Wirtschaft

Agrarhandels-Experten entwarnen: Vorerst kein Preissprung im Supermarkt

Trotz der jüngsten Verteuerung von Getreide im Zuge des Russland-Ukraine-Konflikts müssen sich Verbraucher hierzulande vorerst nicht auf schlagartig höhere Lebensmittelpreise einstellen. Nach Einschätzung von Branchenkennern schlagen die gestiegenen Rohstoffkosten nicht direkt auf den Einzelhandel durch.
24.07.2026 13:15
Lesezeit: 1 min

Warum die Preise für den Einkauf zunächst stabil bleiben

Der Bundesverband Agrarhandel und der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse stellen klar, dass die aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten kurzfristig zu keinen drastischen Preisaufschlägen im Supermarkt führen. Sollte das gehobene Preisniveau allerdings länger andauern, sei damit zu rechnen, dass die Mehrkosten nach und nach an die Konsumenten weitergereicht werden. Die stärksten Auswirkungen wären in diesem Szenario bei Erzeugnissen zu erwarten, für die Getreide als Grundstoff oder Futtermitteleinsatz dient – etwa bei Backwaren, Fleisch, Molkereiprodukten sowie verarbeiteten Nahrungsmitteln.

Preise können Bauern helfen - aber nicht automatisch mehr Gewinn

"Die Märkte preisen derzeit vor allem Unsicherheit ein", sagte Agrarhandels-Expertin Kröger. "Die Schwarzmeerregion bleibt für die weltweite Getreideversorgung so wichtig, dass bereits die Sorge vor Störungen ausreicht, um die Preise deutlich nach oben zu bewegen." Höhere Getreidepreise könnten Landwirten helfen, führten aber nicht automatisch zu höheren Gewinnen, weil auch die Kostenbelastung vieler Betriebe hoch bleibe.

Für die Verarbeiter und den Handel in Deutschland steigen dem Verband zufolge mit höheren Rohstoffpreisen auch die Beschaffungskosten. Betroffen seien unter anderem Mühlen, Mischfutterhersteller, Lebensmittelproduzenten sowie Tierhalter. Das erhöhe den Kostendruck entlang der Wertschöpfungskette.

Für die weitere Entwicklung wird laut Kröger entscheidend sein, ob die Handelsströme aus der Schwarzmeerregion weitgehend aufrechterhalten werden können. Solange die geopolitische Unsicherheit anhalte, bleibe der Markt anfällig für deutliche Preisschwankungen. "Eine dauerhafte Versorgungskrise zeichnet sich derzeit zwar nicht ab, die Volatilität an den Märkten dürfte jedoch hoch bleiben", sagte die Expertin.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine treibt die Getreidepreise aktuell in die Höhe. Grund ist eine mögliche längere Unterbrechung der Handelsströme aus beiden Ländern. Neben den Weizenpreisen steigen auch die Maispreise.

Eine Blockade nicht nur des ukrainischen, sondern auch des russischen Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer könnte die Getreidepreise weiter antreiben. Über das Asowsche Meer gehen etwa 25 Prozent der russischen Getreideexporte. Bei Weizen haben Russland und die Ukraine einen Anteil an den weltweiten Exporten von 25 bis 30 Prozent, bei Mais etwa elf Prozent.

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