Jugend ohne Arbeit: Warum der Euro Europa zerreißt

 

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10.01.2013 02:29
Die hohen aktuellen Zahlen der Jugendarbeitslosigkeit in Europa zeigen: Die Währungsunion funktioniert nicht. Der dramatische Anstieg wird auch durch staatliche Interventionen oder Markt-Manipulationen durch die EZB nicht gebremst. Die Zahlen sind ein Menetekel, warum der Euro nicht funktionieren kann.
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Die neuesten Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone (hier) müssen in einer längerfristigen Entwicklung betrachtet werden. Dann versteht man, warum der Euro als Währung ohne wirkliche Wirtschaftsunion zum Scheitern verurteilt ist.

Besonders auffällig ist nämlich, dass die Entwicklung in Europa stets anders verlaufen ist als in Deutschland. In den 90-er Jahren bis zur Mitte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends stieg die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland leicht an, während sie in anderen europäischen Ländern tendenziell eher abnahm. Und seit 2006 hat die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland langsam aber stetig abgenommen, während sie in anderen europäischen Ländern extrem angestiegen ist. Diese Unterschiede treten auf, obwohl der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung in den großen Ländern der EU weit gehend gleich ist.

Unmittelbar nach der Einführung des Euro ist die Jugendarbeitslosigkeit in allen Ländern Europas gesunken, während sie in Deutschland deutlich anstieg. Dies hängt damit zusammen, dass die Länder im Süden mit einem Schlag mit billigem Geld überschwemmt wurden und ihre Staatsfinanzierung entgegen ihrer wahren wirtschaftlichen Potenz plötzlich ein Kinderspiel war. So entstand eine klassische Blase: Die Banken pumpten Geld in die Länder, die Länder hielten die Hand auf und verteilten das Geld an ihre Bürger – um möglichst wieder gewählt zu werden. Von diesem kollektiven Füllhorn profitierten auch die jungen Europäer der Südstaaten. Auf einmal gab es überall Jobs. Die Staaten leiteten das Geld in Infrastrukturprojekte, Immobilien wurden errichtet, obwohl kein Mensch so viele Immobilien braucht: Allein in Spanien wurden mehr Wohnungen gebaut als es Einwohner gab – vom Baby bis zum Greis gerechnet.

Mit der Lehman-Pleite kam die Stunde der Wahrheit. Im globalen Finanzsystem wurde deutlich, dass die US-Immobilienblase zu großen Gewinnen bei Banken und Bauunternehmern geführt hatten. Es gab jedoch keine Entsprechung bei den realen Vermögensverhältnissen der durchschnittlichen Amerikaner. Aufgeschreckt vom Lehman-Knall und nur mit Bailout-Geldern vor dem ganz großen Crash gerettet, wurden die Banken zwangsläufig vorsichtiger. Der Geldsegen für die Staaten versiegte. Sichtbaren Ausdruck fand die neue Präsenz der Realität in den Zinssätzen für Staatsanleihen: Plötzlich sahen die Bond-Investoren Risiken, vor denen sie zuvor jahrelang dankbar die Augen verschlossen hielten.

Während es in Europa nach Lehman keine großen Bankenpleiten gab, bekamen die jungen Leute die Rechnung für die spekulative Party präsentiert: Es gab keine Jobs mehr. Die Unternehmen mussten entlassen, und es werden immer die Jungen zuerst entlassen, weil das für die Unternehmen billiger ist. Und neue Leute wurden nicht mehr eingestellt – was wiederum die Berufsanfänger traf.

Deutschland hat dagegen natürlich vom Euro profitiert, weil eine weiche Währung die Exporte erleichtert. Dadurch konnten die deutschen Unternehmen jungen Leute einstellen, was sich in dem deutlichen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland nach der US-Subprime-Krise zeigt.

Aber Deutschland wird am Ende trotzdem die Rechnung bezahlen müssen. Das Gegenbild zur Grafik der Jugendarbeitslosigkeit bietet nämlich die Aufstellung der Target 2 Salden, die genau spiegelverkehrt herum laufen. Um den sozialen Crash abzuwenden, pumpen die Euro-Staaten Geld in den Süden. Bleibt der Crash aus, ist alles vielleicht halb so schlimm. Kommt er jedoch, sind die Rettungsgelder der deutschen Steuerzahler dahin.

Dramatisch sind die Zahlen der Jugendarbeitslosigkeit deshalb, weil sie in fast allen Südstaaten nun deutlich höher ist als noch in den neunziger Jahren. Und die Jugendarbeitslosigkeit könnte nur durch reales Wachstum gestoppt werden. Das gibt es aber in Europa nicht. Für 2013 wird allgemein bestenfalls eine Stagnation erwartet – in diese Richtung dürften man die Zahlen frisieren können. In Spanien, Griechenland und Portugal dagegen signalisieren die neuen Werte von über 50 Prozent arbeitsloser Jugendlicher eine Depression. In Frankreich und Italien wird es eine Rezession sein.

Sollte die EZB in der Lage sein, durch weitere Manipulationen die Zinssätze für die Staatsanleihen im Süden niedrig zu halten, werden die Staaten nicht mehr lange warten und alles daran setzen, das Geld in den realen Wirtschaftskreislauf zu bringen. Wenn der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in dem Maß weiter explodiert wie in den vergangenen zwei Jahren, dann sind soziale Unruhen faktisch unausweichlich. Sie werden durch einen verschärften Kampf der Generationen angeheizt, weil die Alten ihre Jobs nicht aufgeben wollen oder können – weil sie ihre Renten dahinschwinden sehen.

Die einzige Möglichkeit, die die nationalen Volkswirtschaften in dieser Lage hätten, wäre eine Abwertung ihrer eigenen Währung. Auch das ist wegen der gigantischen Schulden kein einfacher Weg. Aber es wäre zumindest ein Weg, den man aktiv beschreiten könnte.

So starren die Politiker Europas gebannt auf die EZB und hoffen, dass Mario Draghis magische Hand das Problem für sie löst. In Brüssel haben sich die EU-Granden auf den Endkampf eingestellt und beschränken sich auf Durchhalte-Parolen. Angela Merkel laviert und spekuliert darauf, dass das Spiel noch bis zur Bundestagswahl im Herbst gutgeht. Sie erreicht die höchsten Zustimmungszahlen unter den Wählern, weil die Deutschen nicht jeden Tag die Grafiken der Jugendarbeitslosigkeit und der Target 2-Salden vor Augen haben.

Der Vulkan steht jedoch vor seinem Ausbruch. Der Euro ist wie ein goldenes Kalb, um das herum die tanzen, die vor wenigen Jahren noch überzeugt waren, das größte Friedensprojekt der Geschichte geschaffen zu haben. In Wahrheit liegt der Euro als Deckel auf dem Vulkan. Wenn die Jugend in Europa erkennt, dass sie keine Zukunft mehr hat, kommt es zur Explosion. Die Statistiken der Jugendarbeitslosigkeit lesen sich wie die Road-Map zur Hölle. Am Ende des Weges werden dort, wo heute noch Milch und Honig sprudeln, Blut und Tränen fließen.

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