Finanzen

Russland will Nord Stream 2 trotz Veto aus Polen bauen

Lesezeit: 1 min
25.08.2016 03:24
Die polnische Kartellbehörde hat einem Gremium mehrerer Firmen die Zustimmung verweigert, in Polen aktiv zu werden. Das Bündnis, zu dem auch die deutschen Firmen Wintershall und Uniper gehören, soll die Gaspipeline Nord Stream 2 für den russischen Gazprom-Konzern bauen. Gazprom und die Firmen kündigten inzwischen an, eine andere Lösung zu finden.
Russland will Nord Stream 2 trotz Veto aus Polen bauen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der russische Gaskonzern Gazprom hat angekündigt, an der geplanten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 trotz eines Vetos der polnischen Kartellbehörde festzuhalten. „Die Entscheidung ist endgültig (…) die Nord Stream 2-Gesellschaft existiert und arbeitet. Wie die ausländischen Partner teilnehmen möchten entscheiden sie selbst. Sie werden nach Möglichkeiten suchen, dem Projekt beizutreten. Wir führen unseren Plan weiter aus. Unsere Partner teilen unsere Vision“, wird der Vize-Vorsitzende von Gazprom vom EUobserver zitiert.

Die polnische Kartellbehörde hatte gegen den Zusammenschluss mehrerer europäischer Unternehmen zu einem Joint Venture mit dem russischen Energiekonzern Gazprom Einspruch eingelegt, wie die beteiligten Konzerne am Freitag mitteilten. Grund sind Bedenken der Wettbewerbsbehörde, dass der Zusammenschluss zu einer „Einschränkung des Wettbewerbs“ führt.

Zudem drohe der Zusammenschluss die Verhandlungsposition von Gazprom weiter zu stärken, der bei der Lieferung von Gas nach Polen bereits eine dominante Stellung habe, kritisierte die Wettbewerbsbehörde, die Ende Juli ihre Einwände veröffentlicht hatte. Die beteiligten Unternehmen Gazprom, Engie, Shell, OMV, Uniper und Wintershall gaben den Plan zur Schaffung des Joint Venture Nord Stream 2 AG mit Sitz im Schweizer Zug auf, nicht jedoch den Plan zur Bau der Pipeline.

„Wir treten der Nord Stream 2 AG jetzt nicht bei, sind aber an der Umsetzung des Projektes weiterhin sehr interessiert“, sagte ein Unternehmenssprecher von Wintershall dazu zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Die an dem Nord Stream 2-Projekt beteiligten Firmen haben inzwischen eine gemeinsame Erklärung zur Entscheidung der polnischen Behörden herausgegeben. Darin heißt es:

„Engie, Gazprom, OMV, Shell, Uniper und Wintershall (die Antragsteller) haben der polnischen Wettbewerbsbehörde heute ihre gemeinsame Antwort auf das Statement of Objections im Fusionskontrollverfahren zur geplanten Gründung eines Joint Ventures der Antragsteller unterbreitet. Dem folgend haben die Antragsteller entschieden, ihre Fusionskontrollanmeldung bei der polnischen Wettbewerbsbehörde gemeinsam zurückzuziehen. Alle Antragsteller vertreten die Ansicht, dass das Projekt für das europäische Energiesystem von entscheidender Bedeutung ist, und jeder von ihnen prüft alternative Ansätze, um zur Umsetzung beizutragen. Die Entscheidung der Antragsteller, ihre Anmeldung zurückzuziehen, wird sich nicht auf den planmäßigen Bau der Nord-Stream-2-Pipelines oder den betreffenden Zeitplan auswirken.“

„Das Joint-Venture-Projekt wird nicht umgesetzt“, doch das Nord-Stream-2-Projekt selbst wird nicht aufgegeben“, sagte ein Sprecher des französischen Konzerns Engie. Die neue Gaspipeline soll die bestehende Nord-Stream-Pipeline ergänzen, die Russland durch die Ostsee mit Deutschland verbindet. Die neue Ostseepipeline soll acht Milliarden Euro kosten und eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter haben. Während Berlin das Projekt unterstützt, ist es in Osteuropa umstritten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass amerikanische Hersteller von verflüssigtem Gas seit einiger Zeit versuchen, die dominante Stellung Russlands auf dem europäischen Energiemarkt zu schwächen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker - Vorbild Israel: EU arbeitet an „Grünem Pass“ für Geimpfte

Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz zur Einführung eines „Grünen Passes“, der geimpften Bürgern offenbar Vorteile gegenüber...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Hiobsbotschaft: WHO erwartet kein Ende der Pandemie vor 2022

In der Nacht vom 1. auf den 2. März 2021 hat die Öffentlichkeit eine Hiobsbotschaft erreicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht...

DWN
Finanzen
Finanzen Aufstand bei der Deutschen Bank: Callcenter-Mitarbeiter streiken seit Wochen für höheres Gehalt

Während den Herrschaften im Investmentbanking satte Boni ausgezahlt werden, wehrt sich die Bank mit Händen und Füßen gegen höhere...

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Deutschland
Deutschland 900 Millionen Euro mehr: Stromkosten in Deutschland explodieren

Die Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel für ihren Strom bezahlt wie noch nie.

DWN
Finanzen
Finanzen Lieferketten-Chaos und hohe Transportkosten fachen Inflation in Europa an

Produzenten geben die teils deutlich gestiegenen Kosten an die Kunden weiter, die Inflation in Europa erreicht die Geschäfte und...

DWN
Politik
Politik Zwischen Europa und Russland tobt ein harter Kulturkampf

Der geopolitische Wettbewerb zwischen Europa und Russland nimmt Konturen eines Kulturkampfs an, bei dem es um Religion, Familienwerte und...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbank der Zentralbanken warnt vor Blasen im Finanzsystem

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich wählt ihre Worte mit Bedacht. Im Klartext warnt sie vor dem Platzen riesiger...