Preisverfall bei Öl: Saudis fürchten Verlust von Europa-Geschäft

 

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13.10.2014 14:36
Der Ölpreis ist um weitere 2,7 Prozent gefallen. Saudi Arabien tritt aggressiv in Geschäfts-Verhandlungen mit europäischen Kunden. Mit Rabatten bis zu zehn Prozent sollen die Empfänger ihre Lieferverträge verlängern. Einige Anbieter sollen ihre Kunden bei Vertragsverlängerungen massiv unter Druck gesetzt haben.
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Spekulationen über den Verzicht der Opec und Saudi-Arabiens auf Förderkürzungen haben am Montag die Preise am Ölterminmarkt weiter abstürzen lassen. Nordseeöl der Sorte Brent kostete zeitweise mit 87,74 Dollar je Barrel (159 Liter) 2,7 Prozent weniger und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Dezember 2010. US-Leichtöl der Sorte WTI verlor bis zu zwei Prozent auf 84,09 Dollar. Analysten rechnen mit noch stärkeren Preisabschlägen. Seit Juni sind die Ölpreise um 20 Prozent gefallen, was vor allem auf die Ölschwemme durch den Öl- und Gasboom in Nordamerika und die schleppende Konjunkturentwicklung weltweit zurückgeführt wird.

Saudi Arabien senkt auch in Europa die Preise ihrer Rohöl-Lieferungen. Wie in Asien, erhalten nun auch Kunden in Europa Rabatte, wenn sie ihre bestehenden Lieferverträge verlängern. Experten sprechen von einem „globalen Phänomen“ und einer „aggressiven Taktik“ beim Vertrieb von Rohöl. Der Preis für Rohöl sinkt seit Mitte Juni.

Dabei erhalten Kunden bis zu zehn Prozent Rabatt auf das Volumen der Öllieferung. Das Angebot übertrifft derzeit die Nachfrage nach Rohöl, weswegen Konzerne ihren Absatz sicherstellen müssen. Konzerne würden sogar „ihren Kunden drohen“, den Verkauf ganz einzustellen, wenn die Abnehmer den fest vereinbarten Lieferungen nicht zustimmen“, zitiert das WSJ einen Händler.

Anfang Oktober schockte das staatliche Unternehmen Saudi Aramco die Konkurrenz bereits mit Preisnachlässen in Asien. Der Konzern will seine Marktanteile vor Ort verteidigen. Der Schachzug löste einen Preiskampf am Ölmarkt aus.

Die Opec wird am 27. November über die Lage beraten. Am Wochenende hatte Kuwaits Ölminister Ali al-Omair der Nachrichtenagentur KUNA zufolge erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass das Kartell die Ölproduktion im November kürzen werde. Denn es sei zu bezweifeln, dass eine solche Entscheidung die Preise tatsächlich stützen würde. Der Preisverfall könnte aber bei 76 oder 77 Dollar seinen Boden finden, da dies die Kosten für die Ölförderung in den USA und Russland seien, zitierte KUNA den Minister weiter.

Zudem trugen Berichte über die saudiarabische Haltung zu dem Preisrückgang bei. Nach Aussagen von Marktteilnehmern hat der größte Opec-Ölproduzent wissen lassen, dass er für ein oder zwei Jahre mit einem Ölpreis unter 90 Dollar oder auch einem Preis von 80 Dollar leben könnte. Saudi-Arabien fördert täglich rund 9,7 Millionen Barrel – etwa ein Drittel der Opec-Produktion von rund 30,47 Millionen Barrel. Bislang waren Börsenteilnehmer davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien – wie viele andere Ölförderländer auch – einen Preis von über 100 Dollar je Fass zur Finanzierung seines Haushaltes benötigt und diese Marke daher verteidigen würde. Nun hoffe man in Riad, mit unverändert hohem Produktionsniveau seine Marktanteile halten zu können. Zudem könnte ein niedriger Preis die Investitionen in die Ölförderung unattraktiver machen und damit der Konkurrenz von US-Schieferöl schaden.

Saudi-Arabien sei nicht mehr so sehr am Ölpreis interessiert, schrieb vor kurzem Robert McNally, ein ehemaliger Berater von US-Präsident George W. Bush und derzeit Chef der Energieberatungsfirma Rapidan Group, nach einem Besuch in Riad seinen Kunden. Bis vergangene Woche seien sich alle absolut einig gewesen, dass Saudi-Arabien seine Fördermenge kürzen würde, sagte McNally der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei nun aber nicht mehr sicher. „Der Markt erkennt plötzlich, dass er ohne Netz operiert."

Durchschnittlich hat Brent seit 2010 rund 103 Dollar gekostet. Dabei pendelte der Future meist zwischen 100 und 120 Dollar. Charttechnisch orientierte Analysten halten Preisverluste von weiteren zehn Dollar für beide Sorten für möglich. Schließlich habe der Preisverfall seit dem Sommer alle technischen Unterstützungs-Marken gerissen.

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