Deutsche Post gerät wegen der Arbeitsbedingungen bei DHL unter Druck

Lesezeit: 1 min
22.11.2012 16:13
Die Deutsche Post sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sich außerhalb Deutschlands nicht an die gültigen Arbeitsrechtsvorschriften gehalten zu haben. DHL-Mitarbeiter in der Türkei sollen entlassen worden sein, weil sie eine Gewerkschaft gründen wollten. Die Deutsche Post bestreitet die Vorwürfe.

Die Internationale Transportarbeiterförderation (ITF) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Post. Sie beinhalten Einschränkungen von Arbeitnehmerrechten und unbegründete Entlassungen türkischer Angestellter. Damit verstoße das Unternehmen gegen multinationale OECD-Leitsätze und globale Standards. Die ITF fordert deshalb die deutsche Regierung auf, ihrer Verantwortung als Haupteigentümer der Deutschen Post nachzukommen und Maßnahmen zu ergreifen.

Die Vorwürfe richten sich unter anderem gegen eine Strategie der Logistiktochter DP-DHL in der Türkei, die die Vereinigungsfreiheit der dortigen Arbeitnehmerschaft einschränke. So wurde während einer Organisationskampagne eine Gruppe von Arbeitern unter Vorwänden und vager formulierter Gründe entlassen. Daraufhin klagten acht Angestellte vor einem türkischen Arbeitsgericht und sie bekamen in allen Fällen Recht.

Auch in anderen Ländern würden die Arbeitnehmerrechte systematisch eingeschränkt, so die ITF. Neben der Türkei seien auch Arbeiter in Indonesien, Malawi, Bahrrain,Vietnam, Kolumbien, Guatemala, Hongkong und den USA betroffen. Im Jahr 2006 wurde der Gewerkschaftsvorsitzende des Standorts in Bahrrain Ahmed Abdulla Al Khaja entlassen, nachdem er dem dortigen Direktor von DP-DHL über Probleme seiner Mitarbeiter sprechen wollte.

Im September 2010 sollen die Beschäftigten in Guatemala, die versuchten, eine Gewerkschaft zu bilden, schikaniert worden sein. So wurden Mitarbeiter dazu genötigt ein Schreiben zu unterzeichnen, das Kollegen entlarvt. „Wir möchten, dass DP-DHL sich an internationale Arbeitsstandards hält. Die Beweise, die im Rahmen der Anschuldigungen gegen das Unternehmen vorgebracht wurden, weisen auf unannehmbare Mängel im gesamten DP-DHL-Netz hin“, sagte die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB), Sharan Burrow.

Die Deutsche Post teilte mit, dass sie die Beschwerde zur Kenntnis genommen habe, wobei das Unternehmen weder deren Inhalt kenne, noch sich darüber im Klaren ist, ob sie überhaupt eingereicht wurde. Auf Anfrage von Deutsche Wirtschafts Nachrichten kommentierte die Deutsche-Post-Sprecherin Anne Motz die Vorwürfe: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Deutsche Post DHL weltweit haben das Recht, einer Gewerkschaft ihrer Wahl beizutreten oder nicht beizutreten.“ Die Entlassungen in der Türkei gingen nicht auf eine gewerkschaftliche Organisation der Mitarbeiter zurück. „Sie erfolgten wegen Fehlverhaltens oder Verletzung von arbeitsvertraglichen Pflichten“, so Motz.

Die ITF prüfte die Unterlagen des Konzerns, sie recherchierte Berichte und führte ausführliche Befragungen durch, um die Praktiken und Arbeitsbedingungen bei der DHL zu untersuchen. Nun fordert die Organisation von dem Logistikkonzern eine Verbesserung der Rechte für seine Arbeitnehmer. So soll ihnen eine gewerkschaftliche Organisation und eine menschenwürdige Arbeit ermöglicht werden. Die ITF verfolgt das Ziel, mit der DHL eine Verhandlungslösung zu erzielen.

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