Unternehmensporträt

Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer ungewöhnlichen Kultur: Bio-Erdnüssen. Mithilfe künstlicher Intelligenz senken sie zugleich die Arbeitskosten um bis zu 90 Prozent. Ihre Produkte verkaufen sie inzwischen auch in Deutschland.
Autor
avtor
23.10.2026 16:45
Lesezeit: 9 min
Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
Die Brüder Romstorfer verbinden Bio-Erdnussanbau mit technischer Innovation und Verarbeitung direkt am Hof. (Bild: neuland.bio)

Bio-Erdnüsse als Antwort auf Trockenheit und Klimawandel

Mit einem KI-gestützten Anbaugerät bekämpfen zwei österreichische Landwirte Unkraut mechanisch. Damit haben sie die Pflege ihrer Bio-Erdnüsse deutlich vereinfacht und die Produktionskosten erheblich gesenkt. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

„Mit Blick auf den Klimawandel sind Bio-Erdnüsse eine gute Geschäftsmöglichkeit für österreichische Landwirte“, sagen die Brüder und Bio-Bauern Stefan und Roman Romstorfer aus Raggendorf in Niederösterreich. 2016 legten sie das erste Versuchs­feld für Bio-Erdnüsse in Österreich an. Heute bauen sie die Pflanzen auf 25 Hektar an und stellen unter der Marke Neuland die erste Bio-Erdnussbutter aus dem österreichischen Weinviertel her.

Auslöser für die Neuausrichtung ihres Familienbetriebs war das veränderte Klima. Wiederkehrende Trockenperioden brachten Stefan und Roman Romstorfer dazu, nach einer Kultur zu suchen, die mit trockeneren und heißeren Bedingungen besser zurechtkommt. 2016 pflanzten sie deshalb erstmals Bio-Erdnüsse an.

Der Weg verlief nicht ohne Rückschläge. Beim Anbau sammelten die Brüder über mehrere Jahre Erfahrungen, passten ihre Methoden an und eigneten sich neues Wissen an. Inzwischen sind sie überzeugt, dass sich aus dem damaligen Experiment ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäft mit Erdnüssen entwickeln lässt.

Die Bio-Erdnüsse bauen sie als alternative Kultur innerhalb ihrer Fruchtfolge an. Damit wollen sie ihren Betrieb widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen.

„Erdnüsse gedeihen gut unter trockenen Bedingungen und vertragen hohe Temperaturen. Außerdem binden sie Stickstoff im Boden und liefern gesundes pflanzliches Eiweiß, das auf dem Markt stark nachgefragt wird“, sagt Stefan Romstorfer.

Als Stefan und Roman 2016 den Bio-Bauernhof ihres Vaters in der Nähe von Wien übernahmen, wollten sie dem Betrieb eine eigene Richtung geben. Um dessen Zukunft zu sichern, suchten sie gezielt nach einer neuen Kultur, die mit zunehmend trockenen Wetterbedingungen zurechtkommt.

Nach mehreren Versuchsjahren bauen sie ihre Bio-Erdnüsse inzwischen auf 25 Hektar an. Die daraus hergestellten Produkte verkaufen sie über ihren eigenen Onlineshop sowie über den Einzelhandel in deutschsprachigen Märkten.

Mit dem Klimawandel und häufiger auftretenden Trockenperioden gewinnen Pflanzen an Bedeutung, die für ihr Wachstum vergleichsweise wenig Wasser benötigen. Nach Einschätzung der Brüder gehören Erdnüsse dazu.

„Sie sorgen für Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit in unserem Betrieb. Auch bei den Kunden kommen sie gut an, weil immer mehr Menschen ökologische, regionale und gesunde Lebensmittel suchen“, sagt Stefan.

Den Anbau brachten sich die Brüder weitgehend selbst bei. Eine spezielle Ausbildung dafür absolvierten sie nicht. Sie recherchierten im Internet, experimentierten auf ihren Feldern und korrigierten Fehler während des laufenden Anbaus.

Die Bio-Erdnüsse wachsen in einer Fruchtfolge mit Weizen, Mais und Kürbissen, die bereits ihr Vater angebaut hatte. „Erdnüsse gehören zu den Hülsenfrüchten. Sie binden Stickstoff im Boden, und davon profitieren auch andere Feldfrüchte“, erklärt Stefan Romstorfer.

Künstliche Intelligenz senkt die Kosten beim Anbau

Die Erdnusspflanzen wachsen rund 120 Tage im Jahr. Der eigentliche Anbau ist nach Angaben der Brüder nicht besonders anspruchsvoll. Aufwendig wird jedoch die Unkrautbekämpfung. Im ökologischen Landbau muss viel mechanisch gehackt werden. Bei einer Anbaufläche von 25 Hektar entsteht dadurch ein erheblicher Arbeitsaufwand.

Stefan und Roman Romstorfer haben deshalb eine eigene technische Lösung entwickelt. Ihr Hackgerät bekämpft Unkraut mechanisch und nutzt dabei künstliche Intelligenz. Der innovative Traktoraufsatz reduziert den Arbeitsaufwand auf dem Feld erheblich und kann nach Angaben der Brüder bis zu 90 Prozent der Arbeitskosten einsparen.

Damit könnte die Technik nicht nur für Bio-Erdnüsse interessant sein. Sie kann auch den Anbau anderer alternativer Kulturen wirtschaftlicher machen, bei denen bisher ein hoher manueller Arbeitsaufwand erforderlich war.

Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz lässt sich die mechanische Unkrautbekämpfung präziser, effizienter und kostengünstiger durchführen. Das ist insbesondere in einer Zeit von Vorteil, in der landwirtschaftliche Betriebe mit hohen Produktionskosten und einem Mangel an Arbeitskräften kämpfen.

Mit ihrem Gerät gewannen die Brüder Romstorfer im vergangenen Jahr den zweiten Innovationspreis bei einem Wettbewerb des österreichischen Jungbauernverbands.

Neben technischen Innovationen setzen die Brüder darauf, Verbraucher stärker über ihre Produkte zu informieren. Erdnüsse enthalten Antioxidantien, viel Eiweiß und Vitamin E. Damit sprechen sie insbesondere Verbraucher an, die Wert auf eine proteinreiche Ernährung legen.

Weil Erdnüsse in ihrer Region traditionell nicht zu den üblichen landwirtschaftlichen Kulturen gehören, mussten die Brüder zunächst erklären, wie sich die Produkte verwenden lassen.

„Erdnüsse gehören in unserer Region nicht zu den traditionellen Feldfrüchten. Deshalb erschien es uns wichtig, die Kunden über ihre ökologischen, gesundheitlichen und kulinarischen Vorteile zu informieren“, sagt Stefan.

Auf ihrer Internetseite veröffentlichen sie deshalb zahlreiche Rezepte, in denen ihre Erdnussprodukte verwendet werden.

Vom Feld bis zur Erdnussbutter bleibt die Wertschöpfung auf dem Hof

Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, übernehmen die Romstorfers nahezu sämtliche Arbeitsschritte selbst. Das reicht von der Aussaat bis zum fertigen Produkt. Auch die zertifizierte Bio-Verarbeitung findet direkt auf dem Hof statt. Zwischenhändler sind bei der Produktion nicht beteiligt.

Die Erdnüsse werden Anfang Mai ausgesät, sobald die Bodentemperatur zwölf Grad Celsius erreicht hat. Geerntet wird im Oktober.

Die Brüder versuchen auch bei der Weiterverarbeitung möglichst viele Arbeitsschritte auf dem eigenen Betrieb zu behalten. Dadurch sollen Kosten sinken und zugleich möglichst viel Wertschöpfung auf dem Hof verbleiben.

Auch bei der Verpackung achten sie nach eigenen Angaben auf Nachhaltigkeit. Einen großen Teil der Arbeit erledigen sie von Hand. Für ihre Etiketten verwenden sie Graspapier, das sich recyceln und kompostieren lässt. Bestellungen aus dem Onlineshop verschicken sie in plastikfreien Verpackungen.

Lediglich beim Vertrieb arbeiten die Brüder mit externen Partnern zusammen. Mittlerweile beliefern mehr als 80 Vertriebspartner ihre Produkte in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Damit erreicht das Geschäft mit den Bio-Erdnüssen längst auch den deutschen Markt. Für Deutschland ist das österreichische Beispiel vor allem deshalb interessant, weil auch hier viele landwirtschaftliche Betriebe nach Kulturen suchen, die mit trockeneren Sommern und steigenden Produktionskosten zurechtkommen. Ob sich Erdnüsse unter deutschen Standortbedingungen in größerem Umfang wirtschaftlich anbauen lassen, lässt sich aus dem österreichischen Betrieb allein jedoch nicht ableiten. Das Beispiel zeigt aber, wie sich neue Kulturen, automatisierte Landwirtschaft und eine Verarbeitung direkt auf dem Hof miteinander verbinden lassen.

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