Finanzen

Bank of Japan will künftig Zinsen von Staatsanleihen steuern

Lesezeit: 2 min
21.09.2016 09:39
Japans Zentralbank lässt den Leitzins unverändert, will die Zielsetzung ihrer Geldpolitik aber anpassen. Hauptsächlich geht es darum, die Zinsen japanischer Staatsanleihen zu beeinflussen, damit Banken wieder Geld verdienen können. Die Wirtschaft entwickelt sich weiter schwach, im August gingen die Exporte um fast 10 Prozent zurück – zum elften Mal in Folge.
Bank of Japan will künftig Zinsen von Staatsanleihen steuern

Mehr zum Thema:  
Asien >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Asien  

Die japanische Notenbank setzt bei ihrer ultra-lockeren Geldpolitik neue Akzente und signalisiert zugleich eine weitere Öffnung der Geldschleusen. Im Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute verzichtete die Bank of Japan (BOJ) am Mittwoch aber zunächst auf eine Verschärfung des Strafzinses. Finanzinstitute müssen auf ihre laufenden Konten bei der Zentralbank weiterhin eine Gebühr von 0,1 Prozent zahlen. Stattdessen passte die Notenbank ihre Maßnahmen an. So setzte sie sich für ihr massives Anleihenkaufprogramm ein langfristiges Zinsziel. Zudem kehrte sie dazu zurück, die Inflationsrate möglichst schnell wieder auf zwei Prozent zu bringen. Am Aktienmarkt kamen die Pläne gut an.

Es gebe noch Spielraum die Zinsen tiefer in den Minus-Bereich zu drücken, teilte die Zentralbank mit. „Die BOJ wird anstreben die Realzinsen durch die Kontrolle der kurz- und langfristigen Zinsen zu drücken.“ Dies sei Kern des neuen Rahmenplans. Mit den neuen Vorhaben sei die Geldpolitik nun noch flexibler und nachhaltiger, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda.

„Die japanische Notenbank schlägt mit dem heutigen Tag ein neues Kapital auf“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank aus Liechtenstein. Ziel sei ist es nicht mehr, soviel Wertpapiere wie möglich zu kaufen, sondern die Zinsen bis in den langlaufenden Bereich ins Visier zu nehmen. „10-jährige japanische Staatstitel sollen nach Möglichkeit eine Rendite im Bereich von 0 Prozent ausweisen.“ Die Zentralbanker wollten damit künftig die „Steilheit der Renditekurve“ steuern. „Je deutlicher die Zinsen im langlaufenden Bereich über den kurzen Zinsen liegen, desto besser für die Banken“, sagte Gitzel.

Die neu ausgegebene Stoßrichtung der Bank of Japan hat am Mittwoch die Aktienmärkte in Fernost angeschoben. „Das war ganz klar eine Änderung der Rahmenbedingungen, was eine Überraschung war“, sagte Chefökonom Yasutoshi Nagai von Daiwa Securtities.

Der Nikkei-Index drehte nach der Entscheidung ins Plus und schloß 1,9 Prozent höher bei 16.807 Punkten. Auch der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans baute nach der Ankündigung seine Gewinne aus und notierte 0,5 Prozent im Plus. In Schanghai legte die Börse ebenfalls leicht zu. Viele Anleger hielten sich hier aber noch mit Käufen zurück, weil sie die Entscheidung der US-Notenbank Fed am Abend (MESZ) abwarten wollten. Die Mehrheit der Investoren rechnete zunächst nicht mit einem weiteren Zinsschritt in den USA.

In Japan hatte sich zuletzt die Sorge breitgemacht, dass das massive Anleihenkaufprogramm allmählich an seine Grenzen stoße. Weil die Konjunktur trotz der Geldschwemme immer noch nicht an Fahrt aufgenommen hat, war im Vorfeld des BoJ-Treffens über eine Verschärfung des Negativ-Zinssatzes auf bestimmte Bankeinlagen spekuliert worden. Anfang des Jahres hatte die Notenbank den Finanzinstituten auf ihre laufenden Konten bei ihr eine Gebühr von 0,1 Prozent aufgebrummt, um ihnen das Horten von Geld zu verleiden und die Kreditvergabe anzukurbeln.

Aus der Industrie kommen unterdessen weiter schlechte Nachrichten. Die Ausfuhren Japans sind im August deutlich stärker zurückgegangen als erwartet. Den am Mittwoch vom Finanzministerium vorgelegten Daten zufolge betrug das Minus 9,6 Prozent, Volkswirte hatten lediglich mit 4,8 Prozent gerechnet. Vor allem die erstarkte Landeswährung Yen und die schwache Nachfrage in Übersee lastete auf den Ausfuhren. Für Japan war es der elfte Monat mit Rückgängen in Folge. Angesichts der jüngsten Zahlen steht in Frage, ob Japan im laufenden Quartal beim Wirtschaftswachstum an Tempo zulegen kann.

Die Ausfuhren nach China, den größten Handelspartner Japans, sanken im August um 8,9 Prozent. Die Exporte in die USA sanken um 14,5 Prozent, die in die Europäische Union um 0,7 Prozent. Die Einfuhren nach Japan gingen im abgelaufenen Monat um 17,3 Prozent zurück.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Asien >

DWN
Politik
Politik Ärzte-Zeitung ruft zur Bewertung Lauterbachs auf: Resultat ist Schulnote 6

Die Leser der Ärzte-Zeitung haben eine eindeutige Meinung von Gesundheitsminister Lauterbach.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Putin: Europa begeht mit Energiepolitik «wirtschaftlichen Selbstmord»

Putin sagte, dass die hohen Energiepreise schon jetzt die Konkurrenzfähigkeit der Industrie in der EU schmälerten. Russland wende sich...

DWN
Politik
Politik US-Justizministerium: Allianz-Fondsmanager haben Anleger betrogen

Nach Ansicht des US-Justizministeriums haben Hedgefonds-Manager einer Allianz-Tochter die Entwicklung der Fonds über Jahre hinweg...

DWN
Finanzen
Finanzen Bärenmarkt voraus: Was Anleger derzeit von professionellen Tradern lernen können

Investoren und Trader betrachten Märkte aus geradezu gegensätzlichen Perspektiven, die beide Erfolg haben können. Doch in einem...

DWN
Finanzen
Finanzen IWF erhöht Anteil von Dollar und Yuan bei Sonderziehungsrechten

Während Dollar und Yuan an Gewicht zulegen, verlieren die drei anderen im Korb der Sonderziehungsrechte vertretenen Währungen an...

DWN
Deutschland
Deutschland Windräder: Söder warnt Habeck vor Wortbruch bei Abstandsregeln

Der bayerische Ministerpräsident warnt den Wirtschaftsminister, die vereinbarten Abstandsregeln für Windräder zu kippen.

DWN
Deutschland
Deutschland Dax-Konzerne melden Rekordquartal, doch die Aussichten sind mies

Viele deutsche Börsenschwergewichte präsentierten zu Jahresbeginn Bestmarken bei Umsatz und Gewinn. Doch die Aussichten haben sich...

DWN
Deutschland
Deutschland Impfpflicht weiter auf dem Tisch: Drei Bundesländer geben nicht auf

Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Bayern dringen auf einen Neuanlauf im Bundestag für eine Impfpflicht ab 60 Jahren.