Politik

Chemiewaffen und Langstreckenraketen: Israel überrascht von der Stärke der Hamas

Obwohl Israel eine Bodenoffensive im Gaza-Streifen nur widerwillig starten würden, steigt der Druck auf die Regierung. Neue Geheimdienst-Berichte deuten darauf hin, dass die Hamas über chemische Sprengstoffe und Langstreckenraketen verfügen könnte.
18.11.2012 23:22
Lesezeit: 2 min

In Israel steigt der Druck auf die Regierung, die geplante Bodenoffensive im Gaza-Streifen durchzuführen. Wie der US-Sicherheitsdienst Stratfor berichtet, soll die Hamas im Besitz von Langstrecken-Raketen sein. Eine Rakete, die gegen Tel Aviv abgefeuert worden war, soll eine solche Waffe gewesen sein. Stratfor beruft sich auf eigene Quellen, denen zufolge die Hamas diese Waffen bereits selbst im Gaza-Streifen herstellt. Wenn dies stimme, wäre es für Israel nur sehr schwer, die Bedrohung mit Luftschlägen gegen die Raketenbasen im Gaza-Streifen zu stoppen. Ein Einmarsch sei dann nötig, um auch die Produktionsstätten zu zerstören.

In Israel zeigte man sich in den vergangenen Tagen überrascht von der militärischen Stärke der Hamas. Obowhl Beobachter seit Jahren von dem Raketen-Arsenal der Hamas gewarnt hatten, war man in der israelischen Führung davon ausgegangen, den Konflikt mit der Hamas vom eigenen Territorium fernhalten zu könne. Es gibt unterdessen Berichte, die die Sorgen der Israelis noch verstärken dürfte.

Die Londoner Sunday Times berichtet nämlich, dass Fajr 5 Raketen der Hamas auch mit Sprengköpfen mit chemischen Kampfstoffen ausgerüstet werden könnten. Die Times beruft sich dabei auf nicht genannte Quellen und berichtet weiters, dass die israelische Armee bereits einige Spezialkommandos in den Gaza-Streifen entsannt hätten, um derartige Waffen ausfindig zu machen. Die Kommandos werden dabei von einer Infantrie-Division vom Golan und zwei Panzer-Brigaden unterstützt. Die Hamas plane im Falle eines israelischen Einmarsch in Gaza, mit Selbstmordkommandos zu versuchen, den Israelis möglichst hohe Verluste zuzufügen.

Zahlreiche Stimmen in Israel warnen vor einem Einmarsch. In Erinnerung an die lange und letztlich erfolglose Invasion im Libanon vor einigen Jahren wird darauf verwiesen, dass ein Bodenkrieg das Problem der Hamas nicht lösen könne. Dagegen sei mit massiven Opfern der palästinenischen Zivilbevölkerung zu rechnen, eine in Israel längst nicht mehr mehrheitsfähige Vorgehensweise.

Auch die gezielte Tötung des Militärchefs der Hamas, Ahmad Jabari, wird von prominenten Irsaelis als Fehler angesehen: Der in die Waffenstillstandsverhandlungen involvierte Israeli Gershon Baskin, der auch den Gefangenenaustausch zur Befreiung des israelischen Soldaten Gilad Shalit mit ausgehandelt hatte, sagte mehreren Medien, dass die Tötung sinnlos gewesen sei. Jabari hatte trotz seiner Funktion eher für einen Waffenstillstand mit Israel plädiert.

Allerdings herrscht in Israel zunehmend Empörung darüber, dass die Hamas die eigene Bevölkerung hungern lasse und offenkundig erhebliche finanzielle Mittel für eine heimliche Aufrüstung verwendet habe. Etwas Hoffnung setzt man in Israel auf den neuen ägyptischen Präsidenten Mohammed Morsi: Moris habe mehr gegen die Hamas unternommen als sein Vorgänger Hosni Mubarak, der stets ein doppeltes Spiel getrieben habe. So habe Morsi vor allem zahlreiche unterirdische Tunnelsysteme der Hamas zerstören lassen, wodurch die militärische Infrastruktur der Hamas deutlich geschwächt worden sei.

Für Israel stellt sich ein weiteres Problem. Stratfor verweist darauf, dass die Hisbollah die Tatsache, dass die israelische Armee im Süden gebunden wäre, für Attacken im Norden des Landes nützen könnte. Allerdings gäbe es keine konkreten Anzeichen für eine derartige Taktik auf Seiten der Hisbollah. Denn die von Syrien finanzierte Miliz riskiere einen Gegenschlag Israels, was der Hisbollah im schwelenden Bürgerkrieg im Libanon schaden könnte.

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