Nissan Qashqai e-Power: Hybrid fährt fast wie ein E-Auto
Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, doch sein Antrieb arbeitet anders als bei den meisten Wettbewerbern. Die Räder werden immer von einem Elektromotor angetrieben, während ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner Strom erzeugt.
Bei der neuen, dritten Generation des Systems überzeugt dieses Konzept deutlich mehr als zuvor: Der Antrieb ist leiser, reagiert schneller und verbraucht weniger. Vor allem in der Stadt kommt der Qashqai vom Fahrgefühl einem Elektroauto sehr nahe.
Nach der jüngsten Überarbeitung erhielt der Qashqai eine deutlich markantere Front mit großem Kühlergrill und schärfer gezeichneten Leuchtelementen.
Mit einer Länge von 4,43 Metern bleibt er ein genau richtig dimensionierter Familien-SUV: geräumig genug für den Alltag, gleichzeitig in der Stadt noch nicht sperrig.
Die getestete Tekna+-Version ist nahezu vollständig ausgestattet. Die Zweifarblackierung Fuji Sunset kommt mit schwarzem Dach, serienmäßig sind unter anderem 20-Zoll-Räder, Glasdach, getönte Scheiben, Head-up-Display, Bose-Soundsystem und zahlreiche Assistenzsysteme.
Der Preis der Testkonfiguration liegt bei 42.400 Euro.
Der Benziner treibt die Räder nicht an
Die Besonderheit der e-Power-Version besteht darin, dass der 1,5-Liter-Turbo-Dreizylinder mechanisch nicht mit den Rädern verbunden ist.
Seine Aufgabe besteht darin, einen Generator anzutreiben. Der erzeugte Strom versorgt anschließend direkt den Elektromotor oder wird vorübergehend in der Batterie gespeichert.
Bei der neuen Generation hat Nissan Elektromotor, Generator, Inverter, Reduktionsgetriebe und einen Teil des Antriebs in einer kompakten 5-in-1-Einheit zusammengefasst.
Die Batterie hat lediglich 2,1 Kilowattstunden Kapazität. Deshalb ist der Qashqai kein Plug-in-Hybrid und kann nicht an einer Steckdose geladen werden.
Der Elektromotor leistet 140 Kilowatt beziehungsweise 190 PS und entwickelt 330 Newtonmeter Drehmoment. Im Sport-Modus stehen kurzfristig zusätzliche elf Kilowatt Leistung zur Verfügung.
Von null auf 100 km/h beschleunigt der Qashqai in 7,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 Kilometern pro Stunde.
Am deutlichsten macht sich das Konzept beim Ansprechen auf das Gaspedal bemerkbar.
Da die Räder vom Elektromotor angetrieben werden, gibt es kein Warten auf einen Gangwechsel oder darauf, dass der Verbrennungsmotor Drehzahl aufbaut.
Der Qashqai fährt sofort an und gibt seine Leistung gleichmäßig und ohne Ruckeln ab.
Im Stadt- und Vorstadtverkehr fühlt er sich damit deutlich mehr wie ein Elektroauto als wie ein klassischer Hybrid an.
Deutlich leiser als zuvor
Der größte Kritikpunkt bei der vorherigen e-Power-Generation war vor allem der Klang.
Da die Drehzahl des Benzinmotors nicht direkt mit der Geschwindigkeit des Fahrzeugs zusammenhing, konnte es bei kräftiger Beschleunigung passieren, dass der Motor laut arbeitete, während das Auto seine Geschwindigkeit nicht im gleichen Rhythmus erhöhte.
Die neue Generation ist in diesem Punkt deutlich besser.
Nissan spricht von bis zu 5,6 Dezibel weniger Geräusch im Innenraum. Das macht sich besonders bei höherer Belastung und auf der Autobahn bemerkbar.
Der Dreizylinder ist zwar weiterhin deutlich zu hören, wenn der Generator viel Strom liefern muss, doch der Klang wirkt weniger rau und weiter entfernt.
Bei ruhiger Fahrt ist der Motor häufig kaum wahrnehmbar.
Auf der Autobahn arbeitet er die meiste Zeit in einem Bereich, der für die Effizienz günstig ist, während die Räder weiterhin vom Elektromotor angetrieben werden.
Erst bei entschlossener Beschleunigung tritt das Motorgeräusch stärker hervor.
Praktisch ist auch der e-Pedal-Modus. Beim Lupfen des Gaspedals erhöht er die Rekuperation.
Das Auto kommt zwar nicht vollständig selbstständig zum Stillstand, in der Stadt muss die Bremse aber deutlich seltener benutzt werden.
Komfortabel, aber nicht sportlich
Der Qashqai ist vor allem auf ruhiges und berechenbares Fahren abgestimmt.
Die Lenkung ist ausreichend präzise, die Karosserie neigt sich nicht übermäßig, und bei normalem Tempo ist genügend Grip vorhanden.
Die Tekna+-Version steht auf 20-Zoll-Rädern und verfügt hinten über eine Mehrlenkerachse.
Trotz der großen Räder werden die meisten Unebenheiten gut gedämpft. Auf schlechterem Asphalt machen sich die niedrigeren Reifenflanken allerdings bemerkbar.
Mit kleineren Rädern wäre der Qashqai noch etwas komfortabler.
Bei schnellerer Fahrt spürt man das Gewicht.
In dieser Konfiguration wiegt der Qashqai fast 1,8 Tonnen. Bei schnellen Richtungswechseln wirkt er deshalb nicht besonders leichtfüßig.
Das Fahrwerk hält ihn dennoch gut unter Kontrolle, und auch bei höherem Tempo bleibt er ruhig und vorhersehbar.
Sechs Liter im Test, in der Stadt auch unter vier
Nissan gibt für die neue e-Power-Generation einen kombinierten Verbrauch von 4,5 Litern auf 100 Kilometer und CO₂-Emissionen von 103 Gramm pro Kilometer an.
In unserem Test lag der Durchschnitt bei 6,0 Litern auf 100 Kilometer.
Der Unterschied zwischen Stadt- und Autobahnfahrt ist beträchtlich.
In der Stadt nutzt e-Power die Rekuperation sehr gut und verwendet die Batterie häufig als Zwischenspeicher zwischen Benzinmotor und Elektromotor.
Bei vorsichtigem Gasgeben sank der Verbrauch sogar unter vier Liter auf 100 Kilometer.
Auf der Autobahn ist dieser Vorteil deutlich geringer.
Der Benzinmotor muss dort die meiste Zeit kontinuierlich Strom erzeugen, wodurch der Verbrauch steigt.
Die neue Generation ist gerade bei höheren Geschwindigkeiten effizienter als die vorherige. Seine größten Stärken zeigt e-Power aber weiterhin in der Stadt und im Vorstadtverkehr.
Der Tank fasst 55 Liter Benzin.
Bei unserem Testverbrauch von sechs Litern ergibt sich daraus theoretisch eine Reichweite von etwas mehr als 900 Kilometern, bei sparsamerer Fahrweise auch mehr.
Der größte Vorteil des Systems liegt darin, dass man das elektrische Fahrgefühl nicht mit Ladestopps verbinden muss.
Der Innenraum bleibt klassisch
Der Innenraum ist deutlich weniger radikal gestaltet als bei vielen neueren Konkurrenten.
Vor dem Fahrer befindet sich ein 12,3-Zoll-Digitaldisplay. In der Mitte sitzt ein ebenso großer Zentralbildschirm.
Die Klimaanlage besitzt weiterhin klassische Tasten und Drehregler.
4,43
Meter ist der Qashqai lang, der Kofferraum fasst 455 Liter
170
Kilometer pro Stunde beträgt die Höchstgeschwindigkeit
42.400
Euro kostet das Testfahrzeug mit Tekna+-Ausstattung
Das Multimediasystem nutzt Google-Dienste. Dadurch funktionieren Navigation, Sprachsteuerung und Suche deutlich besser als bei älteren Nissan-Systemen.
Tekna+ ergänzt ein 10,8-Zoll-Head-up-Display, ein Bose-System mit zehn Lautsprechern, 360-Grad-Kameras und ProPilot.
Die Vordersitze sind elektrisch verstellbar, beheizt und mit Massagefunktion ausgestattet. Sie sind mit Nappaleder bezogen.
Die Materialien an Armaturenbrett und Türen wirken hochwertig. Vor allem ist die Bedienung logisch.
Für grundlegende Funktionen muss man nicht ständig durch Menüs auf dem Bildschirm suchen.
Der Kofferraum ist eher durchschnittlich
Auf der Rückbank ist genug Platz für zwei Erwachsene. Für eine dritte Person wird es auf längeren Strecken bereits enger.
Der Radstand beträgt 2,67 Meter. Die Türen öffnen weit genug, um auch einen Kindersitz problemlos einzubauen.
Der Kofferraum fasst 455 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es 1.379 Liter.
Das reicht für den normalen Familienalltag, gehört in dieser Klasse aber nicht zu den Spitzenwerten.
Ein größerer Kompromiss ist die Zuladung. Bei einem maximalen Leergewicht von 1.803 Kilogramm und einem zulässigen Gesamtgewicht von 2.180 Kilogramm bleiben 377 Kilogramm Zuladung. Vier Erwachsene mit mehr Gepäck liegen damit bereits ziemlich nah an der zulässigen Grenze.
Auch die maximale Anhängelast eines gebremsten Anhängers von 750 Kilogramm ist für einen SUV dieser Größe eher gering.
Wie funktioniert die neue 5-in-1-Einheit?
Bei der neuen e-Power-Generation hat Nissan Elektromotor, Generator, Inverter, Reduktionsgetriebe und einen Teil des Antriebs in einem gemeinsamen Gehäuse zusammengefasst.
Dadurch wurde die Zahl einzelner Komponenten reduziert, ebenso das Gewicht und mechanische Verluste.
Der Benzinmotor produziert über den Generator Strom.
Dieser kann direkt zum Antriebselektromotor fließen oder in die 2,1 Kilowattstunden große Batterie geleitet werden, die als kurzfristiger Energiespeicher dient.
Zusätzlich wird die Batterie durch Rekuperation beim Bremsen geladen.
Da zwischen Benzinmotor und Rädern keine mechanische Verbindung besteht, kann der Verbrennungsmotor unabhängig von der aktuellen Geschwindigkeit des Autos in einem Drehzahlbereich arbeiten, der für den Verbrauch günstiger ist.
Gerade durch die bessere Abstimmung dieser Komponenten konnte Nissan bei der neuen Generation Geräusch und Verbrauch reduzieren, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten.
Tekna+ ist teuer, aber sehr gut ausgestattet
Der Nissan Qashqai Tekna+ e-Power 190 kostet 41.400 Euro. Die getestete Zweifarblackierung erhöht den Preis auf 42.400 Euro.
Für einen 4,4 Meter langen Familien-SUV ist das bereits viel, besonders angesichts der immer stärkeren Konkurrenz koreanischer und chinesischer Marken.
Auf der anderen Seite gibt es nur wenige Extras, für die zusätzlich bezahlt werden muss.
Serienmäßig sind Nappaleder, Massagefunktion für die Vordersitze, Bose-Soundsystem, Head-up-Display, Panoramadach, elektrische Heckklappe, adaptive LED-Scheinwerfer, 360-Grad-Kameras, automatisches Parken und ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen.
Das stärkste Argument bleibt der Antrieb.
Die neue e-Power-Generation ist deutlich leiser als ihr Vorgänger, bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr angenehm und kann in der Stadt ausgesprochen sparsam sein.
Sie ist kein Ersatz für ein Elektroauto.
Aber sie ist eine interessante Lösung für Fahrer, die eine elektrische Art der Leistungsentfaltung wollen, ohne sich Gedanken über das Laden machen zu müssen.


