Politik

Strafjustiz am Limit: 1,1 Millionen Strafverfahren auf Halde

Deutschlands Staatsanwaltschaften kommen mit der wachsenden Zahl neuer Fälle kaum noch hinterher. Zur Jahresmitte 2026 lagen bundesweit erstmals mehr als 1,1 Millionen Strafverfahren unbearbeitet – 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Deutsche Richterbund warnt vor einer anhaltenden Überlastung der Justiz.
16.09.2026 09:51
Lesezeit: 1 min
Strafjustiz am Limit: 1,1 Millionen Strafverfahren auf Halde
Mehr Fälle, mehr Akten, mehr Rückstau: Besonders viele zusätzliche unbearbeitete Fälle gab es zur Jahresmitte nach der Umfrage in Schleswig-Holstein. (Foto: dpa) Foto: Volker Hartmann

Richterbund: Höchststand bei unerledigten Strafverfahren

Bei den Staatsanwaltschaften in Deutschland gibt es immer mehr Verfahren und die Berge unerledigter Akten wachsen weiter. Erstmals blieben nach Angaben des Deutschen Richterbundes bundesweit mehr als 1,1 Million Fälle unbearbeitet. "Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals", sagte Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB), der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr als 2,7 Millionen neue Fälle landeten laut Richterbund im ersten Halbjahr 2026 bundesweit bei den Staatsanwaltschaften - rund 52.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit zeichnet sich ab, dass die Eingangszahl bundesweit für das Gesamtjahr deutlich über 5 Millionen liegen wird. Der Richterbund rechnet mit einer neuen Höchstmarke.

13 Prozent mehr offene Fälle

Bei den unerledigten Fällen ist diese mit mehr als 1,1 Millionen Verfahren zum Ende des ersten Halbjahres 2026 erreicht. Im Vergleich zum 30. Juni 2025 ist das eine Steigerung um 13 Prozent. Seit Jahren kennt die Entwicklung nur einen Trend - nach oben. So gab es laut Richterbund zum Jahresende 2020 bundesweit noch 709.367 offene Strafverfahren in den Behörden.

Die Zahlen gehen auf eine Umfrage bei den Justizverwaltungen der Länder zurück, die die vom Richterbund herausgegebene "Deutsche Richterzeitung" durchgeführt hat. Berücksichtigt wurden dabei nur die Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte, wie es hieß.

Belastung sehr unterschiedlich

Mit Ausnahme des Landes Rheinland-Pfalz melden bundesweit alle Staatsanwaltschaften viele zusätzliche unbearbeitete Fälle. Die Unterschiede sind allerdings teils gravierend. Besonders viele zusätzliche unbearbeitete Fälle gab es zur Jahresmitte nach der Umfrage in Schleswig-Holstein. Dort stieg die Zahl der offenen Verfahren demnach zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um gut 43 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern ging deren Zahl um knapp 40 Prozent nach oben.

Die Landesregierungen müssten angesichts der Rekordeingangszahlen und immer höheren Aktenbestände der Staatsanwaltschaften konsequent gegensteuern, forderte DRB-Bundesgeschäftsführer Rebehn. Zwar gebe es in einigen Ländern in der Justiz Neueinstellungen. "Die Verfahrenszahlen der Staatsanwaltschaften wachsen aber deutlich schneller als die Stellenzahl, so dass die Überlastung in vielen Behörden anhält", so Rebehn.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Strafjustiz am Limit: 1,1 Millionen Strafverfahren auf Halde
16.09.2026

Deutschlands Staatsanwaltschaften kommen mit der wachsenden Zahl neuer Fälle kaum noch hinterher. Zur Jahresmitte 2026 lagen bundesweit...

DWN
Politik
Politik Ursula von der Leyen: Fünf Pleiten und zwei Erfolge
16.09.2026

Der Europäer glaubt nicht, dass er durch die EU besser leben wird. Dieses politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Problem ist in...

DWN
Politik
Politik Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Umfrage nur zwei Punkte vor SPD
16.09.2026

In wenigen Tagen wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Einer neuen Umfrage zufolge könnte sich ein Erfolg für die SPD...

DWN
Politik
Politik Milliardendefizit Arbeitsagentur: Kommt ein kürzerer Arbeitslosengeld-Bezug?
16.09.2026

Ältere sollen weniger lang Arbeitslosengeld beziehen dürfen - das fordern Wirtschaftsverbände und bestimmte Parteien. Doch Forscher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU will Arbeiten in Europa einfacher machen
16.09.2026

Wer als Europäer in Europa arbeiten will, soll künftig weniger Papierkram und kürzere Wartezeiten haben. Die EU-Kommission will...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Staatsverschuldung: Das gefährliche Spiel mit Inflation und Zinsen
16.09.2026

Die USA sitzen auf einem Schuldenberg von umgerechnet fast 35 Billionen Euro. Nun wächst die Sorge, dass die Fed höhere Inflation dulden...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gerät wegen steigender US-Anleiherenditen ins Stocken
15.09.2026

Erfahren Sie, welche globalen Entwicklungen die Aktienmärkte derzeit ausbremsen und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.

DWN
Panorama
Panorama Werden Kippen viel teurer? Tabakbranche warnt vor "Exzess"
15.09.2026

Damit der Bund zusätzliche Einnahmen erzielt, sollen Deutschlands Raucher stärker zur Kasse gebeten werden als bisher. Doch bringt das...