Immer mehr Risiko: Schweizer Nationalbank kauft Euro als gäbe es kein Morgen

Die Schweizer Nationalbank hält ihren Kurs bei und kauft gnadenlos weiter Euros. Devisen machen mittlerweile70 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung aus. In der Schweiz selbst herrscht nun Deflation. In der Mischung entsteht ein gefährliches Gebräu.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Wegen der Maßnahmen gegen den starken Frankenkurs steigen die Devisenreserven der Schweizer Nationalbank (SNB) weiter massiv. Im Juni wuchsen sie im Monatsvergleich um 59 Milliarden auf knapp 365 Milliarden Franken. Dies teilte die SNB am Freitag mit. Damit erreichen die Schweizer Reserven an Fremdwährungen einen neuen Rekordwert. Die Devisenreserven der Notenbank entsprechen mittlerweile rund 70 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz. Ein großer Teil der Devisen, die in den vergangenen Monaten angehäuft wurden, geht einem Notenbanksprecher zufolge auf Devisenkäufe zur Schwächung des Franken zurück.

Die SNB hatte im September 2011 eine Untergrenze von 1,20 Franken pro Euro eingeführt – und damit eine Kursobergrenze für den Franken festgelegt. Ausschlaggebend dafür war, dass die heimische Währung als sicherer Hafen für Anleger gilt. Wegen der andauernden Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise gewann der Franken immer mehr an Wert. Das setzte die exportorientierte Schweizer Wirtschaft und die Tourismusbranche stark unter Druck. Nachdem die SNB zu Beginn des Mindestwechselkurses offenbar ohne größere Devisenkäufe auskam, wackelte die festgelegte Grenze zuletzt immer öfter. Mehrmals wurde sie sogar geringfügig unterschritten.

Inzwischen kann auch ein Ende der europäischen Gemeinschaftswährung nicht mehr völlig ausgeschlossen werden. Kommt es zu einer Auflösung der Eurozone und damit zu einem erheblichen Wertverlust des Euro, stellen die enormen Eurobestände, die die SNB durch den Mindestwechselkurs anhäuft, ein massives Problem in der Notenbank-Bilanz dar.

Eine andere Entwicklung, die die Schweizer Wirtschaft gefährdet, ist die Deflation. Im Juni sind die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl stark gesunken. Erdölprodukte wurden im Vormonat um 4,2 Prozent billiger. Der Preis von Autos sank im Vergleich zum Vorjahr am stärksten: Neuwagen wurden im Vorjahresvergleich um 12,4 Prozent billiger. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte er zu einem Problem für die Finanzierung werden. Im Immobiliensektor steigen die Preise momentan zwar noch, die Deflation könnte sich aber auch auf diesen Sektor übertragen und die Immobilienblase zum Platzen bringen. Verfallen auch Immobilienpreise, könnten unzählige Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden. So würde wohl auch die Finanzindustrie der Schweiz stark beeinträchtigt werden.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick