Volvo FH 500 Aero: Weniger Luftwiderstand, geringerer Verbrauch
Der Volvo FH 500 Aero zeigt, wie sich ein schwerer Lastwagen durch bessere Aerodynamik sparsamer bewegen lässt. Eine verlängerte Frontpartie, Kameras statt klassischer Außenspiegel, der leistungsstarke D13-Motor und der intelligente Tempomat I-See verfolgen ein gemeinsames Ziel: möglichst wenig Diesel auf langen Transportstrecken zu verbrauchen. Der Praxistest zeigt, dass hinter diesem Konzept mehr steckt als ein bloßes Versprechen. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.
Wenn jeder Liter Diesel zählt
Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört der Volvo FH zu den bekanntesten schweren Lastwagen Europas. Mit dem FH 500 Aero entwickelt der schwedische Hersteller das Modell konsequent in Richtung höherer Effizienz weiter. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Aero-Version vom herkömmlichen FH vor allem durch ihre verlängerte, aerodynamisch optimierte Frontpartie. Doch die Veränderungen dienen keineswegs nur der Optik. Jedes Detail soll den Luftwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch reduzieren.
Bei einem Lastwagen, der den größten Teil seiner Einsatzzeit auf Autobahnen verbringt, gehört der Luftwiderstand zu den entscheidenden Faktoren für den Dieselverbrauch. Deshalb hat Volvo beim FH Aero nicht nur die Front neu gestaltet, sondern die Luftströmung rund um die gesamte Fahrerkabine optimiert. Besonders auffällig ist die um 24 Zentimeter verlängerte Fahrzeugfront, deren elegante Form nicht nur gut aussieht, sondern vor allem der Aerodynamik zugutekommt.
In einer Zeit, in der viele Nutzfahrzeuge durch große, gerade Kühlerflächen und wuchtige Stoßfänger auffallen, ist den skandinavischen Ingenieuren eine bemerkenswert harmonische Gestaltung gelungen. Unterhalb der Windschutzscheibe verlaufen sanfte, aerodynamisch optimierte Rundungen. Die neue Front leitet den Fahrtwind elegant, effizient und vor allem leise um die geräumige Fahrerkabine. Zusammen mit dem neuen Kamerasystem bleiben kaum noch Bauteile übrig, an denen sich Luftverwirbelungen bilden und zusätzlichen Widerstand erzeugen könnten.
Dank der besonders leichtgängigen Volvo Dynamic Steering-Lenkung (VDS) lässt sich der Volvo FH Aero selbst auf engem Raum mühelos manövrieren. Auch während der Fahrt vermittelt die Lenkung ein besonderes Fahrgefühl, obwohl Vibrationen weitgehend gedämpft werden.
Unter der aerodynamischen Karosserie steckt bewährte Volvo-Technik. Der D13 I-Save ist ein 12,8 Liter großer Sechszylinder-Dieselmotor, der in der getesteten Ausführung 368 Kilowatt beziehungsweise 500 PS leistet. Das maximale Drehmoment beträgt beeindruckende 2.800 Newtonmeter.
Noch wichtiger ist, dass dieses Drehmoment bereits bei etwa 900 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. In der Praxis bedeutet das weniger Gangwechsel. Selbst bei Steigungen kann das Getriebe länger einen höheren Gang halten. Für einen niedrigen Kraftstoffverbrauch ist das besonders wichtig, denn eine möglichst gleichmäßige Fahrt bei niedrigen Drehzahlen spart Diesel.
Volvo FH 500 Aero: Intelligente Technik senkt den Dieselverbrauch
I-Shift: Das Getriebe denkt mit
Die Kraftübertragung übernimmt das automatisierte Zwölfganggetriebe I-Shift von Volvo. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, den passenden Gang auszuwählen. Es soll vielmehr das gesamte Antriebssystem so effizient wie möglich steuern.
Eine noch wichtigere Rolle spielt das System I-See. Es erkennt anhand gespeicherter Streckendaten, wie sich die Straße im weiteren Verlauf entwickelt, und passt Geschwindigkeit, Gangwahl sowie die Nutzung der Bewegungsenergie entsprechend an. Dabei berücksichtigt die Technik Steigungen, Gefälle, Kurven und weitere Informationen über die Strecke.
Für den Fahrer ergibt sich daraus eine zunächst ungewöhnliche Strategie: Möglichst wenig in die Arbeit der Technik eingreifen. Der FH Aero arbeitet besonders effizient, wenn die Elektronik frühzeitig erkennen kann, welche Straßenverhältnisse einige Hundert Meter oder sogar mehrere Kilometer voraus liegen.
Sparsam fahren mit dem richtigen Fahrmodus
Volvo bietet drei voreingestellte Fahrprogramme an: Standard, Power und Economy. Für eine möglichst sparsame Fahrt fiel die Wahl im Test zunächst auf den Economy-Modus. Dabei wurde die zulässige Geschwindigkeitsabweichung auf minus fünf Kilometer pro Stunde eingestellt.
Das bedeutet: Bei einer eingestellten Reisegeschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde darf der Bordcomputer das Tempo um bis zu fünf Kilometer pro Stunde reduzieren, wenn sich dadurch Kraftstoff sparen lässt.
In der Praxis kann diese Funktion allerdings auch störend sein. Sinkt die Geschwindigkeit unter 80 Kilometer pro Stunde, reagieren nachfolgende Verkehrsteilnehmer mitunter ungeduldig. Deshalb wurde die Funktion im weiteren Testverlauf deaktiviert und die Fahrt im Standardmodus fortgesetzt.
Assistenzsysteme für mehr Sicherheit
Moderne Lastwagen müssen heute zahlreiche vorgeschriebene Fahrerassistenzsysteme besitzen. Dazu gehören auch die sogenannten Advanced Driver Assistance Systems (ADAS). Teil dieses Pakets ist die Verkehrszeichenerkennung.
Überschreitet der Lastwagen die von seiner Kamera erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung, ertönt jedes Mal ein ziemlich aufdringlicher Warnton. Das kann lästig sein. Gerade innerhalb geschlossener Ortschaften erinnert das Signal jedoch daran, aufmerksam zu bleiben. Besonders nach langen Fahrten lässt die Konzentration schließlich manchmal nach.
Zu den Neuerungen zählt außerdem eine Kamera am Heck der Zugmaschine. Sie ist besonders dann nützlich, wenn kein Auflieger angekoppelt ist. Mit angehängtem Auflieger zeigt das Kamerabild dagegen lediglich dessen Stützbeine.
Eine weitere Kamera überwacht den toten Winkel. Zusätzlich erfassen Radarsensoren an den Fahrzeugseiten die Umgebung. Sie warnen den Fahrer sowohl optisch als auch akustisch, wenn sich andere Verkehrsteilnehmer im seitlichen toten Winkel befinden.
Ähnliche Überwachungssysteme kontrollieren den Bereich vor dem Fahrzeug. Denn trotz der verlängerten Frontpartie und der niedriger angeordneten Windschutzscheibe bleibt auch unmittelbar vor dem Lastwagen ein Bereich, den der Fahrer nicht direkt einsehen kann.
Erkennt das Fahrzeug dort ein Hindernis, kann es automatisch bremsen und versuchen, einen schweren Unfall zu verhindern. Trotz der umfangreichen Kamera- und Radartechnik besitzt der Volvo weiterhin zwei zusätzliche Spiegel. Einer ermöglicht den Blick auf den Bereich unmittelbar vor der Fahrzeugfront, der andere auf die Umgebung des rechten Vorderrads.
Ebenfalls an Bord ist der Spurhalteassistent Pilot Assist. In Kombination mit dem adaptiven Tempomaten ermöglicht er teilautomatisiertes Fahren auf Level zwei.
An diese Unterstützung muss sich der Fahrer zunächst gewöhnen. Danach kann sie ihn jedoch erheblich entlasten. Es genügt, das Lenkrad weiterhin leicht festzuhalten und die Fahrt zu überwachen. Die Technik übernimmt währenddessen einen großen Teil der Lenk- und Geschwindigkeitsregelung.
Kameras statt Außenspiegel: So überzeugt der Volvo FH Aero im Fernverkehr
Ein Kamerasystem ersetzt die klassischen Außenspiegel
Das Camera Monitor System (CMS) ersetzt beim Volvo FH Aero die herkömmlichen Außenspiegel. Die Kameras liefern ein präzises Bild der Fahrzeugumgebung, allerdings nur in zwei Dimensionen. Klassische Spiegel ermöglichen dagegen durch den direkten Blick und die Bewegung des Fahrers eine andere räumliche Wahrnehmung.
Diese Umstellung erfordert zunächst Gewöhnung, bietet im Alltag jedoch zahlreiche Vorteile.
Einer davon betrifft die Sicht aus der Fahrerkabine. Da keine großen Spiegelgehäuse mehr im Weg sind, bleibt das direkte Sichtfeld deutlich freier. Das hilft insbesondere an Kreuzungen und in Kreisverkehren, wo sich mehrere besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer gleichzeitig in unmittelbarer Nähe des Lastwagens aufhalten können.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, den Bildausschnitt der Kameras gezielt anzupassen. Das System verfügt über eine Funktion, mit der die Kameras den Bewegungen des Sattelaufliegers folgen können.
Anders als bei gewölbten Außenspiegeln treten zudem keine vergleichbaren optischen Verzerrungen auf. Eingeblendete Orientierungslinien unterstützen den Fahrer beim Spurwechsel und beim Rückwärtsfahren.
Auch bei Dunkelheit liefern die Kameras ein deutliches und scharfes Bild. Zudem können sie aktiviert werden, wenn das Fahrzeug steht und die Vorhänge der Schlafkabine geschlossen sind. Bemerkt der Fahrer beispielsweise Bewegungen rund um den Lastwagen, kann er die Umgebung kontrollieren, ohne die Kabine verlassen zu müssen.
Gesamtpaket überzeugt auf langen Strecken
Der Volvo FH 500 Aero I-Save gehört zu den Lastwagen, deren Qualitäten sich erst im Zusammenspiel aller Komponenten vollständig erschließen. Seine 500 PS reichen für praktisch alle üblichen Aufgaben im Fernverkehr aus. Das maximale Drehmoment von 2.800 Newtonmetern sorgt dafür, dass der Motor bereits bei niedrigen Drehzahlen kraftvoll und flexibel arbeitet.
Seine größte Stärke bleibt jedoch die Kombination aus verbesserter Aerodynamik und intelligenter Steuerung des Antriebsstrangs. Gerade wenn ein Lastwagen den überwiegenden Teil seiner Fahrleistung auf Autobahnen zurücklegt, erweist sich das Aero-Konzept als besonders sinnvoll.
Auch für deutsche Speditionen ist dieser Ansatz relevant. Auf langen Transportstrecken beeinflusst der Dieselverbrauch unmittelbar die Betriebskosten. Aerodynamische Verbesserungen und eine vorausschauende Getriebesteuerung können deshalb helfen, den Kraftstoffbedarf im Fernverkehr zu senken. Ob sich die Anschaffung wirtschaftlich lohnt, hängt allerdings von der jährlichen Fahrleistung, dem Einsatzprofil und den tatsächlichen Verbrauchseinsparungen ab.


