Smart City Index 2026 setzt Zürich, Oslo und Genf an die Spitze
Zürich, Oslo und Genf führen den Smart City Index 2026 an. Entscheidend für den Erfolg moderner Städte sind jedoch nicht allein digitale Technologien, sondern vor allem funktionierende Institutionen und das Vertrauen der Bevölkerung. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.
Bei Diskussionen über Smart Cities steht häufig die Technologie im Mittelpunkt. Wie viele Sensoren besitzt eine Stadt, wie weit sind ihre digitalen Dienstleistungen entwickelt und wie schnell führt sie neue Plattformen ein? Der Smart City Index 2026 des Schweizer International Institute for Management Development, kurz IMD, zeichnet jedoch ein anderes Bild. Nach den Ergebnissen der Untersuchung schneiden vor allem jene Städte besonders gut ab, in denen Verwaltung, öffentliche Erwartungen, Transparenz und Vertrauen der Einwohner möglichst gut miteinander verbunden sind. Insgesamt untersucht die diesjährige Ausgabe 148 Städte weltweit.
Das IMD stellt fest, dass Einwohner besonders erfolgreicher Städte ihre Verwaltung häufiger als transparent wahrnehmen und digitale Dienstleistungen als leistungsfähiger beurteilen. Diese Faktoren hängen wiederum mit einer höheren wahrgenommenen Lebensqualität zusammen. Der Smart City Index 2026 misst deshalb nicht nur die technische Ausstattung einer Stadt. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, wie die Menschen das Funktionieren ihrer Stadt im Alltag erleben.
Gute Infrastruktur entscheidet über den Erfolg von Smart Cities
Eine zentrale Erkenntnis der diesjährigen Untersuchung lautet, dass strukturelle Faktoren für den Gesamterfolg einer Stadt wichtiger sind als Technologie allein. Dazu zählen insbesondere leistungsfähige Institutionen, eine funktionierende Infrastruktur und die Qualität der Verwaltung. Die Bewertungen dieser strukturellen Voraussetzungen sagen laut IMD zuverlässiger voraus, wie gut eine Stadt insgesamt abschneidet, als ihre technologische Ausstattung.
Eine starke technologische Vernetzung führt damit nicht automatisch zu einem hohen Vertrauen der Bevölkerung. Das IMD verweist auf mehrere Städte auf den hinteren Plätzen der Rangliste. Rom, Athen, São Paulo, Amman und Nairobi erreichen im Durchschnitt sogar bessere Bewertungen bei der Technologie als bei Strukturen und Verwaltung. Athen liegt auf Rang 139, Rom auf Rang 143. Beide Städte erzielen besonders schwache Werte bei Korruptionsbekämpfung und Bürgerbeteiligung.
Die Autoren der Untersuchung betonen deshalb, dass der Erfolg einer Smart City nicht mehr in erster Linie davon abhängt, ob sie neue Technologien einführen kann. Entscheidend ist vielmehr, ob sie digitale Lösungen mit einer leistungsfähigen Verwaltung verbindet und damit Akzeptanz bei den Bürgern schafft.
Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center, weist darauf hin, dass die fortschrittlichsten Städte nicht zwangsläufig durch spektakuläre Stadtbilder, sichtbare Sensornetzwerke oder besondere technologische Raffinesse auffallen. Erfolgreicher seien Städte, die Verwaltungsstrukturen, Nachhaltigkeitsziele, öffentliche Investitionen und insbesondere das Vertrauen ihrer Einwohner wirksam miteinander verbinden.
Der Smart City Index 2026 unterscheidet dabei zwei zentrale Bereiche. Der Bereich "Structures" erfasst die vorhandene städtische Infrastruktur. Der Bereich "Technology" bewertet technologische Angebote und Dienstleistungen für die Einwohner. Beide Bereiche werden anhand der Themen Gesundheit und Sicherheit, Mobilität, Aktivitäten, Chancen und Verwaltung untersucht.
Methodisch unterscheidet sich der Index von zahlreichen anderen Städtevergleichen. Er stützt sich überwiegend auf die Wahrnehmung der Bevölkerung und nicht ausschließlich auf statistische Kennzahlen. In der Ausgabe 2026 werden die Einschätzungen von rund 120 Einwohnern pro Stadt erfasst. Für die endgültige Bewertung berücksichtigt das IMD die Befragungen der vergangenen drei Erhebungsjahre und gewichtet die Ergebnisse aus 2025, 2024 und 2023 im Verhältnis drei zu zwei zu eins.
Smart City Index 2026 liefert auch für Deutschland eine wichtige Erkenntnis
Damit formuliert der Smart City Index 2026 eine klare Botschaft für die Stadtentwicklung. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Kommune technisch in der Lage ist, digitale Anwendungen aufzubauen. Mindestens ebenso wichtig ist, ob die Bürger der Verwaltung und den eingesetzten Lösungen vertrauen.
Das IMD definiert eine Smart City entsprechend breiter. Eine intelligente Stadt soll wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, angewandte Technologie, Umweltbelange und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbinden und auf diese Weise die Lebensqualität ihrer Einwohner verbessern. Gute Verwaltung bedeutet nach Einschätzung der Autoren dabei weniger eine stärkere Zentralisierung von Entscheidungen als vielmehr die Fähigkeit, Kooperation zwischen unterschiedlichen Akteuren zu ermöglichen.
Für deutsche Städte lässt sich daraus eine grundsätzliche Schlussfolgerung ableiten. Die Ergebnisse zeigen, dass Investitionen in digitale Verwaltung, Mobilitätsplattformen oder intelligente Infrastruktur ihren Nutzen nur dann vollständig entfalten können, wenn zugleich Transparenz, verlässliche Institutionen und die Akzeptanz der Bevölkerung gestärkt werden. Die zentrale Frage der urbanen Entwicklung lautet 2026 deshalb nicht mehr ausschließlich, ob Städte technologisch intelligenter werden können. Entscheidend wird zunehmend, ob ihre Einwohner den Institutionen, Entscheidungen und digitalen Lösungen einer Smart City tatsächlich vertrauen.

