Finanzen

Draghi zu Haircuts: Sparer haben nichts zu befürchten

Lesezeit: 2 min
04.04.2013 16:07
Der EZB-Chef hat bei der Pressekonferenz den europäischen Sparern versichert, dass ihre Einlagen sicher sind. Damit versucht er die große Nervosität an den Märkten bezüglich weiterer Haircuts in Europa zu dämpfen.
Draghi zu Haircuts: Sparer haben nichts zu befürchten

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach der EZB-Ratssitzung äußerte sich EZB-Chef Draghi auf der Pressekonferenz zum Fall Zypern. „Zypern ist keine Vorlage“, so Draghi. „Ich bin sicher, dass der Präsident der Eurogruppe missverstanden wurde.“ Die EZB habe damals, als es um die Gewährung von Finanzhilfen für Zypern ging, „einen Vorschlag gemacht, der keinen Bail-in (Beteiligung) der unversicherten Bankkunden vorsah“. Und alle Vorschläge der EU-Kommission  und des IWF folgten dem gleichen Muster. Aber nach langwierigen Verhandlungen mit Zypern, sei eine Abgabe von unversicherten Bankkunden herausgekommen, die die „kleinen Anleger panisch werden ließ“, ergänzte Draghi. „Das war nicht klug, um es gelinde auszudrücken“, und es sei schon beim nächsten Treffen der Eurogruppe am nächsten Tag aus der Welt geschafft worden. Allerdings sei ein „Bail-in an sich nicht das Problem“, führte Draghi aus. „Es ist das Fehlen von vorher festgelegten Vorschriften (…), das ein Bail-in zu einem ungeordneten Ereignis machen würde“.

Leere Versicherungen zur Beruhigung der Bürger

Draghis Äußerungen sind letztlich nach Dijsselbloems unglücklichen Worten auch nur Versuche, die EU-Bürger und die Märkte zu beruhigen. So wie es auch Angela Merkel und Schäuble taten. Es wird einfach so lang weitergelogen, bis es vielleicht der ein oder andere glaubt. Anders kann man diese tägliche Beschwörung der Sicherheit der Einlagen nicht mehr erklären.  Wie ernst derlei Aussagen genommen werden können, zeigte sich auch bei der Mitteilung des zypriotischen Zentralbank-Chefs. Dieser dementierte noch vor dem Entschluss zur Zwangsabgabe in einem Brief an die Banker den Bericht der FT über eine solche.  Es sei rechtlich verboten, schrieb der Zentralbankchef und berief sich dabei auf die Verfassung des Landes und die Europäische Menschenrechts Konvention (hier).

Zwangsabgabe schon lange geplant

Dass der Weg zu dieser Art der Beteiligung an Rettungsaktionen in der Tat bereits diskutiert wird, bestätigte sogar der niederländische EZB-Mann Klaas Knot. Dieser Weg werde schon länger in Europa diskutiert und werde Teil des Prozesses sein, wie in Europa Banken liquidiert werden, sagte Knot (hier). Und auch Draghis bei der Pressekonferenz nebenbei gemachte Aussage, dass grundsätzlich nichts gegen solch einen Bail-in einzuwenden wäre, wenn festgelegte Regeln dafür bestünden, sagt nichts anderes. Um zu zeigen, wie effektiv so etwas sein kann, hat Goldman bereits erste Berechnungen angestellt - aus reinem Interesse versteht sich (hier). Es ist zudem in der EU gängige Praxis mit brisanten neuen Themen und Ideen kurzfristig an die Öffentlichkeit zu gehen, um zu sehen, wie diese aufgenommen werden. Zurückrudern kann man ja schließlich immer noch. Sollten die neuen Ideen dann tatsächlich umgesetzt werden, ist der zweite Aufschrei der Öffentlichkeit meist nicht mehr so groß, wie der erste. Und so bekommt in Krisenzeiten der Ausspruch, es werde gelogen wie gedruckt, für die Handlungen der EU eine doppelte Bedeutung.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...

DWN
Technologie
Technologie Ab dem 1. November funktioniert WhatsApp nicht mehr auf insgesamt 45 Smartphones

Ab dem 1. November 2021 wird WhatsApp auf 45 Smartphones und iPhones nicht mehr funktionieren. Hier können Sie die vollständige Liste der...

DWN
Politik
Politik Gas-Streit zwischen Russland und Moldawien eskaliert

Der russische Energiekonzern Gazprom droht der Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Zudrehen des Gashahns.

DWN
Finanzen
Finanzen Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

DWN
Panorama
Panorama Neue Studie: Wikinger ließen sich im Jahr 1021 in Nordamerika nieder

Einer neuen Studie zufolge ließen sich die Wikinger 1021 n. Chr. in Nordamerika nieder. Es ist seit langem bekannt, dass die Europäer vor...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Brandgefahr: Was ist ein Thermal Runaway?

Die Brandgefahr bei E-Autos beschäftigt Fachleute und Automobil-Clubs. Was in diesem Zusammenhang ein „Thermal Runaway“ ist und wie...

DWN
Politik
Politik Corona-Knaller in Österreich: Lockdown nur für Ungeimpfte beschlossen – wenn Intensivbetten ausgelastet sind

Die österreichische Regierung hat beschlossen, dass nur Ungeimpfte in den Lockdown müssen, wenn die Intensivbetten in den Krankenhäusern...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rente mit 70 - sonst kollabiert unser System!

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine umfassende Analyse unseres Wirtschafts- und Sozialsystems nach Corona.