Lebensmittelhersteller Völpel insolvent: Hohe Energiekosten belasten Familienunternehmen
Die Völpel GmbH, ein auf die Trocknung und Verarbeitung von Gemüse, Obst und Kräutern spezialisierter Lebensmittelhersteller, hat Insolvenz angemeldet. Das geht aus einer Mitteilung des zuständigen Insolvenzgerichts am Amtsgericht Ingolstadt vom 30. September hervor. Nur einen Tag später folgte auch die Tochtergesellschaft ZiFood Trockenprodukte aus dem sächsischen Zittau mit einem eigenen Insolvenzantrag.
Das Familienunternehmen verarbeitet Kräuter, Gewürze, Obst, Gemüse und Tee für die Lebensmittelindustrie. Nach eigenen Angaben stammen rund 90 Prozent der Produktion aus ökologischer Erzeugung. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe etwa 60 Mitarbeiter. Für sie ist die Zukunft derzeit ebenso ungewiss wie für das Unternehmen selbst, das bereits in dritter Generation geführt wird.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Alexander Zarzitzky von der Münchner Kanzlei Anchor hat nach eigenen Angaben inzwischen den Geschäftsbetrieb an beiden Standorten stabilisiert. Die Produktion läuft weiter, die Lieferfähigkeit sei gewährleistet.
Insolvenzverwalter sucht nach Investoren
Unterstützung erhält das Unternehmen nach Angaben des Insolvenzverwalters von Kunden und Lieferanten. Diese hätten sich solidarisch gezeigt und dazu beigetragen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Die Basis des Unternehmens ist gesund“, zitiert die Lebensmittel Zeitung Zarzitzky.
Parallel läuft die Suche nach einem Investor. Dabei wird der Insolvenzverwalter vom Beratungsunternehmen HCM unterstützt. Ziel ist es, eine langfristige Perspektive für den Lebensmittelhersteller zu finden und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Eine mögliche Schließung hätte auch für die Region erhebliche Folgen: Die Völpel GmbH ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde. Darüber hinaus gehören zahlreiche Landwirte aus der Umgebung zu den Vertragspartnern des Unternehmens.
Hohe Energiekosten bringen Unternehmen in Schieflage
Geschäftsführer German Völpel führt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf mehrere Faktoren zurück. Besonders schwer wiegen demnach die seit dem Ukraine-Krieg gestiegenen und weiterhin hohen Energiekosten. Da die Trocknung von Lebensmitteln sehr energieintensiv ist, schlagen die Preissteigerungen unmittelbar auf die Produktionskosten durch.
Auch der geplante Ausbau der eigenen Energieversorgung kommt offenbar nur schleppend voran. Nach Angaben Völpels verzögern sich die Genehmigungsverfahren für bereits geplante Photovoltaikanlagen erheblich. Gegenüber der Neuburger Rundschau erklärte er: „Leider laufen etwa Genehmigungsverfahren mit den Netzbetreibern für schon geplante PV-Anlagen teils 30 Monate, ohne einen Abschluss gefunden zu haben.“
Zusätzlich verschärft der internationale Wettbewerbsdruck die Situation. Seit 2022 beobachtet das Unternehmen außerdem eine zunehmende Kaufzurückhaltung bei hochpreisigen Bio-Produkten. Zuletzt kamen witterungsbedingte Ernteausfälle hinzu, die das Geschäft zusätzlich belasteten.
„Vor den besonders teuren Wintermonaten konnten wir als Familienunternehmen die Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleisten“, erklärte German Völpel. Nun soll möglichst noch im laufenden Jahr Klarheit über die weitere Entwicklung und die Zukunft der Beschäftigten geschaffen werden.
Verhandlungen mit mehreren Interessenten laufen
Nach Angaben des Geschäftsführers gibt es bereits intensive Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren. Eine Übernahme und damit der Fortbestand des Unternehmens sind allerdings noch nicht gesichert. „Zu 100 Prozent zusichern kann man es nicht“, räumte Völpel ein.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1948 zurück. Damals erhielt Firmengründer Anton Völpel von der amerikanischen Besatzungsmacht den Auftrag, Heilkräuter zu sammeln und zu trocknen. Die daraus gewonnenen Rohstoffe sollten als Grundlage für pflanzliche Arzneimittel dienen. Aus diesem Auftrag entwickelte sich über die Jahrzehnte ein spezialisierter Lebensmittelverarbeiter.
Auch bei der Energieversorgung setzte das Unternehmen früh auf eigene Lösungen. 1998 und 1999 wurden nach Unternehmensangaben eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert und das erste Blockheizkraftwerk im Donaumoos errichtet. Seitdem versorgen die Anlagen sowohl die Trocknungsproduktion als auch die Verwaltung mit Strom und Wärme.
Ob die mehr als 75-jährige Unternehmensgeschichte fortgeschrieben werden kann, hängt nun maßgeblich vom Ausgang der Investorengespräche ab.
Mit Material von agraheute, augsburger-allgemeine.de, Neuburger Rundschau

