabilen zwölf Prozent Jahresrendite verfolgt, konzentriert sich eher auf etwas reifere Wachstumsunternehmen mit besser planbaren Cashflows und einem bereits bewährten Geschäftsmodell.

BlackSky ist mit 201 Millionen Dollar Schulden und anhaltenden Nettoverlusten derzeit noch sehr spekulativ und mit einem hohen Risikoprofil verbunden. Noch lässt sich schwer beurteilen, ob der neue Verteidigungsvertrag genug Treibstoff liefert, um das Unternehmen dauerhaft in die Gewinnzone zu bringen.

Deshalb erscheint es sinnvoll, das Spiel weiter zu beobachten und auf einen Zeitpunkt zu warten, an dem die Finanzlage stark genug ist, um einen langfristigen Vermögensaufbau ohne zu viele schlaflose Nächte zu stützen.

Für deutsche Anleger ist der Fall BlackSky auch deshalb interessant, da Raumfahrt, Satellitendaten und Verteidigungstechnologie zunehmend in den Fokus europäischer Sicherheits- und Industriepolitik rücken. Gleichzeitig zeigt die Aktie, wie riskant es bleibt, Zukunftsthemen allein auf Basis von Kursfantasie zu kaufen. Wer in solche Werte investiert, braucht nicht nur Wachstumshoffnung, sondern auch einen klaren Blick auf Verschuldung, Cashflow und Verwässerungsrisiken.

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