Oxfam: Deutschland hat viel für Flüchtlinge getan, Frankreich sehr wenig

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
30.03.2016 02:01
Die reichen Staaten der Welt haben nach Berechnungen von Oxfam bisher viel zu wenig für die Flüchtlinge in der Welt getan. Nur Deutschland, Norwegen und Kanada hätten dauerhaft mehr Flüchtlinge aufgenommen, als sie es im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft hätten tun müssen. Äußerst enttäuschend ist der Beitrag Frankreichs.
Oxfam: Deutschland hat viel für Flüchtlinge getan, Frankreich sehr wenig

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Reiche Länder haben bislang nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam nur einen Bruchteil der knapp fünf Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Seit 2013 seien nur 67.100 Menschen von reichen Staaten endgültig aufgenommen worden, dies entspreche 1,39 Prozent der insgesamt 4,8 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland, teilte die britische Organisation am Dienstag mit. Die meisten Flüchtlinge seien in Syriens Nachbarländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak.

Oxfam rief die reichen Staaten auf, mindestens zehn Prozent der syrischen Flüchtlinge aufzunehmen. Lediglich Deutschland, Kanada und Norwegen hätten mehr für Flüchtlinge getan, als sie im Vergleich zu ihrer wirtschaftlichen Lage eigentlich müssten. Dagegen erfülle beispielsweise Frankreich nur vier Prozent seiner Verpflichtungen.

Am Mittwoch eröffnet UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Konferenz in Genf, bei der über eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge gesprochen werden soll. Laut Oxfam ist bereits jeder fünfte Einwohner des Libanons Syrer. In Jordanien stellten Syrer zehn Prozent der Bevölkerung. Diese Länder mit schwacher Wirtschaft und schlechter Infrastruktur könnten nicht länger "nahezu alleine die Verantwortung tragen", erklärte Oxfam.

Vertreter von mehr als 90 Staaten und zahlreichen internationalen Organisationen beraten am Mittwoch in Genf über Möglichkeiten einer gerechteren Verteilung von Kriegsflüchtlingen aus Syrien. Dabei hofft das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) auf freiwillige Zusagen vor allem seitens wohlhabender Länder, in den kommenden Jahren etwa 480.000 Syrer zu beherbergen. Das wären zehn Prozent jener rund 4,8 Millionen Menschen, die vor dem Krieg in benachbarte Länder geflohen sind.

Dadurch sollen Staaten wie die Türkei, Jordanien und der Libanon entlastet werden, in denen sich die weitaus meisten syrischen Flüchtlinge aufhalten. Bislang habe das UNHCR von anderen Staaten lediglich Zusagen über die längerfristige Aufnahme von insgesamt 170 000 Syrern erhalten, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi im Vorfeld der Konferenz.

Mehr Länder müssten zur Lastenteilung bereit sein, forderte Grandi. Dafür sollten verschiedenste Einreise- und Aufenthaltsmöglichkeiten angeboten werden - wie humanitäre Transfervisa, Hochschulstipendien, Familienzusammenführungen oder auch private Patenschaften. Die eintägige Konferenz wird von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eröffnet.

Der Krieg in Syrien geht mittlerweile in sein sechstes Jahr. Dabei starben mehr als 270.000 Menschen. Russlands Intervention im syrischen Bürgerkrieg beschleunigt nach Darstellung von Präsident Baschar al-Assad den Friedensprozess zwischen Regierung und Opposition. Militärische Erfolge seien kein Hindernis für die Verhandlungen in der Schweiz, sagte Assad der russischen Agentur Ria Nowosti. Russland unterstützt die syrischen Streitkräfte seit Ende September mit Luftangriffen und hat damit große Geländegewinne ermöglicht. Zuletzt hatten syrische Truppen die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) besetzte Oasenstadt Palmyra zurückerobert.

Die Führung in Damaskus wolle keine Chance für eine Lösung des Konfliktes verstreichen lassen, sagte Assad.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Liquiditätskrise hinter den Kulissen? Die seltsame Entwicklung eines wichtigen Zinses wirft Fragen auf

Obwohl die Zentralbanken die Finanzmärkte mit billigem Kreditgeld fluten, deutet ein wichtiger Indikator auf eine sich verschärfende...

DWN
Politik
Politik Syrien: Extremisten mobilisieren gegen Russland und die Türkei

Russland und die Türkei versuchen, ihr Waffenstillstandsabkommen von Idlib umzusetzen. Doch Extremisten machen deutlich, dass sie gegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Globaler Goldhandel beeinträchtigt: Russland stellt Goldkäufe überraschend ein

Die russische Zentralbank hat in der Vergangenheit in großem Umfang Gold gekauft. Nun werden die Käufe plötzlich eingestellt. Der...

DWN
Politik
Politik Italien wurde von seinen Freunden im Stich gelassen

Die italienische Zeitung “Corriere della Sera” stellt fest, dass Italien im Verlauf der Corona-Pandemie von seinen “Freunden” in...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt es zu einer Verstaatlichung der US-Notenbank?

Es ist durchaus möglich, dass die US-Notenbank Fed direkt oder indirekt verstaatlicht wird. Einige Ökonomen fordern bereits heute die...

DWN
Deutschland
Deutschland Die Corona-Krise beendet den Immobilien-Boom, fallende Preise erwartet

Angesichts der Corona-Krise rechnen Investoren mit sinkenden Verkäufen und fallenden Preisen am Immobilienmarkt.

DWN
Politik
Politik AfD-Spitze setzt kompletten Landesvorstand im Saarland ab

Paukenschlag an der Saar: Der AfD-Bundesvorstand setzt den Landesvorstand der Partei im Saarland ab. Die Vorwürfe wiegen schwer. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackRock verwaltet deutsche Vermögen und wettet gleichzeitig gegen sie

Der weltgrößte Vermögensverwalter sahnt gleich mehrfach ab. Aktien, die ihm zur Geldanlage anvertraut werden, verleiht er teilweise an...

DWN
Finanzen
Finanzen Faktencheck: Von Bargeld geht keine Corona-Infektionsgefahr aus

Ein renommierter Virologe und die Bundesbank bestätigen, dass von Bargeld keine Corona-Infektionsgefahr ausgeht.

DWN
Deutschland
Deutschland Fleischskandal: Wursthersteller Wilke ist komplett am Ende

Vor einem halben Jahr zog der Wilke-Fleischskandal bundesweit Kreise. Von der Firma, die ihn auslöste, ist nicht mehr viel übrig. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Die schmutzige Lieferkette der E-Mobilität

Der Bau von Elektroautos benötigt eine Vielzahl seltener Rohstoffe. Mit deren Abbau sind auch große Risiken für Mensch und Umwelt...

DWN
Politik
Politik Warum sich die Corona-Daten des Robert-Koch-Instituts und der John Hopkins University unterscheiden

Das Robert-Koch-Institut erklärt, warum sich seine Corona-Daten von den Corona-Daten der John Hopkins University unterscheiden.

DWN
Politik
Politik Schweden bleibt im Corona-Kampf weiter relativ entspannt

Schweden macht vor, wie man mit dem Coronavirus auch ganz anders umgehen kann. So bleiben hier zum Beispiel Restaurants, Cafés und Kneipen...

DWN
Politik
Politik Corona-Virus stirbt bei 70 Grad innerhalb von fünf Minuten

Einem Bericht zufolge stirbt das Corona-Virus innerhalb von fünf Minuten bei einer Temperatur von 70 Grad. Bei der Reinigung von...

celtra_fin_Interscroller