Die Opfer von Brüssel: Zur falschen Zeit am falschen Ort

 

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31.03.2016 02:15
Im Fall der Opfer von Brüssel entschieden Sekunden oder wenige Meter über Leben und Tod. Junge und ältere Menschen, Kreative, Beamte, Software-Entwickler, Töchter, Väter, Söhne, Mütter. Mit einem Schlag wurden hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Sie hatten sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.
Die Opfer von Brüssel: Zur falschen Zeit am falschen Ort
Eine Zeichnung der jungen schwedischen Grafikerin My Atlegrim. Auch sie kam beim Anschlag in Brüssel ums Leben. (Foto: Tumblr)

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Die Opfer der Anschläge in Brüssel waren Pendler auf dem Weg zur Arbeit und Reisende am Beginn des lang erwarteten Urlaubs. Sie kamen aus vielen Ländern in eine Stadt, die der Sitz der Institutionen der EU, anderer internationaler Institutionen und einer lebendigen Kreativ-Szene ist. Die Nachrichtenagentur AP hat die Namen der Opfer recherchiert und versucht zu ergründen, warum sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

James Cain hatte erst letzten Dienstag erfahren, dass seine Tochter Cameron Alex Pinczowski geheiratet hatte. Zwei Tage später erfuhr er, dass Alex und seine Schwester Sasha – Geschwister aus den Niederlanden, die in New York lebten – beim Selbstmordanschlag im Brüsseler Flughafen ums Leben gekommen sind. Die beiden waren auf dem Weg nach Hause in die USA. Der erst 29-jährige Alex sprach am Telefon mit seiner Mutter als die Verbindung durch die explodierende Bombe abbrach. Alex war in die Niederlande gereist, um an einem Kunsthandwerks-Geschäft zu arbeiten, dass er und Cameron gemeinsam starten wollten, erzählt Cain. Die beiden hatten sich vor sechs Jahren an der Sommer-Uni in Durham (North Carolina) getroffen. Im November hatte Business-Absolventin Sasha gewarnt, dass es die Rekrutierung durch Extremisten nur anheizen würde, Muslime zu dämonisieren. Nach den Anschlägen in Paris hatte sie auf Facebook gepostet: „Die ignorante Verbreitung von Anti-Muslimen-Hetze und -Propaganda nutzt niemandem etwas – außer dem IS.“

Die beiden Geschwister werden diese Woche gemeinsam in Maastricht beigesetzt.

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Das polnische Außenministerium hat angegeben, dass belgische Ermittler eine polnische Frau unter den Opfern des Metro-Anschlags identifiziert haben. Aus Rücksichtnahme auf die Hinterbliebenen der 61-jährigen Janina Panasewicz wurden jedoch keine weiteren Angaben gemacht.

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Fabienne Vansteenkiste, 51, war am letzten Dienstag um 18:00 kurz davor, ihre Schicht beim Einchecken von Gepäck am Brüsseler Flughafen zu beenden. Sie sagte zu, zwei Stunden länger zu bleiben, um einer Kollegin zu helfen – ihre Kollegialität wurde ihr zum Verhängnis.

So war sie noch am Flughafen, als die Bombe detonierte und sie sowie zehn andere mit in den Tod riss. Ihr Ehemann sagte einem französischen Sender, dass seine Frau oft zu ihm sagte: „Ich werde bei einem Anschlag sterben.“ Er sagte, sie hatte einen Anschlag in den geschäftigen Morgenstunden am Flughafen gefürchtet. Ihre 35 Jahre Ehe entsprangen einer Jugendliebe: „Sie war die weißen Tasten im Klavier und ich die schwarzen.“

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Lauriane Visart war eine junge Anwältin mit starken Prinzipien wie Fairness, Gerechtigkeit, Toleranz und die Gleichstellung der Geschlechter. Die 27-jährige Belgierin, die in Maelbeek getötet wurde, war Absolventin der Louvain Catholic University. Sie wurde als intelligente Studentin beschrieben, die sich „mit Leidenschaft dem öffentlichen Recht widmete.”

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Die aus Schweden stammende Illustratorin und Textil-Designerin My Atlegrim zog nur nach Brüssel, um ihr Französisch zu verbessern, doch verliebte sich in die Stadt und ihre Menschen. „Die Menschen sind sehr nett, sehr sanft für Großstadtbewohner. Brüssel ist eine Stadt, in der es vor Leben nur so wimmelt – doch in einer versteckten, untergründigen Art.“ Sie malte Illustrationen für Kunst- und Kinder-Magazine und engagierte sich in einem Informationsdienst für junge Menschen in Brüssel.

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Nur ein paar Tage vor den Anschlägen kehrte Raghavendran Ganesan zurück nach Brüssel aus seiner indischen Heimat, wo seine Frau gerade ihren gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht hatte. Am Morgen des 22. März sprach der junge Informatiker über Skype mit seiner Mutter in Mumbai, vor allem über seine Arbeit bei IT-Giganten Infosys. Dann machte er sich auf den gleichen Weg mit der U-Bahn wie seit vier Jahren. Als die Nachrichten der Metro-Anschläge weltweit die Nachrichten erreichten, versuchte die Familie daheim verzweifelt, ihn ausfindig zu machen – auch über Facebook. Er saß in demselben Wagon wie der Selbstmord-Attentäter in Maelbeek.

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Gilles Laurent war ein Meister des Klangs. Als Tontechniker hatte er schon an Filmen rund um den Globus mitgewirkt, unter anderem Carlos Reygadas Cannes Beitrag „Post Tenebras Lux”. Auch Laurent, der im Süden Belgiens wohnte, war in der U-Bahn, in der die Bombe hochging. Er hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

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Der Verlust von Melanie Defize, die ebenfalls in Maelbeek umkam, sandte Erschütterung durch die Welt der Klassik-Musik. Die 29-jährige war eine bekannte Barock-Geigerin und Produzentin beim unabhängigen Plattenlabel Cypres Records. Der Enthusiasmus der jungen Frau für Musik erstreckte sich über die gesamte Musik-Szene – von Radiohead bis hin zu mittelalterlicher Klassik. Die New York Times widmet ihr einen eigenen Nachruf.

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Bart Migom war im zweiten Jahr seines Marketing-Studiums. Auf dem Weg zum Flughafen telefonierte er mit seiner Freundin Emily und sagte, er würde noch einmal schreiben, sobald er im Flieger säße. Er war auf dem Weg nach Atlanta, um Emily zu besuchen, als auch er am Flughafen ein Opfer der Anschläge wurde.

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Andre Adam war ein pensionierter belgischer Diplomat, der sich mit seiner Frau in Südfrankreich zur Ruhe gesetzt hatte. Die beiden lernten sich kennen, als Adam in Kuba stationiert war. Nach den Anschlägen wurde Adams Frau ins Krankenhaus gebracht. Tochter Gigi sagte, ihr Vater war ums Leben gekommen, als er seine Frau bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen beschützen wollte.

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Das US-amerikanische Paar Stephanie und Justin Shults brachten Stephanies Mutter zum Flughafen. Die beiden sahen ihr bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen hinterher, als die Bombe detonierte.

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Die Sizilianerin Patricia Rizzo arbeitete in der Personalabteilung der EU-Agentur für Bildung und Kultur sowie für den Europäischen Forschungsrat. Die 48-jährige hinterlässt einen Sohn.

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Die deutsche Jennifer Scintu Waetzmann und ihr Ehemann wurden am Flughafen durch die Bombe getötet. Die Handball-Trainerin und ihr Mann checkten in Brüssel ein, um in ihre verspäteten Flitterwochen nach New York zu starten.

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Elita Borbor Weah war am Brüsseler Flughafen auf dem Weg nach Rhode Island zur Beerdigung ihres Stiefvaters. Die 40-Jährige hatte mit ihrer 13-jährigen Tochter in den Niederlanden gelebt, nachdem sich ihre Familie durch den Bürgerkrieg in Liberia über den Globus verteilt hatte.

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Der 53-jährige Brite David Dixon gab seiner Familie per SMS Entwarnung, nachdem die beiden Bomben am Brüsseler Flughafen explodiert waren. Der Programmierer wurde nur kurz danach beim Anschlag von Maelbeek getötet.

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Auch ein Chinese ist unter den Opfern der Anschläge. Nur sein Nachname – Deng – ist bekannt.

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Die gebürtige Peruanerin Adelma Tapia Ruiz war eine leidenschaftliche Köchin. Bereits seit neun Jahren lebte sie in Belgien, doch kochte noch immer die Speisen ihrer Heimat.

Sie wurde ebenfalls am Brüsseler Flughafen getötet. Ihre Zwillingstöchter und ihr Ehemann waren ebenfalls am Flughafen und entgingen dem Tod nur knapp. Der Vater war mit den beiden Kindern aus der Schlange getreten, um den beiden Mädchen die Wartezeit mit Spielen zu verkürzen.

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Leopold Hecht war ein junger Mann – einer, den man auf seinen Facebook-Fotos lachend in Ski-Anzug und in der freien Natur sieht. Auch er wurde bei den Anschlägen in Maelbeek getötet.

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Auch der Beamte Olivier Delespesse ist in Maelbeek ums Leben gekommen. Das wurde durch seinen Arbeitgeber, die Federation Wallonie-Bruxelles, bestätigt.

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