Unternehmen

Schwarz-Gruppe macht Lidl zum Wachstumsriesen

Lidl wächst, Kaufland expandiert, und die Schwarz-Gruppe baut ihre Macht in Europa weiter aus. Doch hinter den Milliardenumsätzen steckt mehr als klassischer Einzelhandel. Produktion, Recycling und ein gewaltiges KI-Datenzentrum in Deutschland zeigen, wie der Konzern den Handel der Zukunft neu ordnet.
27.06.2026 05:48
Lesezeit: 2 min

Schwarz-Gruppe baut Europas Marktführerschaft aus

Die wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit hat der deutschen Schwarz-Gruppe, zu der die Handelsketten Lidl und Kaufland gehören, kaum geschadet. Der Umsatz des größten europäischen Einzelhandelskonzerns ist im vergangenen Geschäftsjahr erneut um fast sechs Prozent gestiegen. Das berichten die DWN-Kollegen von Verslo žinios.

Im Geschäftsjahr 2025/2026, das am 28. Februar 2026 endete, steigerte die Schwarz-Gruppe ihren Umsatz um 5,8 Prozent auf 185,8 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Mehr als drei Viertel des Konzernumsatzes erwirtschaftete die Handelskette Lidl. Ihr Umsatz erreichte 140,2 Milliarden Euro und lag damit 6,1 Prozent höher als im vorherigen Geschäftsjahr. Kaufland betreibt ein Netz größerer Filialformate und baut derzeit den Onlinehandel in den Niederlanden sowie in Spanien aus. Im Vergleichszeitraum erzielte die Kette 4,3 Prozent mehr Verkaufserlöse. Im Geschäftsjahr bis zum 28. Februar erreichte der Umsatz 36,7 Milliarden Euro. Die Onlineumsätze von Lidl und Kaufland blieben stabil und erreichten zusammen 1,7 Milliarden Euro.

Lidl-Expansion treibt das Filialnetz weiter nach oben

Ein Teil des Wachstums geht auf die Expansion zurück. Innerhalb eines Jahres eröffnete die Gruppe rund 300 neue Filialen. Die Gesamtzahl der Lidl- und Kaufland-Standorte erreichte 14.500. Davon betreibt Lidl rund 200 Filialen in den USA. Alle übrigen Standorte liegen in Europa. "Wir haben unsere Position als europäischer Marktführer entschlossen gestärkt und setzen unsere langfristige Strategie zum Aufbau eines Ökosystems weiter erfolgreich um", erklärte Gerd Chrzanowski, Chef der Schwarz-Gruppe. Nach seinen Angaben trugen alle 604.000 Beschäftigten der Gruppe maßgeblich zu den guten Ergebnissen bei. Die Zahl der Mitarbeiter stieg innerhalb eines Jahres um 1,5 Prozent beziehungsweise um 9.000 Personen.

Schwarz-Gruppe setzt stärker auf Produktion und Digitalisierung

Der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns war allerdings nicht der Einzelhandel, sondern die Lebensmittelsparte Schwarz Produktion. Deren Umsatz sprang im Vergleichszeitraum um 23,9 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der Geschäftsbereich für digitale Lösungen, Digits, steigerte seine Erlöse um 15,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das Entsorgungs- und Recyclinggeschäft PreZero wuchs um 5,1 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Eines der größten Investitionsprojekte der Gruppe ist derzeit der Bau eines KI-Datenzentrums in Lübbenau in Deutschland. Dafür sind Investitionen von bis zu elf Milliarden Euro geplant.

Für Deutschland hat die Entwicklung der Schwarz-Gruppe eine besondere Bedeutung. Der Konzern ist nicht nur einer der größten Einzelhändler Europas, sondern auch ein zentraler Arbeitgeber, Investor und Technologietreiber im deutschen Unternehmenssektor. Das geplante KI-Datenzentrum in Lübbenau zeigt, dass der Wettbewerb im Handel längst nicht mehr nur über Filialen, Preise und Logistik entschieden wird. Daten, eigene Produktion, Kreislaufwirtschaft und digitale Infrastruktur werden für große Handelsgruppen zunehmend strategisch wichtig.

Lidl als Umsatztreiber, KI als Zukunftsfeld: Schwarz-Gruppe setzt neue Maßstäbe in Europa

Im europäischen Vergleich bleibt die Schwarz-Gruppe deutlich vor anderen großen Handelsunternehmen. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen Aldi Nord und Aldi Süd aus Deutschland mit einem Jahresumsatz von 120 Milliarden Euro, Carrefour aus Frankreich mit 94 Milliarden Euro, Tesco aus Großbritannien mit 80 Milliarden Euro, Edeka aus Deutschland mit 75 Milliarden Euro sowie die Rewe Group. Rewe betreibt die gleichnamige Kette sowie Penny, Billa und Toom und erreicht zusammen 97 Milliarden Euro Umsatz.

Die Schwarz-Gruppe festigt ihre Führungsrolle im europäischen Handel und zeigt zugleich, wohin sich der Sektor bewegt. Lidl bleibt der wichtigste Umsatzmotor, doch Produktion, Digitalisierung, Recycling und KI-Infrastruktur gewinnen an Gewicht. Für Deutschland ist das relevant, da ein heimischer Handelskonzern seine Größe zunehmend nutzt, um industrielle und technologische Wertschöpfung aufzubauen.

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Rūta Vizbarienė

***

Mit Rūta Vizbarienė bringen die DWN eine erfahrene Stimme von Verslo žinios ein. Die Handelsredakteurin verbindet journalistische Marktanalyse mit einem akademischen Hintergrund in Journalistik und Semiotik sowie Erfahrung als Übersetzerin wirtschaftlicher Fachliteratur.

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